Black Light Burns - Cruel melody

Black Light Burns- Cruel melody

I Am: Wolfpack / Edel
VÖ: 20.06.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Seelenverläufer

Nach drei Limp-Bizkit-Alben hatte Wes Borland die Nase voll. Fred Durst interessierte sich zusehends weniger für Musik und geisterte ausgiebig mit Britney Spears durch nicht eben seriöse Gazetten - Zeit für den Gitarristen, sich musikalisch neu zu erfinden und so nicht mehr die jungen Hopser und erst recht nicht die Fans gecoverter Schnulzen zu bedienen. Danny Lohner und Josh Freese, sonst mit Nine Inch Nails und/oder A Perfect Circle unterwegs, sowie Josh Eustis vom amerikanischen Ambient-Techno-Duo Telefon Tel Aviv kamen da gerade recht zur Soundentrümpelung mittels Gründung von Black Light Burns.

Dumm nur, dass Borland als Frontmann auf diesem Debüt alles andere als gut gelaunt ist, obwohl er musikalisch durchaus Grund dazu hätte. Seine neuen Mitstreiter garantieren jedenfalls für unbestrittene Kernkompetenz in Sachen Industrial-Rock mit alternativ-metallischer Schlagseite und elektronischen Sperenzchen, auch wenn das alles nicht zuletzt aufgrund des aggressiv klagenden Gesangs stellenweise überdeutlich nach Nine Inch Nails in ihrer Mittelphase klingt. Wenn Black Light Burns brummenden Schmatz-Synthies den Vortritt gegenüber donnernden Stahlsaiten lassen, schauen gelegentlich sogar Muse im "Time is running out"-Aggregatzustand rein. Doch hinter der nächsten Ecke lauern schon immenser Leidensdruck und selbstzerfleischende Zeilen wie "I thought I was above you / I hate that I love you" oder "I will always hurt everyone I love" - als würde Borland die Liebe nur so oft erwähnen, damit diese ihn endlich in Ruhe lässt. Das mag tief empfunden sein und einfach rausmüssen, in erster Linie schwemmt "Cruel melody" aber jede Menge verirrten seelischen Unrat und Traumata im Dreizehnerpack vor sich her. Und da muss man einfach feststellen: Trent Reznor ist seit Jahren ein gutes Stück weiter.

Dabei ist die Kollision von Ascheimer-Gitarren und maschineller Agonie mit karg verzweifelten Leisetretern nicht ohne schizophrenen Reiz. "Cruel melody" stößt den Hörer zunächst mit brachialem Getöse ab und lässt ihn anschließend wieder ganz nahe an sich ran, nur um ihm danach die nächste Riffbraterei über den Schädel zu ziehen. Das funktioniert in Songs wie dem abgezirkelten Laut-leise-Wechselbad "The mark" hervorragend, und mit "One of yours" und "4 walls" sind auch einige von schwelender Spannung durchzogene Stolperfallen dabei, die durch bewusste Selbstbeschränkung Eindruck machen. Oft fällt Black Light Burns aber nicht mehr ein, als die Spuren mit routiniertem Lärm zuzukleistern, weil das elektronische Gerüst allein die schwarzmalerischen Gemütszustände nicht trägt. Immerhin folgt in Kürze ausgerechnet ein Coverversionen-Album von Black Light Burns - vielleicht hat Borland also alle an der Nase herumgeführt und ist in Wirklichkeit ein lustiger Zeitgenosse. Wenn ja, weiß er das auf "Cruel melody" gut zu verbergen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Animal
  • I have a need
  • One of yours

Tracklist

  1. Mesopotamia
  2. Animal
  3. Lie
  4. Coward
  5. Cruel melody
  6. The mark
  7. I have a need
  8. 4 walls
  9. Stop a bullet
  10. One of yours
  11. New hunger
  12. I am where it takes me
  13. Iodine sky

Gesamtspielzeit: 62:38 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
m.caliban
2008-07-03 16:15:41 Uhr
Ich finde, das hört sich alles extrem altbacken und leidenschaftslos an.
Andi
2008-07-03 16:09:11 Uhr
Die Rezension geht mir gar nicht rein.

Dass hier aber auf den düsteren Textpassagen rumgeritten wird, ist schon lächerlich, wenn ich bedenke, was für depressiv anmutende Gestalten hier mit ihrem Gewimmer eine 9 oder gar höher bekommen haben.

Der Nine-Inch-Nails-Vergleich war abzusehen. Ich mag sie nicht, dafür aber Cruel Melody umso mehr. Sachen gibts...

Träume ich, oder ist der Rezension ein ganz leicht ablehnender Ton gegen diese ganze Veranstaltung zu vernehmen? Wunderschön untermalt durch den Muse-Vergleich, die in dieser Redaktion ja sowieso als verabscheuenswert zu gelten scheinen, eindrucksvoll von Armin in der letzten Rezension dargelegt.

Klar muss einem die Musik von Black Light Burns nicht gefallen. Die Argumente, mit denen diese großartige Platte hier runtergeschrieben wird...ach was reg ich mich auf.
Für mich ne klare 8/10.

Highlights:
Lie, Cruel Melody, 4 Walls, One Of Yours, New Hunger
Der Rest ist qualitativ nicht weit dahinter.

Luke_sein_Vater
2008-05-15 20:43:24 Uhr
Sehr schön. Zum Glück hab ich die CD doch noch nicht importiert :)
Armin
2008-05-15 20:00:21 Uhr
Wir freuen uns euch das aktuelle Video zu "Lie" von Wes Borlands BLACK LIGHT BURNS zu präsentieren.

Wer sich ein optisches Bild dieser Allstars Ausnahme Band machen möchte sollte diesem Link folgen:

http://www.cmm-online.de/cmm_de/index.php?a=1289


Natürlich ist der Link zum online stellen freigegeben! Enjoy!

BLACK LIGHT BURNS sind:
Wes Borland (Limp Bizkit)
Danny Lohner (Nine Inch Nails)
Josh Freese (A Perfect Circle)
Josh Eustis (Telefon Tel Aviv)



20.06. BLACK LIGHT BURNS - "Cruel Melody" (Edel Records)

Pressetext:

Wes Borland, der allen als Gitarrist von Limp Bizkit hinreichend bekannt sein dürfte, veröffentlicht am 20.06.08 ein Album seiner neuen Band BLACK LIGHT BURNS. Das Line Up liest sich wie das Who Is Who moderner Rock Bands:

Wes Borland (Limp Bimzkit), Danny Lohner (Nine Inch Nails), Josh Freese (A Perfect Circle) Josh Eustis (Telefon Tel Aviv).

"Cruel Melody" wird das als einziger vertrackter Überraschungs Angriff zu bezeichnende Album heißen.

Wes Borland O-Ton: "Hauptsächlich geht es auf dem Album um Melodien...ist aber auch ein großes Schlagzeug Album, Josh Freese tickt absolut aus. Das Album beginnt sehr agressiv, wird dann im Verlauf etwas schmerzhafter... Zum Schluß öffnet es sich dann gewissermaßen. Und genauso sollte es sein: erst angreifen, dann erklären, dann loslassen und es hinter sich haben."

Borland unterschrieb beim Upstart Label I AM: WOLFPACK von Superproducer Ross Robinson und Edel Records konnten sich die Album Veröffentlichung in unseren Gefilden sichern. Edel legen gegenüber der US Version noch ordentlich was drauf.

Jewelcase Version Bonus Track: "Kill The Queen"
Digipack Version kommt mit Bonus DVD - Videos zu: "Mesopotamia", "Lie" und "4 Walls".
CD Bonus Tracks: "Kill The Queen", "Fall Below", "Mesopotamia - Remix", "Lie - Remix".

Katze
2007-11-17 20:57:13 Uhr
Ist bei mir wieder gesunken, 6,5 /10 mit Tendenz zur 6. Irgendwie fehlt da n bisschen was, als hätte man NIN durchn Filter geprügelt, bissl was dazu gegeben und jetzt ne unklare Brühe. Dennoch bin ich überzeugt das nächste Album wird solider und besser.
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