Hotel Persona - In the clouds

Hotel Persona- In the clouds

Material / Edel
VÖ: 27.06.2008

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Der billige Absteiger

Wer kennt das nicht? Eigentlich hat man seinen Platz gefunden im Leben, ist mit sich und der Welt zufrieden - und wäre insgeheim doch lieber Astronaut, Hubschrauberpilot oder Feuerwehrmann. Und eben nicht nur der Bassist, auch wenn es bei Placebo ist. Stefan Olsdal jedenfalls nutzt Bandpausen bereits seit geraumer Zeit, um mit seinem Freund David Amen als Hotel Persona DJ Team schicke Clubs zum Beben zu bringen. Man ahnt es schon: Die Crowd war begeistert genug, dass es Hotel Persona nun auch im Bandformat und mit einem zusätzlichen Mitglied gibt. Weil ein Gutteil der Songs von "In the clouds" elektronisch bestritten wird, machte schnell die Vermutung vom "Dance-Projekt des Placebo-Bassisten" die Runde. Was sich liest wie die Quadratur des Kreises, klingt jedoch lange nicht so interessant - und leider auch nicht gut.

Nichts gegen die Ambitionen, auf einer komplett anderen Bühne als der Hauptband anzutreten und Tanzbeats mit Flamenco-Gefitzel in die Songs zu integrieren, was ja einen durchaus reizvollen kulturellen Clash bewirken könnte. Doch stattdessen ist "In the clouds" ein erschreckend gesichtsloses und inkonsequentes Album geworden. Mit extrem blutarmer Stimme singt sich Olsdal durch Tracks, die unentschlossen an Eurodance, Breakbeat-Pop und einer Schippe Gitarrenkrach vorbeischarwenzeln. Bei "Fight for love" retten sich dynamisch knurrende Riffs gerade noch in einen passablen Eighties-Refrain. Auch die Topmodel-Lobpreisung "The fantastic one" geht dank flinker Sequenzen und knackiger Gitarren in Ordnung, solange man sich errötend eingesteht, dass Kirmestechno zumindest früher ab zwei Liter Lambrusco gar nicht mal das Schlechteste war. Das gedrückte "Addicted" ist allein deswegen ein willkommener Ruhepol, weil Hotel Persona einem hier ausnahmsweise mal nicht alles um die Ohren hauen, was im Studio gerade rumliegt. Unter anderen Umständen könnte man aber auch auf diesen Song sehr gut verzichten.

Richtig schlimm wird es allerdings, wenn die drei mit dem Zaunpfahl wedeln, den sie sich offenbar gerade erst aus dem Allerwertesten gezogen haben. "Modern kids" ist nicht mehr als eine matte Zivilisationskritik, bei der der vollmundig angekündigte Brian Molko erst dann kurz mitsingen darf, wenn es schon keinen mehr interessiert. Die Coverversion von Samantha Fox' "Touch me" erweist sich als müde schleichender Rhythmustrack, auf dem die tanzende Fleischwurst lediglich lasziv aus der Studioecke rüberstöhnt. Und die Ballade "Cada día" mit Miguel Bosé am Mikro (immerhin in Spanien ein großer Popstar) geht genauso höllisch daneben, weil sie gar nichts anderes als ein Schlager-Schmachtfetzen mit haarsträubenden lyrischen Plattheiten sein will. Spätestens wenn man einen Ausfall wie diesen noch halbwegs anerkennend erwähnen muss, sollte man im Hotel Persona also schon die Minibar plündern, um sich einigermaßen zu amüsieren. Und falls der Zimmerservice einem nachts heimlich dieses Album unter der Tür durchschiebt, können die Raumpfleger das Trinkgeld für den nächsten Tag endgültig knicken.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Fight for love
  • The fantastic one

Tracklist

  1. Apocalypse
  2. Fight for love
  3. To the light
  4. The sea
  5. Modern kids (feat. Brian Molko)
  6. Addicted
  7. The fantastic one
  8. Touch me (feat. Samantha Fox)
  9. Cada día (feat. Miguel Bosé)
  10. Lullaby for Evan

Gesamtspielzeit: 42:09 min.