Babybird - Bugged

Babybird- Bugged

Roadrunner / Connected
VÖ: 19.06.2000

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Affig

Der gebürtige Australier Stephen Jones ist ganz sicher nicht nur in seiner Wahlheimat Sheffield sondern auch im gesamten britischen Königreich einer der produktivsten, arbeitswütigsten Musiker. Bei "Bugged" handelt es sich nämlich sage und schreibe um das achte Album, das innerhalb von 5 Jahren unter dem Pseudonym Babybird veröffentlicht wurde. Zumindest im Vereinigten Königreich hat ihm das zu einem beachtlichen Bekanntheitsgrad verholfen: die Singles steigen mit Regelmäßigkeit in die Indie-Charts und er kann inzwischen auf erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Lightning Seeds (beim Song "Sugar coated iceberg") oder mit dem Sheffielder Dance-Projekt The All Seeing I zurückblicken.

Die ersten Alben erschienen 1995 und kamen in eher minimalistischem Gewand daher. Doch Ende 1996 ließen sich auf " Ugly beautiful" einige wunderbar poppige und groovige Songs entdecken. Vor allem mit dem fast schon pathetischen "You're gorgeous" konnte Babybird auch den nicht-englischen Musikfreund sofort begeistern. Auf dem 1998er Album "There's something going on" war dann plötzlich dunkler und launischer Anti-Pop zu vernehmen. Aber mit dem aktuellen "Bugged" hat sich Jones von künstlerischer Sperrigkeit verabschiedet und sich erneut eingängigerem Material gewidmet, ohne jedoch in die Belanglosigkeit vieler Kollegen zu verfallen.

Die erste Singleauskopplung in Deutschland "Out of sight" ist ein hymnischer Sommersong im Countrygewand, der den Hörer durch die gute Laune mitschwingen und mitsingen läßt. In dem Titel geht es um eine junge Tochter, die irgendwann aus dem Blickfeld ihres Vaters verschwindet. Auch aus den anderen Tracks kann man einige von den manchmal recht schrägen Ansichten Babybirds erfahren. In "Fireflies" wird das Gefühl eines Menschen beschrieben, den im Bett Insekten umschwirren und ihn angeblich aushorchen wollen. Seltsamerweise erinnerten mich die Samples in diesem Titel ein wenig an E.T.s Stimme. Auch der allererste Track "The F-word" läßt einiges durchblicken. Es ist ein Song "über Alkohol trinkende Kids, die sich auf einer Schaukel höher und höher schwingen, ohrenbetäubend laut Radio hören und bei einem radio-freundlich weggepiepsten Song, der den Titel "F-Wort" hat, "Fuck" brüllen. Es geht um den liebevollen Blick zurück auf das Leben als Kid, um die Sehnsucht wieder jung zu sein." Und tatsächlich fühlt man sich bei dem ständig wiederholten "I wanna get high / I wanna get low" auf eine Schaukel in die Kindheit zurückversetzt.

Alle Tracks verbinden in eigenartiger Weise die verschiedensten Klänge oder Samples, trotz der manchmal melancholischen Texte zu einem positiven Ganzen. In "Wave your hands" meint man, afrikanische Einflüsse zu erkennen: verzerrte Gesänge, Blockflöten und andere nicht näher definierbare Klänge machen diesen Song zu einem Highlight auf der CD. Bei "One dead groove" fühlt man sich fast wie tief im Inneren einer römischen Galeere, so dumpf und schleppend ist der Groove. Balladen dürfen natürlich auch nicht fehlen und mit "All I want" und "The way you are" sind gleich zwei vertreten. Nach dem zehnten Titel versteckt sich als sogenannter "hidden track" noch "The X-mas god of New York", welcher den subtilen britischen Humor noch einmal auf die Spitze treibt, da man nach fast fünf Minuten Stille beim ersten, recht lauten Takt fast vom Stuhl fällt.

Die Songs bringen problemlos Leichtigkeit und Tiefe in Einklang und verbreiten angenehm postive Stimmung. Ein wirklicher Geniestreich ist Babybird aber auch diesmal nicht gelungen, dazu fehlen einfach noch die richtigen Knaller. Das Potential zu Hits haben nur zwei bis drei Lieder, die anderen verschwinden zu schnell in Bedeutungslosigkeit. Auf jeden Fall werden wir von Babybird in den nächsten Jahren noch einiges hören, denn den richtigen Weg zu bissigen, schrägen, abenteuerlustigen und trotzdem poppigen Songs hat er bereits eingeschlagen. Den Preis für das sympathischste Albumcover des Jahres hat Babybird allerdings jetzt schon gewonnen.

(Steffen Krautzig)

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Highlights

  • The F-word
  • Out of sight
  • Wave your hands

Tracklist

  1. The F-word
  2. Getaway
  3. Out of Sight
  4. Fireflies
  5. Eyes in the back of my head
  6. Till you die
  7. Wave your hands
  8. All I want
  9. The day you are
  10. One dead groove
  11. The Xmas god of New York (Bonus track)

Gesamtspielzeit: 53:04 min.

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