Crosscut - God given time

Crosscut- God given time

F.A.M.E. / BMG
VÖ: 09.07.2001

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gestohlene Zeit

Jedem Label seine New-Metal-Band. Frei nach diesem Grundsatz machten sich offenbar kürzlich auch die Gründer des jungen Indie-Labels F.A.M.E. Recordings auf eine Reise durch die Probekeller der Republik, um ihre allererste Band zu signen und wurden schließlich in den Untiefen des schönen Münster fündig. Crosscut heißt die auserwählte Band, die in ihren Grundzügen bereits seit neun Jahren existiert und ihren Sound inzwischen so hingezimmert hat, daß er auf der aktuellen Trendschiene ohne Entgleisungsgefahr Richtung Heavy Rotation auf allen Kanälen voranflutschen kann. Denn grundsätzlich machen Crosscut alles richtig. Der Sound donnert kraftvoll aus den Boxen, umkurvt oberflächliche Peinlichkeiten Marke 4lyn zumeist geschmackssicher, und auch in punkto musikalischer Fertigkeit muß man den Müsteranern Respekt zollen. Wäre da nicht das Problem mit der Identität.

Denn als in der New Metal-Schule das Fach "Ideendiebstahl" durchgenommen wurde, haben Crosscut wie so viele andere nationale Genre-Lümmel besonders gut aufgepaßt: Da werden gleich dutzendweise Korn und andere Magentreter in den Taschen der dreigestreiften Trainingsjacke versteckt und an den Kaufhausdetektiven vorbeigeschmuggelt. Mit "Unbelievable" wird in der Abteilung "Coverversionen" gar gleich ein kompletter Song eingesackt. Wer glaubt, daß die Idee, diesen EMF-Klassiker neu einzuspielen, eine schlechte war, wird sich spätestens bei der Umsetzung fragen, ob man hierbei wirklich noch von "Idee" sprechen kann.

Wäre mit dem Titelsong, "Something" und vielleicht noch dem Mini-Clubhit "Spit the fire" nicht schon das Ende der kreativen Fahnenstange erreicht, hätten Crosscut möglicherweise die Chance nutzen können, sich neben Emil Bulls als zweite passable deutsche Newcomer-Band des Genres zu etablieren. Leider jedoch finden die allermeisten Songs im Nu den Weg vom einen Ohr zum anderen, ohne unterwegs Spuren zu hinterlassen. Dabei steht mit Patrick Sommer ein ehemaliger VIVA2-Moderator am Mikrofon, der es eigentlich besser wissen und den Unterschied zwischen "originell" und "austauschbar" kennen müßte. Wenn die Zeit laut Albumtitel gottgegeben ist, gibt es einen Grund mehr, sie nicht mit solcher Musik zu verschwenden und wenigstens weiterhin auf die etablierten Bands zu vertrauen.

(Armin Linder)

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Highlights

  • God given time
  • Something

Tracklist

  1. God given time
  2. Soil & smarten up
  3. Rewind
  4. Something
  5. Everytime too hard
  6. To give & to turn
  7. Spit the fire
  8. Another lovestory
  9. The line ride
  10. Walkboy
  11. Unbelievable
  12. Feed the monkey
  13. I never miss the right spirit

Gesamtspielzeit: 58:14 min.

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