Judas Priest - Nostradamus

Judas Priest- Nostradamus

Sony BMG
VÖ: 13.06.2008

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Poser Nostra

Mut haben Judas Priest, das muss man ihnen lassen. Anstatt ihren mit dem großen "Angel of retribution" frisch restaurierten Ruf zu festigen, gehen die Herren aus Birmingham das Wagnis namens "Konzeptalbum" an. Auf der anderen Seite müssen sie nach mehr als 35 Jahren Bandgeschichte niemandem mehr etwas beweisen, haben aber gleichzeitig gegen die Fesseln eines nicht eben vor Innovation strotzenden Genres zu kämpfen. Dann darf es auch gerne ein Doppelalbum sein: Über 100 Minuten seiner Zeit soll der geneigte Hörer investieren, um in das Leben des Herrn Michel de Nostredame einzutauchen.

Nach dem düster-stimmungsvollen Intro könnte zunächst Großes erwartet werden. "Prophecy" ist allerdings höchstens ein netter Stampfer, nicht mehr und nicht weniger. Zudem singt Rob Halford vor allem in den Strophen doch arg gepresst. Es gab mal Zeiten, zu denen er erheblich höhere Töne getroffen hätte. Was noch auffällt, ist der irgendwie pappige, klinische und drucklose Sound. Vielleicht hätten Priest gerade hier, wie schon bei "Angel of retribution", auf die Dienste von Roy Z zurückgreifen sollen. "War" wäre bei ihm sicherlich kein derart dünnes Liedchen mit ein wenig Schwertgerassel geworden.

So dümpelt zumindest die erste Silberscheibe im metallischen Niemandsland zwischen gewolltem, aber nicht gekonntem Bombast und bestenfalls durchschnittlichen Songs hin und her. "Pestilence and plague" mag dabei hervorstechen, ebenso die erste, sehr doomige Hälfte von "Death". Erst "Persecution", der letzte Song des ersten Akts, kann mit donnernden Riffs und - endlich - den so typischen Halford-Schreien wirklich überzeugen. Dennoch funktioniert "Nostradamus" eher wie ein Musical denn wie eine Metal-Oper. Das gelingt viel zu selten, zum Beispiel bei "Alone". Dummerweise steht gerade Rob Halford jedoch eher für gereckte Faust und Pommesgabel statt für ausgebreitete Arme. Insbesondere bei "New beginnings" sieht der Hörer jene Geste vor seinem geistigen Auge - es ist dann aber doch eher ein haltloses Rudern, um nicht formvollendet auf die Visage zu fallen.

Fast schon wie Hohn wirkt dann der abschließende Titelsong. Nach Arien-artigem Beginn auf einmal das, was gemeinhin von einem guten Priest-Song erwartet wird: Donnernde Riffs, ein markerschütternder Schrei, und ab dafür. Als fiele eine Last von den Herren ab, zeigen Judas Priest auf einmal, wie es richtig geht. Schon ironisch, dass der beste Song der am wenigsten ins Gesamtbild passende ist. Wie schon zuvor Manowar oder Iced Earth, fehlt "Nostradamus" die Balance zwischen Drama und großen Songs. Insofern klingt die Ankündigung, das Album auf der kommenden Tour komplett spielen zu wollen, beinahe wie eine Drohung. Ob Nostradamus das geahnt hätte?

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Persecution
  • Alone
  • Nostradamus

Tracklist

  • CD 1
    1. Dawn of creation
    2. Prophecy
    3. Awakening
    4. Revelations
    5. The four horsemen
    6. War
    7. Sands of time
    8. Pestilence and plague
    9. Death
    10. Peace
    11. Conquest
    12. Lost love
    13. Persecution
  • CD 2
    1. Solitude
    2. Exiled
    3. Alone
    4. Shadows in the flame
    5. Visions
    6. Hope
    7. New beginnings
    8. Calm before the storm
    9. Nostradamus
    10. Future of mankind

Gesamtspielzeit: 102:35 min.

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