The Shortwave Set - Replica sun machine

The Shortwave Set- Replica sun machine

Wall Of Sound / PIAS / Rough Trade
VÖ: 16.05.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Groß geworden

Die Sonne im Herzen lacht wieder. Der Lieblingsplattenladen eröffnet an neuem Standort. Erleichtert lockert sich das Portemonnaie des Rezensenten für frisches Kulturgut. Nach beendeter Mission hört er vor dem Laden zwei Jugendliche tuscheln: "Schau mal, so ein richtig altes Schallplattengeschäft." Der Denkapparat rotiert. Skandal! Affront! Die Front derer, die das schwarze Gold zu schätzen wissen und den erneuten Höhenflug des Vinyls freudig mitgestaltet haben, mag zwar groß sein, aber noch immenser ist die Sparte, die die Schallplatte für ein Relikt aus längst vergangener Zeit hält und den iPod für das Opus Magnum der Klangkultur. Aber selbst in den heiligen, abgeschotteten Hallen des Schallplattentauschgeschäfts macht sich bei einigen Engagierten Kulturpessimismus breit. Genau in dem Moment, wenn die im Eingangsbereich stehenden Schuhschachteln, angefüllt mit kleinen 7-Inch-Singles, schamlos übergangen werden.

Denn es gibt sie immer noch: die Combos, die nur darauf aus sind, drei Minuten Popfreuden zu versprühen, um es dann dabei zu belassen. Die britische Band The Shortwave Set gehörte stets in dieses Fach. Man höre "Is It Any Wonder" oder "Slingshot" und lasse sich die Sprache verschlagen. Es folgten euphorische Begeisterungsstürme, aber leider auch nur aus den Kreisen, die das entsprechende Tonträgerformat zu würdigen wussten. Das folgende Album "The Debt Collection", zu dem man sich hat hinreißen lassen, verstaubte anschließend, trotz positivster Kritiken, in den Regalen. Drei prominente Fans der ersten Stunde haben sich nun, drei Jahre später, die Mühe gemacht, den Stern von The Shortwave Set nicht allzu schnell verglühen zu lassen. Als Produzenten und Arrangeure taten ihren Dienst: Danger Mouse, Van Dyke Parks und John Cale.

Was sie und die dreiköpfige Band auf "Replica sun machine" bewirkt haben, ist nicht weniger als ein faszinierendes Album zwischen poppig-psychedelischen Auswüchsen der Sixties, minimalen Samples und Beats sowie einem hintergründigen, versteckten Ansatz von urbritischer Folklore. "Glitches 'n' bugs" beginnt mit einem stakkatoartigen Wechselspiel zwischen der schwedischen Sängerin Ulrika Bjorsne und ihrem Duettparntner und Songwriter Andrew Pettitt, bevor der zum Mitsingen animierende Refrain die Zurückhaltung des subtil arrangierten Beginns überrollt. Minimalistisch gespielte Blockflöten gesellen sich hinzu, eine sägende Gitarre auf weiter Fläche arbeitet an psychedelischen Eindrucksmomenten. Doch bevor hier das monotone Mantra seinen Lauf nimmt, greifen beruhigende Samples um sich. Chorale, afrikanisch inspirierte Experimente erfüllen anschließend kurz den Raum, bis man sich ungeahnt im nächsten Track wiederfindet. Genauer gesagt im halluzinierendem Albumhighlight "Replica", dass an frühste Pink Floyd, aber auch an die Incredible String Band oder Fairport Convention erinnert.

Was folgt ist nicht minder begeisternswert: "Now til '69" beleuchtet ABBA zu ihren besten Zeiten. "Yesterday to come" verbindet vokale Glanzleistungen früherer Belle And Sebastian mit orchestraler Scott-Walker-Theatralik. Durch die Jahrzehnte zurück tanzt sich "Sun machine", zu drogenvernebelten, weltverbessernden Illusionen - so glanzvoll und strahlend hell. Es ist ihre musikalische Konsequenz, die The Shortwave Set von nervtötenden Good-Times-Kopisten abhebt. Der fortschrittliche Umgang mit sauber eingewebten Samples und Beats zwingt ihre Kompositionen zu ebenso fordernden wie melodiösen Umbrüchen, so dass ein Anspruch von Modernität und Experimenten ebenfalls gegeben ist. Und das über drei Minuten hinaus. Den Singles entwachsen.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • Replica
  • Yesterday to come
  • Sun machine

Tracklist

  1. Harmonia
  2. Glitches 'n' bugs
  3. Replica
  4. House of lies
  5. Now til '69
  6. Distant daze
  7. No social
  8. Yesterday to come
  9. I know
  10. Sun machine
  11. The downer song

Gesamtspielzeit: 39:21 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
dr. note
2009-12-09 09:32:08 Uhr
Matzenberg hat recht!
Ein wiklich gutes Album, daß viel mehr Beachtung verdient hätte.
matzenberg
2009-12-09 00:13:41 Uhr
Heute mal wieder gehört und festgestellt wie grandios das Album eigentlich ist.
Leider sträflichst vernachlässigt!
criszzz
2008-08-11 21:45:01 Uhr
Super Album, Super Band! Und ab nach oben!

Hab hier noch nie erlebt, daß eine "Platte der Woche" bei plattetests.de hier so wenig Aufmerksamkeit geniesst!
Shortwave
2008-07-31 20:43:45 Uhr
Nanu, noch gar kein Thread zu diesem fanastischem Album? Besonders "No Social" hat es mir angetan. Aber auch sonst ein durchweg gutes Album ohne einen einzigen Ausfall.

YouTube hier:http://www.youtube.com/watch?v=Z5Yv16AumGw
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