The Fall - Imperial wax solvent

The Fall- Imperial wax solvent

Sanctuary / Universal
VÖ: 08.07.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Und kein bisschen leise

Endlich ist Mark E. Smith so alt, wie er seit langem schon aussieht. "I'm a 50 year old man / And I like it." Zum Glück ist er trotzdem ein rettendes Jahr älter als die versammelten Mainstream-Luschen, die 2008 auch noch fünfzig werden: Michael Jackson, Prince, Madonna. Yuck! Das großartig besudelte Geschenk zur Midlife-Crisis ist ausschließlich für ihn selbst: "50 year old man" taumelt elf Minuten zwischen Delirium, Tollwut und Progrock hin und her. Ausgerechnet Progrock!

"Imperial wax solvent", das 27. (in Worten: siebenundzwanzigste) Album von The Fall in 32 (in Worten: zweiunddreißig) Jahren, ist natürlich mehr vom gleichen und doch schon wieder ein Schritt seitwärts. Das bissige Garagengeschepper von "Wolf kidult man", das stolpernde Riff von "Is this new", den gurrenden Rostrock von "Latch key kid" oder die desinteressierte Coolness von "Tommy shooter" könnten nicht einmal begabte Adepten wie Ikara Colt, Clinic oder LCD Soundsystem nachstellen.

Und Smith selbst ist sowieso unersetzlich. "Used to be psychic, but I drank my way out of it." So einer zerlegt die Musik mit grinsendem Vorsatz. Jeden gefälligen Ansatz würgt er kurzerhand ab, überblendet eine Bluesrocknummer von Störgeräuschen, lässt mitten im Riff ein hilfloses Banjo vergewaltigen, und ausgerechnet die monotonste verfügbare Passage wird endlos wiederholt. Passend dazu erklingt sogar die Produktion teilweise im angeblich antiquierten Mono. Selbst wenn im famosen "Can can summer" gleich mehrere Rhythmusvorschläge konsequent zerfallen, darf nicht gemeckert werden. Denn das ist bei The Fall Chefsache.

In den ständig wechselnden Inkarnationen stand und steht Smith derart im Mittelpunkt, dass es beinahe egal ist, was der Rest mit seinen Instrumenten gerade so anstellt. Nicht einmal die so typischen Analog-Piepsereien, verkrachten Bässe und Nicht-Grooves zwischen Krautrock und Protopunk können, wollen und dürfen das Geschehen zusammenhalten - und genau das macht sie so wertvoll. Da wirkt das mächtige "Senior twilight stock replacer" gegen den psychotischen Bossanova des Openers "Alton Towers" oder die unsauber verklebte Elektronik aus "Taurig" beinahe überproduziert. Wenn dann sogar noch Ehefrau Elena Poulou sirent, kommt mit "I've been duped" sogar formschöner Defektpop dabei heraus. Mit großem Defekt und kleinem Pop, selbstredend. Instrumentale Könnerschaft würde schließlich nur davon ablenken, wie Smiths Galle hochkocht. "My boss, he has the imagination of a gnat." Genau so geht Charme.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Wulf kidult man
  • 50 year old man
  • Can can summer
  • Senior twilight stock replacer

Tracklist

  1. Alton Towers
  2. Wolf kidult man
  3. 50 year old man
  4. I've been duped
  5. Strangetown
  6. Taurig
  7. Can can summer
  8. Tommy shooter
  9. Latch key kid
  10. Is this new
  11. Senior twilight stock replacer
  12. Exploding chimney

Gesamtspielzeit: 47:10 min.

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User Beitrag
Senior Twilight Stock Replacer
2008-08-03 21:42:22 Uhr
Hmmm, dann kannst du ja noch einiges erleben wenn du erst so wenig kennst. Hex Enduction Hour, Perverted By Language, Dragnet, The Wonderful And Frightening World Of The Fall, The Unutterable würde ich auch gerne nochmal das erste mal hören :)
Channel Führer
2008-07-23 23:21:32 Uhr
Habe mir übrigens auch mal die neue Rezension zu IWS hier bei Plattentest zu Gemüte geführt.
Ist doch recht angemessen bewertet worden und macht auf jeden Fall die Sonderstellung dieser Band klar, was in meinen Augen auch wichtig ist.
Channel Führer
2008-07-23 23:18:23 Uhr
Schande über mein Haupt! Ich habe nur die letzten drei Fall-Alben sowie die Klassiker "Bend Sinister" und "This Nation's Saving Grace".
Kann also zu "The Real New Fall LP" leider nichts sagen..
Dein erster Eindruck von Reformation Post TLC soll dich allerdings nicht trügen. Kann ich auf jeden Fall empfehlen!
Werde bald auch mal nach und nach noch ein paar weitere Platten nachkaufen.
Senior Twilight Stock Replacer
2008-07-21 18:42:59 Uhr
Ja, das habe ich dann wohl falsch verstanden. Und du hast recht, Fall Heads Roll ist sehr eingängig.
Ehrlich gesagt habe ich in Post Reformation TLC bis vor wenigen Tagen gar nicht reingehört weil ich von den teilweise schlechten Kritiken abgeschreckt war, allerdings hat mir das, was ich gehört habe, sehr gut gefallen (weiß jetzt nur nicht mehr die Songtitel).

Naja, die IWS wollte ich mir auf Vinyl holen, allerdings wird sich meine Hoffnung, dass die Scheibe noch ein bisschen billiger wird, wohl nicht erfüllen (bei JPC ist sie für 26 Eur gelistet).


Weil du ja scheinbar ein The Fall-Fan bist: hast du eigentlich mal die unterschiedlichen Versionen von The Real New Fall LP verglichen? Ich hab hier nur das UK-Release und das gefällt mir nicht so gut. Die Songs sind irgendwie alle so zerstückelt, da kommt gar kein richtiges Albumfeeling auf.
Channel Führer
2008-07-17 15:07:03 Uhr
Wie ich sehe kam mein Beitrag wohl etwas mißverständlich rüber.. Also um es klarzustellen:
"Fall Heads Roll" ist natürlich ohne Zweifel erhaben (du hast ja schon ein paar Highlights genannt) Ich wollte nur ausdrücken, dass seit dieser Platte der Sound noch dreckiger und sperriger wurde (siehe "Reformation Post TLC") und es nun mit der "Imperial Wax Solvent" weiter diese Tendenz zum Unverdaulichen bekommen hat. Allein wie roh die Stücke teilweise produziert sind.

Wo "Fall Heads Roll" noch den unbedarften Hörer mitreißen konnte (vor allem die prägnanten Keyboards haben da so eine Art Halt geboten oder das Cover "I Can Hear The Grass Grow"), verlangen die beiden Nachfolger dem Hörer viel mehr an Aufgeschlossenheit ab (ich sage nur: "50 Year Old Man" oder schon auf der R.P.TLC "Das Boat"...)

Ordentlich Biss haben aber alle drei genannten Alben! Hoffe, die kommen mal wieder nach Deutschland.




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