Semifinalists - 2

Semifinalists- 2

V2 / Cooperative / Universal
VÖ: 27.06.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

I want to ride my recycle

Wie man die Brühwürfel-Soundästhetik der Achtziger in den Untiefen des neuen Jahrtausend aufkocht, das bewiesen zuletzt A Mountain Of One aufs Vortrefflichste. Der Londoner Drilling Semifinalists beschreitet einen ähnlichen Weg: Das schwülstige Gedängel und Gezirpe aus jener Zeit, als der Sackosaum noch in die Achseln zwickte und "Der weiße Slipper" eine nur wenig gefährdete Unterart der Onomatopoesie war, kontern sie mit Shoegaze-Verdichtungen, die nach dem Wahlspruch eines weiteren Helden des Schweißband-Jahrzehnts funktionieren. Frei nach Ferris Bueller heißt es zu vielen Songs auf "2": "Sie sind so verkrampft, wenn Du ihnen einen Klumpen Kohle in den Arsch drückst, hast Du nach einer Woche einen Diamanten." Der Kompressor ist dabei eindeutig die Rockformation. Und der Rohdiamant - wie immer - das, was unten rauskommt.

Gleich das Eröffnungsstück statuiert hier ein Exempel. Das zunächst schön nach vorne trippende "Our body" zerkrümelt irgendwann zu tangobeklatschten Synthie-Strichmännchen, die jeglichen Druck aus dem Song nehmen. Dann aber stehen zaghaft Gitarrenwände auf, und alles geht im Grunde noch mal von vorne los, um sich nun auch konsequent über die Ziellinie zu retten. Auch in der Folge ist der Ideenreichtum von "2" absolut hervorzuheben. Näher als "The alphabet" oder "The stairs" am Pop-Verständnis und tatsächlich der Güte der Stars waren bisher eigentlich ausschließlich diese selbst. Vor allem die sich behutsam duellierenden Gesangsdarbietungen von Ferry Gouw und Adriana Alba (mittlerweile nicht mehr an Bord) befeuern diesen Vergleich. Ein Song wie "Odd situation" will hingegen eindeutig viel zu viel. Ein wirklich erhebender Gitarrenpart trifft hier auf die üblichen Verdächtigen aus Captain-Future-Synthies, gewohnt unfunky vor sich hin slappenden Achtziger-Bässen und Zitatfeuerwerk-Zwischenteilen. Im Sinne des Rock: Sie wollten ein Auto, doch sie bekamen einen Computer.

Wenn dazu noch das Trio-Casio, der "Why can't I be you"-Takt oder ein Eurythmics-Gedächtnis-Intro ausgepackt werden, fragt man sich zwischenzeitlich schon, was das jetzt eigentlich bewirken soll. Denn auch die Songs selbst emanzipieren sich stets recht schnell wieder von diesen hohlwangigen Gesten, entwickeln dann aber nicht immer genügend Kraft, um sich vor der nächsten albernen Cluster-Pop-Attacke zu wehren. Insgesamt ist das schade, denn "2" glänzt durchaus durchgängig mit ebenso ausgebufften wie atmosphärisch dichten Songs. Deren Schöpfer hingegen scheinen nicht immer wirklich geschmackssicher. Ihr Bad Taste wirkt dabei als erneute, überflüssige Zitatebene, nicht als Grundeinstellung. Womit die Grenze zumindest angeschnitten wird, auf der man nicht mehr süffisant aus und mit seinem Outfit schmunzelt, sondern von den wirklich coolen Typen per Fingerzeig ausgelacht wird. Dadada.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • The alphabet
  • The stairs

Tracklist

  1. Our body
  2. Last pretending
  3. The alphabet
  4. Loud hearts
  5. Odd situation
  6. The stairs
  7. Ice bowling
  8. X song
  9. Makeout club
  10. Manuscript
  11. Surrender
  12. Our return

Gesamtspielzeit: 41:46 min.

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