Carla Bruni - Comme si de rien n'était

Carla Bruni- Comme si de rien n'était

Naïve / Ministry Of Sound / Edel
VÖ: 11.07.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

C'est la vie

Vieles ist passiert seit dem 12. Januar 2007, jenem Tag, an dem Carla Brunis zweites Album "No promises" veröffentlicht wurde. Zwei angeblich gesuchte Superstars wurden gekrönt, unzählige prominente Kinder auf die Welt gebracht und adoptiert, die Benzinpreise stiegen auf in schwindelerregende Höhen, dafür sank der Durchschnittslohn der Arbeiterklasse. Eine EM vereinte die Fans und entlockte selbst dem hartgesottensten Stiernacken noch das ein oder andere Tränchen, als Deutschland wieder nur auf dem undankbaren zweiten Platz landete. Bundeskanzlerin Merkel schockte die Weltpresse, als der Ausschnitt ihres Kleides Richtung Bauchnabel rutschte. Und irgendwo zwischen all diesen Schlagzeilen, wurde Nicolas Sarkozy Präsident der französischen Republik, ließ sich von seiner Frau scheiden, heiratete vier Monate später Carla Bruni und wird seitdem mehr und mehr zum Witz der Öffentlichkeit - während der Beliebtheitsgrad seiner Gattin stetig steigt. So schließt sich der Kreis.

An Werbung mangelte es also sicher nicht, als "Comme si de rien n'était" für den Juli angekündigt wurde. Der herrlich ironische Titel - "Als ob nichts gewesen wäre" - erhielt da noch am wenigsten Beachtung, es waren mehr die Texte von Songs wie "Tu es ma came" ("Du bist meine Droge"), die für Wirbel sorgten. Der kolumbianische Botschafter regte sich wegen des Vergleichs des besungenen Liebhabers mit kolumbianischem Kokain auf, und niemand sprach darüber, dass die beschwingte Sommerballade ein schlichtweg schönes Stück Musik ist. Brunis Stimme, wie auch ihr Erscheinungsbild, ist auf eine unschuldige Art sexy, und diese Eigenschaft baut sie in ihren Liedern aus. Songs wie "Ta tienne", das hektisch davonzulaufen scheint, oder auch die Single "L'amoureuse", die sich wunderbar dazu eignet, um bei einem Croissant und einer Tasse Kakao auf dem Balkon das warme Wetter zu genießen, überzeugen auf ganzer Linie. "Je suis une enfant", ebenfalls im Vorfeld bekannt geworden aufgrund der erwähnten 30 Liebhaber, besticht durch seine naive Art. Und auch sonst gelingt Bruni der Spagat zwischen der Première Dame und der Frau mit der Gitarre (die eigentlich nur ein bisschen Musik machen möchte) bestens, beziehungsweise: fast schon zu gut.

Denn so sehr man sich auch anstrengt, ablegen kann man den Gedanken an den kleinen Mann mit der Rotweinnase neben diesem rehgleichen Wesen nicht; Carla Bruni spielt eine Doppelrolle, die für den Hörer wohl schwerer zu trennen ist, als für sie selbst. "You belong to me", das einzige englische Stück, passt nicht ganz in das Bild der melancholisch-verspielten Musikerin, zu schwermütig wirkt das Ganze, zu schleppend geht es voran. "Notre grand amour est mort" offenbart die Schwächen in Brunis Stimme auf brutale Weise, und der Abschluss mit "Il vecchio e il bambino", ein Cover von Francesco Guccini, verabschiedet sich mit düsteren Klängen und kehrt die erwachsene, welterfahrene Frau heraus, die sich ihres Charismas bewusst ist. Auf Tour gehen will die Dame mit den 1000 Gesichtern trotzdem nicht, zumindest nicht, solange ihr Mann im Amt ist; stattdessen möchte sie traditionell an seiner Seite glänzen und sich humanitär betätigen. Auch das gehört zum Stil einer Politikerfrau, die das Ex-Model, die Sängerin und Liebhaberin zahlreicher Musiker jetzt ist - und man hofft für Carla Bruni, dass ihr dieses Leben ebenso gefällt, wie so vielen ihre Musik.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Tu es ma came
  • L'amoureuse
  • Je suis une enfant
  • Le temps perdu

Tracklist

  1. Ma jeunesse
  2. La possibilité d'une île
  3. L'amoureuse
  4. Tu es ma came
  5. Salut marin
  6. Ta tienne
  7. Péché d'envie
  8. You belong to me
  9. Le temps perdu
  10. Déranger les pierres
  11. Je suis une enfant
  12. L'antilope
  13. Notre grand amour est mort
  14. Il vecchio e il bambino

Gesamtspielzeit: 42:21 min.

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