Leila - Blood, looms and blooms

Leila- Blood, looms and blooms

Warp / Rough Trade
VÖ: 04.07.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Der Slang der Geschichte

Das Ende der Geschichte ist mal wieder nah, wenn sich die englische Presse in Superlativen übt. Leila ist so ein Fall: Sie wird als eines der hoffnungsvollsten Talente am Produzentenhimmel elektronischer Musik gehandelt. Dass ihr neues Album "Blood, looms and blooms" auf dem renommierten Label Warp erscheint, steigert die Ambitionen fast ins Unermessliche. Die Spitze des Eisbergs ist aber erst erreicht, wenn immer wieder erwähnt wird, dass sie auf den Spuren von Aphex Twin und Björk wandelt, mit denen sie zudem befreundet ist. Das sei aber nur so nebenbei erwähnt. Denn große Namen und hervorragende Presse allein machen noch kein gutes Album. Oder etwa doch?

Wenn zwei gegensätzliche Einflüsse aus unterschiedlichen Kulturkreisen aufeinandertreffen und miteinander vereint werden, ist Horizontverschmelzung sicherlich ein treffender Begriff. M.I.A.s "Arular" lieferte dafür das beste Beispiel. Der gebürtigen Iranerin Leila gelingt Ähnliches, wenn sie Walzerrhythmen gegen orientalischen Gesang ausspielt, beides verschmelzen lässt und irgendwo im Londoner Großstadtleben vor einem multikulturellen Publikum in Szene setzt. Gleichzeitig wird ein Rückgriff auf die Natur angedeutet, der im Kontrast zur schnelllebigen Metropole steht. Beides wird hier jedoch ohne weiteres in Einklang gebracht.

"Blood, looms and blooms" wäre zugegebenermaßen ziemlich witzlos ohne Leilas Gäste. Auf "Time to blow" fügt Terry Halls Gesang die Funkyness eines Gnarls Barkley mit der Besessenheit seiner einstigen Band The Specials zusammen. Martina Topley-Bird knallt einen fiesen Trip-Hop-Track unter Mithilfe dröhnender Gitarren aufs Parkett, freilich im positiven Sinne. "Little acorns" hingegen wandelt auf den Spuren von CocoRosie und zelebriert Avantgardepop mit eingespielten Hörnern und aufregendem Percussionspiel. Und beim anschließenden "Daisies, cats and spacemen" könnte man den Verdacht hegen, es sei in der gleichen Hütte im Topanga Canyon aufgenommen worden, in der Devendra Banhart sein letztes Werk "Smokey rolls down thunder canyon" vollendet hat.

Als ganz großer Wurf geht "Blood, looms and blooms" dann aber doch nicht in die Musikgeschichte ein. Die Spannung kann auf Albumlänge nicht immer ganz gehalten werden. Es fehlt der Schwung. So plätschert "Young ones" ein wenig mut- und orientierungslos vor sich hin und das Gequietsche, Geheule und Georgel auf "Lost dolphins" kann mitunter etwas nervtötend wirken. Auch das Beatles-Cover "Norwegian wood" kann nicht so recht beeindrucken. Und was nun? War es das? Fast! Denn Martina Topley-Bird kehrt zum famosen Finale von "Why should I?" zurück. Anschließend bleibt ein überwiegend positiver Eindruck … die Geschichte wird jedoch fortgeschrieben werden müssen. Was auch sonst?

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Time to blow
  • Little acorns
  • Deflect

Tracklist

  1. Mollie
  2. Time to blow
  3. Little acorns
  4. Daisies, cats and spacemen
  5. Mettle
  6. Teases me
  7. Carplos
  8. The exotics
  9. Deflect
  10. Norwegian wood
  11. Lush dolphins
  12. Ur train
  13. Young ones
  14. Why should I?

Gesamtspielzeit: 55:03 min.

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  • Leila Arab (9 Beiträge / Letzter am 30.01.2012 - 15:35 Uhr)