Ron Sexsmith - Exit strategy of the soul

Ron Sexsmith- Exit strategy of the soul

V2 / Universal
VÖ: 04.07.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ich + Ich

Woran denkt Ron Sexsmith, wenn er auf einer Brücke steht? Daran, dass er gerne "Bridge over troubled water" geschrieben hätte? Oder daran, dass seine Lieder manchmal ganz schön nah am Wasser gebaut sind? Weder noch. In einem Interview verriet er kürzlich, dass ihn auf Brücken gerne das irrationale Gefühl beschleicht, runterspringen zu wollen. Ohne Bungeeseil. Weil er sich keiner Lebensmüdigkeit bewusst war, suchte der Kanadier Rat bei einem Parapsychologen, der ihm erklärte, dass sein Geist in zwei Welten lebe - in dieser und in der nächsten. Und die verwirrenden Impulse seien nichts weiter als eine Art "Exit strategy of the soul". Man kann sich vorstellen, dass der Songsmith nach dieser beunruhigenden Information vermutlich erst einmal ans Klavier ging und aus Trotz ein Stück komponierte, das wie aus einer vergangenen Welt klingt.

Wobei er das ja eigentlich schon immer macht: Lieder wie aus dem Antiquariat schreiben. Man könnte die Erscheinungsjahre seiner Alben beliebig untereinander vertauschen - es würde nicht auffallen, weil sowieso alles klingt, als sei es mindestens so alt wie Sexsmith selbst (mittlerweile 44). Wahrscheinlich liegt es daran, dass der Romantiker sich naturgemäß danach sehnt, die Gesetze der Zeit außer Kraft zu setzen. Natürlich ist auch "Exit strategy of the soul" von Sexsmiths anderen zehn Alben, allesamt großartig, kaum zu unterscheiden. Nur anhand eines winzigen Details: Es ist die Platte mit den kubanischen Bläsern, die sich mal nach West Coast, mal nach Jazzschlager, aber nie nach Kuba anhören. Damit sich die Reise nach Havanna auch lohnte, ließ Produzent Martin Terefe - der schon bei dem brillanten "Retriever" die Fäden zog - vor Ort noch ein bisschen exotische Percussion einspielen. Wobei Exotik auf einem Ron-Sexsmith-Album selbstverständlich nicht über Bongotrommeln hinausgeht.

Die Instrumentierung ist bei ihm ohnehin ziemlich schnuppe - es sind nach wie vor seine honigumflossene Stimme und die Panorama-Wanderwege der Melodien, die Sexsmiths Lieder so unwiderstehlich machen. Wobei die übernächtigten, melancholiegetränkten Pianosongs immer noch seine besten sind, allen voran "Hard time". Den treuen Fan dürfte interessieren, dass Sexsmith es endlich geschafft hat, "Poor helpless dreams" aufzunehmen - eine Country-Nummer, die er bereits vor Veröffentlichung seines Debüts geschrieben hatte. Wäre aber auch wirklich zu schade gewesen für die Schublade. Ebenso wie die beiden Instrumentals "Spiritude" und "Dawn Anna", die eigentlich als Filmmusik gedacht waren und nun das neue Album würdevoll einrahmen.

Weil "Brandy Alexander" einfach viel zu schön war, um es Feist exklusiv für ihre Platte "The reminder" zu überlassen, hat Sexsmith den gemeinsam geschriebenen Song noch einmal selbst aufgenommen. Und wer hätte damit gerechnet, dass seine Version die weitaus flottere ist? Überhaupt gibt er sich immer relaxter und leichtfüßiger, was vor allem "This is how I know" und "The impossible world" ganz hervorragend steht. Es ist also keineswegs überraschend, dass der Troubadour aus Toronto vermutlich den hochkarätigsten Fanclub von allen hat: Paul McCartney, Elvis Costello, Elton John, Chris Martin - um nur mal ein paar zu nennen. Hoffentlich sagt er ab, wenn McCartney ihn mal wieder einlädt, auf einen Sprung vorbeizukommen.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • This is how I know
  • Brandy Alexander
  • Hard time
  • The impossible world

Tracklist

  1. Spiritude
  2. This is how I know
  3. One last round
  4. Ghost of a chance
  5. Thoughts and prayers
  6. Brandy Alexander
  7. Travelling alone
  8. Poor helpless dreams
  9. Hard time
  10. The impossible world
  11. Chased by love
  12. Brighter still
  13. Music to my ears
  14. Dawn Anna

Gesamtspielzeit: 44:39 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
antithesos
2009-05-30 15:16:30 Uhr
Mainstream für Reiche?
Melancholie für Arme!
thesos
2008-07-28 16:56:45 Uhr
furchtbare Platte - oder? Mainstream für Reiche
captain kidd
2008-06-24 21:25:44 Uhr
höre und sehe mal wieder gold in them hills. ach, schön.
Uh huh him
2008-06-24 21:24:26 Uhr
Seine Stimme ist halt einfach top.
captain kidd
2008-06-24 21:18:50 Uhr
Edit: Gibt ja nur einen Song vom neuen Album. Der ist klasse. Schöne Bläser.
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