Scott Kelly - The wake

Scott Kelly- The wake

Neurot / Southern / Cargo
VÖ: 23.05.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Der Herr der Dinge

Neurosis. Schweiß, knallharte Männer, brüllender Gesang, laute Gitarren. Alternative Metal der Extraklasse sozusagen - zumindest für die Fans. Jene Gruppe von Menschen, die nun gleich doppelt in den Plattenladen ihres Vertrauens rennen dürfen, denn für den Mai haben sich sowohl Steve von Till als auch Scott Kelly mit ihren neuen Soloalben angekündigt. Der Kampf der Giganten steht bevor, also raus mit den Kettenhemden und Gladiatorensandalen, auf in die Arena zum blutigen Gefecht, bis zum bitteren Ende wird - die Akustikgitarre gezupft. Denn so laut und blutrünstig die beiden Herren bei Neurosis auch sind, alleine werden sie eher zu handzahmen Katern. Wie Kellys erstes Album orientiert sich auch "The wake" eher an Johnny Cash und Tom Waits als an den gewohnten Klängen - und auch diesmal wirkt das Ganze stellenweise fehl am Platz.

Etwas gegen die musikalischen Fähigkeiten des Künstlers zu sagen, käme wohl Vaterlandsverrat gleich, auch wenn Kellys Gesang sehr gewöhnungsbedürftig ist; er nuschelt sich durch die sieben Songs der Platte und wird dabei selten von mehr als der Gitarre begleitet. Bezeichnend dafür ist "The searcher", das so bescheiden aufgebaut ist, als wäre es in irgendeiner Waldhütte am Ende der Welt aufgenommen worden. Auch "Saturn's eye" besitzt Anflüge dessen, und es ist weniger die Finsternis der Stimme, vielmehr die Musik selbst, die diesen Song so einzigartig macht. Kurz vor dem letzten Stück des Albums, einer Neuaufnahme des bereits von Kellys Blood And Time-Projekt bekannten Songs "Remember me", der sich durch seine angenehme Country-Melodie im Ohr festsetzt, holt Kelly noch das Ass aus dem Ärmel; mit Leichtigkeit avanciert "In my world" zu dem mit Abstand gelungensten Stück des Albums. Der Gitarrist offenbart seine Seele, und man wird unweigerlich in den Bann seiner Stimme gezogen, die nur wenige Minuten vorher noch so undurchdringlich klang.

Auch dieses Album hat mit Neurosis, Tribes Of Neurot und all den anderen Bands, die Kelly durch sein Wirken bereichert hat, sicher nicht mehr viel gemein. Die Schwere und Finsternis der einzelnen Songs ist teilweise schwer verdaulich. Dennoch hat Scott Kelly mit diesem Machwerk an Folk Noir ein nachhaltig sehr beeindruckendes Album hinterlassen, an dem sich rein textlich sicher noch einiges beheben ließe - die passende Stimmung für einen lauen Abend am Feuerwerk ist jedoch geschaffen.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • The searcher
  • In my world
  • Remember me

Tracklist

  1. The ladder in my blood
  2. Figures
  3. Saturn's eye
  4. The searcher
  5. Catholic blood
  6. In my world
  7. Remember me

Gesamtspielzeit: 34:44 min.

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  • Scott Kelly (3 Beiträge / Letzter am 26.11.2009 - 11:52 Uhr)

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