Infadels - Universe in reverse

Infadels- Universe in reverse

Wall Of Sound / PIAS / Rough Trade
VÖ: 13.06.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Hände zum Himmel

Alexander, Veith, Jürgen, Martina, Ecke, Collin, Knut, Uwe und Marcel. Das sind die neun Figuren, in die sich Christian Ulmen 2005 für die Serie "Mein neuer Freund" verwandelte, um mit seinem abnormen Verhalten neun Kandidaten, deren Freunde und Familien an die Grenze des ihnen Erträglichen zu führen. Der Clou an diesen Charakteren bestand darin, dass sie das absolute Gegenteil dessen waren, was in das Umfeld des jeweiligen Kandidaten gepasst hätte. Wollte Ulmen in einer neuen Staffel eine Punkerbraut samt ihren Eltern tüchtig schockieren, böte sich wohl die Verkleidung als Infadels an. Deren erstes Album "We are not The Infadels" war ein überaus tanzbarer Hybrid aus Danceelementen und melodiösem Indierock und wie gemacht für kleine, enge Clubs voller schwitzender Leiber. Der Nachfolger "Universe in reverse" hingegen steht von der ersten Note an auf der Stadionbühne und wirft die Hände von links nach rechts. Die Punkereltern und ihre Tochter hätten wahrscheinlich spätestens nach dem ersten Chorus das Handtuch geworfen - was man ihnen nicht verdenken kann.

Schon "Circus of the mad" klingt wie neues, um einige Bombasteffekte angereichertes Material der Kaiser Chiefs. Trommelwirbel, Glöckchen und Chöre aus hellen Aahs animieren die wogende Masse zum Mitsingen. Auch "Free things for poor people" hat diese Schunkelseligkeit, die beinahe schon ZDF-Fernsehgarten-Qualität annimmt. Jubilierende Gitarren, eine Melodie, die auch Alzheimerpatienten nicht mehr aus dem Kopf geht, und eine pochende Bassdrum, die dem Klatschmarsch den Takt vorgibt. Weit näher am Debüt ist da schon "Play blind", das ordentlich die Synthesizer rotieren lässt. Aber wo Songs wie "Can't get enough" und "Jagger '67" nie ein gewisses Maß an Aggressivität vergaßen, bleibt "Play blind" einfach zu nett und harmlos. Einzig "Code 1" kann daher etwas von der fordernden Energie, die "We are not The Infadels" ausgestrahlte, konservieren.

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass die Infadels mit diesem Album viele ihrer bisherigen Fans verlieren werden. Aber die Frage ist auch eher, ob es ihnen gelingt, mit "Universe in reverse" in mainstreamigeren Gefilden neue hinzuzugewinnen. Die Sommer-Sonne-Badestrand-Melodien dazu haben sie ja ohne Frage. "Make mistakes", die erste Single, tanzt und hüpft auf bewährtem Indie-Dancepop-Rhythmus entrückt umher. Der gemütlich sich wiegende Titelsong ruft hingegen mit "Light through window cracks / Let the sun arrive, let the sun arrive" wieder einen Mitsingrefrain von Stadionformat in die Welt hinaus. Aber eben dieser permanente Hang zum Hymnenhaften geht oftmals einfach schief, weil er immer sauber herausgeputzt die ganze Welt umarmen will, anstatt einfach mal mit der dreckigen Faust auf den Tisch zu hauen. Diese Entwicklung ist dann doch bedauerlich, zumal sie trotz aller mit Glöckchen behangenen Melodienseligkeit durchgehend gute, aber keine wirklich großen Songs hervorbringt. Die Frage, die wir anlässlich der ersten Platte in den Raum stellten, können wir daher heute eindeutig beantworten: Sie sind's für's Erste nicht.

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • Make mistakes
  • Universe in reverse

Tracklist

  1. Circus of the mad
  2. Make mistakes
  3. Play blind
  4. Free things for poor people
  5. Code 1
  6. A million pieces
  7. Universe in reverse
  8. Don't look behind you
  9. Chemical girlfriend
  10. How to disappear

Gesamtspielzeit: 42:34 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
BlueEgoBox
2008-07-04 09:44:51 Uhr
Herbsttour:

10.10. Köln - Luxor
16.10. Hamburg - Molotow
17.10. Berlin - Frannz
18.10. München - 59:1


Quelle: visions.de
Patrick
2008-06-15 20:05:18 Uhr
Hoppla.

Sollte natürlich "Free Things For Poor People" heißen. Spaß macht's trotzdem.
Patrick
2008-06-15 20:04:16 Uhr
Sehr gutes Album. Vorallem "Free Things For People" macht Spaß (läuft momentan in Dauerrotation)!
BlueEgoBox
2008-04-12 14:58:37 Uhr
Tourdaten:

15.05. Berlin - Maria am Ostbahnhof
16.05. Hamburg - Uebel & Gefährlich
17.05. Köln - Gloria
19.05. Stuttgart - Kellerclub
07.06. Adenau / Nürburgring - Rock am Ring
19.07. Gräfenhainichen - Melt! Festival

Quelle: visions.de
Steve
2008-02-19 17:55:32 Uhr
bin gespannt. die haben potential.
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