Hadouken! - Music for an accelerated culture

Hadouken!- Music for an accelerated culture

Surface Noise / Warner
VÖ: 04.07.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Party crashers

Die Kreuzung von Clubmusik und Indie geht in die nächste Runde. Electro Rock oder New Rave hieß das Ganze vormals, und Hadouken! aus Leeds schnappen sich jetzt das Etikett "Grindie". Das verweist wiederum auf den Drum'n'Bass-Bastard Grime, innerhalb dessen Sänger James Smith bereits als Produzent tätig war. Weiß man nun auch noch, dass sich seine Band nach einem In-die-Fresse-Move aus einem japanischen Videospiel benannt hat, dürfte klar sein, dass das Quintett es gerne etwas wüster treibt. Die Klaxons? Eine launig daherpumpelnde Maler-Klecksel-Kapelle. Shitdisco? Eine nette Rockgruppe mit Dampforgel im Hintergrund. Zumindest gegen "Music for an accelerated culture" und den Einstieg "Get smashed gate crash", bei dem Hadouken! fies infiltrierendes Weichstich-Fiepen, Breakbeats aus dem Walzwerk und ausrastendes "Let's get this party started"-Geschrei auffahren. Und anschließend gleich ankündigen: "We are the wasted youth / And we are the future too". Kein Irrtum möglich: Diese bis an die Zähne bewaffnete elektronische Rabaukenbande glüht härter vor, als andere feiern.

Dass man zu ihrer Musik nicht länger als einen Sommer wird tanzen können, ist da fast schon programmiert. Spaß macht es trotzdem. Bei Stücken wie "That boy that girl" etwa, einer im roten Drehzahlbereich rotierenden Bestandsaufnahme des Wochenendes gleichsam verpeilter Indie-Mädchen und Quartalssäufer-Jungs. Schwer atmende Beats, über alle Filter gezogener elektronischer Krach und Smiths ätzender Sprechgesang lassen jedenfalls keinen Zweifel daran, dass Hadouken! selbst am besten wissen, wovon sie da sprechen. Das phänomenale "Liquid lives" macht genau da weiter, zieht mit zusammengebissenen Zähnen das Tempo an, feuert böse Stakkato-Synths in die Menge und kommt mit "Drink! Smoke! Fuck! Fight!"-Gebrüll zum folgerichtigen Schluss. Eine typisch britische Lad-Variante von Clubmusik, prollig, grobschlächtig und großkariert. Man denkt an einen gewaltig angepissten Mike Skinner auf Speed, an The Prodigy, wenn sich auf ihrem letzten Album etwas Bahnbrechendes befunden hätte und sogar an eine zäh aus den Boxen knirschende Aggro-Variante von Electronic Body Music. Nicht nacheinander. Gleichzeitig.

Dass bei diesem tumultösen Vergnügen auch mal was daneben geht, gehört dazu. Das unmotivierte Gejohle von "Game over" wäre zum Beispiel besser auf der Südtribüne eines mittelmäßigen Zweitligavereins geblieben und die blasse Konsumkritik zu ungelenk gesampelten Gitarren bei "Spend your life" in der Kartei des zuständigen Sozialamtes. Das ist aber nur halb so schlimm, denn gegen Ende gelingt Hadouken! mit "Driving nowhere" noch ein wunderbar gekippter Popsong über die Tragik, die entsteht, wenn zwei Menschen zusammen ausgehen, sich aber nichts zu sagen haben. Was lernen wir daraus? Beim nächsten Mal das Auto lieber stehen lassen und dann saufen, qualmen, poppen und sich gegenseitig tüchtig vor die Mappe hauen. In aller Freundschaft natürlich. Denn immer dran denken: Wir sehen uns nächstes Wochenende.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Liquid lives
  • That boy that girl
  • Driving nowhere

Tracklist

  1. Get smashed gate crash
  2. That boy that girl
  3. Game over
  4. Declaration of war
  5. Mister Misfortune
  6. Crank it up
  7. What she did
  8. Driving nowhere
  9. Liquid lives
  10. Spend your life
  11. Wait for you

Gesamtspielzeit: 36:55 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
acid
2010-12-01 16:35:30 Uhr
zu schlecht
Frägende Ente
2010-12-01 16:18:57 Uhr
Warum wurde das zweite Album nicht rezensiert?
digital
2010-09-04 10:24:37 Uhr
nicht schlecht, aber auch nicht wirklich überragend. live geht das bestimmt ziemlich ab. hat die mal jemand live gesehen?
Flashover
2010-09-03 21:50:36 Uhr
Mehr davon!
PRML SCRM
2008-07-07 20:00:53 Uhr
Wem gefällts? Ich finds nicht übel...
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