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Jordin Sparks - Jordin Sparks

Jordin Sparks- Jordin Sparks

Jive / Sony BMG
VÖ: 04.07.2008

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Im Schatten der Wühlkiste

Das Konzept "American Idol" funktioniert weltweit. Gefühlt sogar wöchentlich. Über das kurzfristige Aufbegehren in den Charts und das schnelle Abdriften in die Wühlkisten des örtlichen Flohmarkts sowie die beliebig große Reproduzierbarkeit neuer Superstars ist schon hinreichend gesprochen worden. Jordin Sparks hat die sechste Staffel der American-Idol-Originalausgabe für sich entschieden. Mit 17 Jahren ist sie die bislang jüngste Siegerin. Die textlichen Unannehmlichkeiten des Debütalbums über subtile wie naive Blicke auf das Beziehungsleben dürfen daher zunächst einmal mit dem Alter der Sängerin erklärt, jedoch nicht entschuldigt werden.

Ein Produzentenauflauf der seinesgleichen sucht (neun Autoren/Autorenteams bei dreizehn Songs) überschwemmt Sparks mit Titeln, die ihr thematisch wie musikalisch nicht mehr auf den Leib schneidern, als sie es bei jeder anderen x-beliebigen Nachwuchssängerin im Teeniealter tun würden. "Baby call me crazy, but i think you feel it too / Maybe I just get next to you". Zeilen aus "Next to you", die lediglich durch folgende schwulstige Phrasen aus "Permanent monday" gegipfelt werden: "Miss you like crazy" oder "Seven days / It feels like a year". Und das aus dem Mund einer Frau, die von sich behauptet, privat vornehmlich Post-Hardcore-Bands zu hören.

Dabei möchte man es Jordin Sparks irgendwie wünschen, ihr eigenes Konterfei nicht auf dem Grabbeltisch wiederentdecken zu müssen. Ihre Stimme hat das Zeug, das qualvolle Gehauche einer Mariah Carey im Keim zu ersticken. Leider spielt sie ihr Potential kaum bis gar nicht aus. Oder besser gesagt: Sie darf es (noch) nicht. Was Sparks zu leisten vermag, verdeutlicht "No air", ein Duett mit R&B-Schlumpf Chris Brown. Der Song ist zwar vierminütiger Schmonz und Schmalz und vollgepackt mit gefühlstriefenden "Oh"s in einem extrem radiofreundlichen Gewand, durch das harmonisch-verliebte Miteinander von Sparks und Brown verdient er jedoch durchaus Beachtung. "Freeze" bleibt durch seinen timabalandesken Beat als potentielle Herbst-Winter-Single im Ohr hängen, und "See my side" stellt das Zarte in Sparks' Stimme heraus, taugt sonst aber lediglich als Lalelu-Ersatz im Laufstall.

Der Rest der Platte ist berechnender R&B-Pop, der mal an Beyoncé erinnert ("Tattoo"), sich dann dem Ne-Yo-Sound anschließt ("One step at a time") und ganz "gewagt" auch mal eine Britney-Spears-Nummer aus Blackout-Zeiten einbaut ("Shy boy"). Gepaart mit facetten- wie lieblos produzierten Balladen überwiegt die Vermutung, dass dieses Werk sich zwar erst einmal passabel verkaufen wird, in drei Jahren hingegen unter der Rubrik "Sonderangebote" zu einem erschwinglichen Cent-Betrag den Besitzer wechselt. Die verantwortlichen Produzenten werden dann vermutlich gerade dem 174. Superstar zum Charterfolg verhelfen. Und Jordin Sparks? Die darf dann hoffentlich selbst Hand, Herz und Hirn an ein eigenes Album legen und ihre Stimme nach ihren Wünschen präsentieren. Wenn das dann auch in die Binsen geht, kann sie wenigstens mit Stolz in die Wühlkiste schauen.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • No air (feat. Chris Brown)

Tracklist

  1. Tattoo
  2. One step at a time
  3. No air (feat. Chris Brown)
  4. Freeze
  5. Shy boy
  6. Now you tell me
  7. Next to you
  8. Just for the record
  9. Permanent monday
  10. Young and in love
  11. See my side
  12. God loves ugly
  13. This is my now

Gesamtspielzeit: 49:49 min.

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