Whip - Blues for losers

Whip- Blues for losers

Zeal / DevilDuck / Indigo
VÖ: 18.07.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Buddhismus für Landeier

Es ist immer wieder das Gleiche: Wenn man sich mit einem Tonträger befasst, bei dem Jason Merritt die Feder führte, wird man in die Vergangenheit versetzt. Natürlich ist diese Vorzeit ein Setting, das jedes "Früher war alles besser"-Gerede vortrefflich Lügen zu strafen weiß. Für dieses wohlige Ungemach bedient sich der Timesbold-Sänger bei Soloveröffentlichungen als Whip dabei des gleichen Wie und Womit. So ist "Blues for losers" nicht nur Merritts erstes Soloalbum, das auch hierzulande veröffentlicht wird, sondern auch ein Schlendern durch die nächtliche Wüste, ein einsames Flehen am Lagerfeuer, ein Marodieren in einer schrottreifen Geisterbahn. "Garbage is as garbage does."

Es ist immer wieder das Gleiche: Ein mulmiges Gefühl macht es sich in der Magengegend ungemütlich. Merritts Texte legen mit schlichter Poesie den Finger dorthin, wo die Schmerzen lauern: "I give my food to the blind cat / In the alley behind my shack / Oh, I live in luxury / With an old crow in a sack." Seine Stimme steht bei Whip vielleicht noch ein wenig mehr im Mittelpunkt des rustikalen Barmens als bei Timesbold. Doch hier wie dort ist es sie, die Hoffnung mit der gleichen Intensität vermittelt, wie sie für Furcht, Verzweiflung und Verletzlichkeit steht. "My baby studies evil / I study evil, too / Gonna hang 'round here and see what this girl can do."

Es ist immer wieder das Gleiche: Vor die Überwindung des Unheils hat Merritt die Auseinandersetzung damit gesetzt. Leben ist Leiden. Solche beinahe buddhistische Weisheit verströmt auch das sinistre "Wicked wheel". "Gainin' ground" weiß genau, dass es trotz seines Vorwärtsdrangs nicht von der Stelle kann. "No reply" resigniert angesichts der Nutzlosigkeit eigener Ambitionen. Dafür fiel "Newsflash" kunstvoll aus Tom Waits rostiger Werkzeugkiste, und Billy Idols "White wedding" gewinnt in der entschleunigten Version an Zynismus und Dramatik. "There's nothing fair in this world." Fürwahr.

Es ist immer wieder das Gleiche: Die sepiagetönten Klänge von Banjo, Zither, gestrichenen Wassergläsern, Pappkartons und Pumporgel besitzen eine kleidsame Patina. Rumpelnde Rhythmen verströmen die ihnen eigene Erdverbundenheit so sehr, dass sich selbst Telefonklingeln und das Klopfen des genervten Nachbarn genügsam einfügen. Trotzdem ist der Titel "Blues for losers" wie bei seinem Vorgänger "Atheist lovesongs to God" mehr als Koketterie. Die Katharsis steckt nämlich bereits mitten in dieser Musik, die völlig weltfremd scheint, aber eben doch mehr Leben verströmt als die versammelten Charts der letzten zwanzig Jahre zusammen. Wer sich bereits von Timesbolds kontemplativen Klängen faszinieren ließ, wird sich unschwer auch von Whip begeistern lassen. Es ist immer wieder das Gleiche, doch es ist immer wieder neu.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Down by blood
  • Gainin' ground
  • Spare angel
  • White wedding

Tracklist

  1. Down by blood
  2. Gainin' ground
  3. No reply
  4. Kind favour
  5. Warbler
  6. Newsflash
  7. Spare angel
  8. Spread eagle
  9. Who sings
  10. Wicked wheels
  11. Off the rails
  12. White wedding
  13. Wrecking crew

Gesamtspielzeit: 44:09 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
azule
2009-05-19 00:18:57 Uhr
Ja, total schön! Hab ihn in Dortmund gesehen. Seit langen hat mich mal jemand mit Musik berührt. Kommt echt selten vor.
Konsum
2009-05-15 10:34:10 Uhr
War großartig. Noch wer da gewesen?
bee
2009-04-28 15:40:48 Uhr
der Gute ist auf Tour - nix wie hin!
08.05.2009 Offenbach (D) , Hafen 2
09.05.2009 München (D) , Südstadt
10.05.2009 Karlsruhe (D) , Jubez
11.05.2009 Leipzig (D) , Noch Besser Leben
13.05.2009 Hamburg (D) , Hasenschaukel
14.05.2009 Duisburg (D) , Steinbruch
15.05.2009 Dortmund (D) , Subrosa
Konsum
2008-07-28 11:49:00 Uhr
Piepi (26.07.2008 - 01:09 Uhr):
Gut so und die neue timesbold gleich mit.


Die habe ich doch schon längst. Liegt sehr gut im Rennen um das Album des Jahres.
MMM
2008-07-26 01:17:00 Uhr
Spare mir das Merci, bee, you know
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