Micah P. Hinson - Micah P. Hinson and the Red Empire Orchestra

Micah P. Hinson- Micah P. Hinson and the Red Empire Orchestra

Full Time Hobby / PIAS / Rough Trade
VÖ: 18.07.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mr. Pain

Sollte Micah P. Hinson, Sohn eines Psychologieprofessors und Jahrgang 1981, wider Erwarten von einem Türsteher als volljährig erkannt werden, hat er dies weder seiner schmächtigen Statur, noch seiner von jeglichem Bartwuchs boykottierten Minderjährigenvisage zu verdanken. Sondern ausschließlich dieser schier unfassbaren Stimme, die eigentlich einem 68-jährigen wetterfesten Gemüts-Cowboy gehört, in dessen Adern mindestens Whiskey zirkuliert. Doch nach einem Blick in Hinsons Biografie ist es plötzlich nicht mehr seine Stimme, die verwundert, sondern eher sein beinahe fabrikneues Äußeres.

Die Ödnis des furchtbar religiösen texanischen Städtchens Abilene hatte ihn zur Einnahme diverser schmerzlindernder Substanzen inspiriert, und noch vor seinem 20. Geburtstag war er in den Knast gewandert. Nur weil er dem Onkel Doktor mit dem Rezepteschreiben nicht so viel Arbeit machen wollte. Wieder auf freiem Fuß, konnte der Arme trotzdem keine großen Sprünge machen: Er war völlig pleite, obdachlos und dann kam - nach einem kumpelhaft gemeinten, aber unglücklich ausgeführten Schlag in den Rücken - zu allem Übel auch noch ein fieses Bandscheibenleiden hinzu, das mehrere Operationen unbeschadet überstand. Back to the Painkillers also. Dieses Mal aber mit Original-Rezept.

Es war jedoch ein anderes Schriftstück, das Hinson wieder Hoffnung machte: Eines Tages lag - zwischen Rechnungen, Mahnungen und Liebesbriefen (vom Inkassobüro) - eine Offerte von The-Paper-Chase-Mastermind John Congleton in seinem Briefkasten. Nach Kollaborationen mit Modest Mouse, Antony & The Johnsons und Marilyn Manson konnte sich der Herr Produzent nämlich nichts Schöneres vorstellen, als mit Hinson an dessen drittem Album herumzubasteln. Und nach den viel zu kurzen 38 Minuten melancholieseliger, herbstlaubfarbener Americana-Idylle weiß man: So viel Schöneres gibt es auch wirklich nicht. Die Aufnahmen dauerten keine zwei Wochen und fanden in einer ehemaligen Leichenhalle statt.

Vielleicht wirken die elf Songs deswegen so, als hätten sie die Koordinaten der Vergänglichkeit verlassen - unverwüstlich und dennoch hauchzart. Hinson klingt dabei wie die hinreißendste Verschmelzung von Bill Callahan (Smog) und Kurt Wagner (Lambchop), zelebriert wunderbar schunkelnden Country Noir - insbesondere bei "Tell me it ain't so" - und lässt sich immer wieder rückwärts in die Arme eines warmherzigen Kammerorchesters fallen. "When we embraced" kombiniert Banjohupfer mit Pianotupfern, "Throw the stone" präsentiert sich als Akustikgitarrengoldstück zum Niederknien (wenn man's nicht im Rücken hat) und "You will find me" gönnt sich nicht nur etwas mehr Strom als der Rest, sondern auch eine Extraportion Spannung und Drama. Als hätte es davon in Hinsons bisherigem Leben noch nicht genug gegeben.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Tell me it ain't so
  • When we embraced
  • Throw the stone
  • You will find me

Tracklist

  1. Come home quickly, darlin'
  2. Tell me it ain't so
  3. When we embraced
  4. I keep havin' these dreams
  5. Throw the stone
  6. Sunrise over the Olympus Mons
  7. The fire came up to my knees
  8. You will find me
  9. The wishing well and the willow tree
  10. We won't have to be lonesome
  11. Dyin' alone

Gesamtspielzeit: 38:11 min.

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