Oppenheimer - Take the whole midrange and boost it

Oppenheimer- Take the whole midrange and boost it

Fantastic Plastic / Rough Trade
VÖ: 11.07.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Anlagenberater

Worum es im Pop geht, weiß man im Allgemeinen: Zwei Menschen treffen sich, kommen zusammen und trennen sich wieder. Und das dauert dann selten länger als drei Minuten. Kürzer fassen sich nur noch Oppenheimer aus Belfast. "Take the whole midrange and boost it" kommt im Schnitt gerade mal auf zweieinhalb Minuten pro Stück. In denen erzählt das Duo aber auch viel bizarrere Geschichten, als es im Pop üblich ist. Zum Beispiel über Leute, die mit halbstündiger Verspätung registrieren, dass ihnen gerade niemand Geringeres als Cate Blanchett gegenüber sitzt. Eine Zeitspanne, die übrigens der knappen Gesamtlaufzeit entspricht, die Oppenheimer auf ihrem Zweitling erreichen. Und doch ist hier jede Menge los.

Man muss sich die Band nun nicht als das Lautsprecher und Stereoanlagen in ungeahnte Höhen treibende Ungetüm vorstellen, das Shaun Robinson und Rocky O'Reilly im Titel dieses Albums und auf dem mit sechssaitigen Klischees spielenden Cover vortäuschen. Denn obwohl "Take the whole midrange and boost it" von einem gerade mal 69-sekündigen Pop-Punk-Brecher eingeleitet wird, können die beiden auch leiser. Nicht dass sie das einem sofort auf die Nase binden würden: Zu Anfang rasen hektisch getriggerte Gitarrenwände und Fieps-Elektronik auf einem abenteuerlichen Stop-And-Go-Parcours um die Wette, bis die Gesetzeshüter was dagegen haben: "I hand you over to the local police / You're getting sort of friendly with the nearly deceased." Ein toller Satz, auch wenn man nicht genau weiß, was das dann mit "Major television events" zu tun haben soll. Den kürzesten Hit des Jahres haben Oppenheimer damit aber allemal in der Tasche.

Und noch einige andere, die nicht ganz so kurz sind. Mit der hymnischen Melodiepracht von "Stephen McCauley for president" zimmern sie einen schicken Raumteiler, der zu gleichen Teilen aus Dream-Pop und quirligem Umz-Umz besteht. Die Elektronik singt, der Beat pocht freundlich, alles fließt. Auch toll: die gleich darauf folgende Shoegazer-Preziose "Support our truths", die sich zudem angenehmer textlicher Spitzfindigkeit bedient. Oder das angedeutete Spacerock-Geschoss "The never never", das aber nie die Bodenhaftung verliert. Und wenn man es genau nimmt, gilt für alle anderen Songs eigentlich dasselbe. Zumindest dann, wenn man sie einzeln hört. Und das ist auch der Punkt, an dem man mit moderater Kritik ansetzen könnte: Oppenheimer hecheln manchmal eine Spur zu aufgekratzt durch dieses Album und erledigen einige Stücke mit einer Zielstrebigkeit, die dem Verschwenderischen großer Popmusik entgegensteht. Vielleicht wollen Robinson und O'Reilly einfach an zu vielen Orten gleichzeitig sein, als dass sie schon genau wüssten, wo es wirklich hin geht. Immerhin machen sie an den bisherigen Stationen eine ausgezeichnete Figur. Und das bestimmt nicht nur auf den heimischen Mitteltönern.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Major television events
  • Stephen McCauley for president
  • Support our truths

Tracklist

  1. Major television events
  2. Look up
  3. Cate Blanchett
  4. Only goal & winner
  5. Take the whole midrange and boost it
  6. Stephen McCauley for president
  7. Support our truths
  8. The blue rose
  9. Before & after the quake
  10. Fireworks are illegal in the state of New Jersey
  11. The never never
  12. I don't care what anyone says about you, I think you're alright

Gesamtspielzeit: 30:12 min.

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