Nas - Untitled

Nas- Untitled

Def Jam / Universal
VÖ: 11.07.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Von der Seele

Der größte Skandal ist wieder mal der, der gar nicht stattfindet. Nas - oder irgendjemand, der diese Dinge für ihn erledigt - hatte beschlossen, sein neuntes Album "Nigger" zu nennen. Folgerichtig wurden Empörung und Entsetzen über ihn ausgekippt, als hätte er die Freiheitsstatue, Oprah oder sonst irgendein amerikanisches Wahrzeichen angepinkelt - und dann passierte etwas sehr merkwürdiges. Nas ruderte rückwärts, von "Ni**er" über "N*****" zu "Untitled", bis er schließlich glaubte, sich rechtfertigen zu müssen. "Try telling Bob Dylan, Bruce or Billy Joel / They can't sing what's in they soul / So 'Untitled' it is / I never changed nothing", heißt es nun in "Hero", das sich einmal mehr mit unbesiegbarem Selbstbewusstsein über die eigenen Schuhspitzen putzt. Und abgesehen von der unbeabsichtigten Komik eines "Joel/soul"-Reims ist ja doch alles in Ordnung damit.

"Untitled" ist auch ohne Statement-Name ein Statement-Album. Wie immer bei Nas wurde es vorab als seine beste Platte seit "Illmatic" gefeiert, und wie immer bei Nas reiht es sich zwei Reihen dahinter ein bei den vielen guten, aber nicht weltbewegenden Alben, die er gemacht hat. Diesmal ist das höchstens problematisch, weil eben doch die Welt bewegt werden sollte, Nas viel vorhatte und alles auf seiner Agenda stand, was einen Amerikaner angeht, der sich noch nicht dafür entschieden hat, im November sein Kreuz bei McCain zu machen. Der Begriff "Nigger" wird in umfangreichen, bewusst widersprüchlichen Ausführungen definiert und ausgeweitet, bis praktisch jeder drunterpasst, der möchte. Kriegstreiber, Rassisten, Tarnkappen-Nazis und Mediengeier werden ans gleiche Kreuz genagelt. Und "Black president" schlägt sich als anbiedernd-offensichtlicher Obama-Gospel inklusive "Yes, we can"-Refrain auf die Seite der Gerechten.

Das aber ist das Ende von "Untitled", und am besten ist die Platte 53 Minuten vorher, wenn sie in Saul-Williams-Manier mit dem nervösen Klavierklimpern von "Queens get the money" losgeht. Nas rappt hier entschlossen und furchteinflößend wie seit Jahren nicht mehr, nimmt den Schwung mit ins freischwimmende "You can't stop us now", und holt einen klaren Punktsieg gegen RZA, der das gleiche "Message from a blackman"-Sample neulich erst auf seiner "Digi snacks" -Platte benutzt hatte. Danach schaltet "Untitled" in den Kanye-West-Autopilot: "Breathe" völlert sich durch souveräne, aber unaufgeregte Billboard-HipHop-Standards, und "Make the world go round" ist die albuminterne Block Party mit großem Verbrüderungsbewusstsein. Seine ursprünglchen Absichten aber scheinen "Untitled" erst mit "Sly fox" wieder einzufallen.

Die Gitarre und ihr furchtbares Posersolo sind in diesem Track leider mehr Cypress Hill als Beastie Boys, und der Text über zynische Mechanismen bei Amerikas großem konservativen Fernsehsender bringt einen auch nicht weiter als Michael Moore vor zehn Jahren. Nas aber brennt hier wieder, berauscht vom eigenen Kampfgeist, und schlägt sich schließlich durch zur Essenz von "Untitled". Es ist ein komplexes Album ohne einfache Antworten, motiviert bis in die dritte Strophe des 15. Tracks - und letztlich doch nicht frei von Fehlern. Wie schon auf Jay-Zs "American gangster" wird das übergeordnete Konzept für eine handvoll Stücke geopfert, die für nichts stehen als sich selbst - und obwohl Busta Rymes' Hühner-Analogien aus dem unwiderstehlichen "Fried chicken" zu den kindischsten und lustigsten Zeilen der ganzen Platte gehören, sollte das doch wohl der eigentliche Skandal hier sein.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Queens get the money
  • You can't stop us now
  • N.I.*.*.E.R. (The slave and the master)
  • Fried chicken

Tracklist

  1. Queens get the money
  2. You can't stop us now (feat. Eban Thomas & The Last Poets)
  3. Breathe
  4. Make the world go round (feat. Chris Brown & The Game)
  5. Hero (feat. Keri Wilson)
  6. America
  7. Sly fox
  8. Testify
  9. N.I.*.*.E.R. (The slave and the master)
  10. Untitled
  11. Fried chicken (feat. Busta Rhymes)
  12. Project roach (feat. The Last Poets)
  13. Y'all my ni**as
  14. We're not alone (feat. Mykel)
  15. Black president

Gesamtspielzeit: 53:55 min.

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