I Am Kloot - Play Moolah Rouge

I Am Kloot- Play Moolah Rouge

Skinny Dog / PIAS / Rough Trade
VÖ: 20.06.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Im richtigen Licht

I Am Kloot haben vieles richtig gemacht. Vor allem auf ihrem Debüt "Natural history" reihten sie schlackefrei strahlende Songjuwelen aneinander - voll traurigem Wohlklang, bescheiden gebliebener Größe, unvermittelter Frische und geschickt eingestreutem, schmirgelndem Dreck. Über allem thronte das knarzige Timbre von Johnny Bramwell, woben sich seine schlichten Melodiebögen und seine lakonischen Verse. Musik für Herbstabende mit zu viel Rotwein und melancholischen Blicken aus beschlagenen Fensterscheiben. Auch die beiden folgenden Studioalben "I Am Kloot" und "Gods and monsters" boten berückend schöne Momente und herrliche Wendungen. Doch entglitt den Herren aus Manchester ein wenig das Gespür oder die glückliche Hand dafür, ihre Songs ins richtige Licht zu setzen.

Die richtigen Songs steckten in Arrangements, die ihnen ein wenig an Strahlkraft nahmen. Blieb "I Am Kloot" durchweg glatt, glänzend und harmlos, klang "Gods and monsters" überwiegend, als hätten die Jungs zerdellte Blechbüchsen über die Mikros gestülpt, als sie die Songs aufnahmen. Das Ergebnis hatte ein erfreuliches Mehr an Dreck und unpoliertem Charme. Gleichzeitig blieben die wunderschönen Songs in ihren zerschlissenen, scheppernden Kleidern zuletzt seltsam blass, kalt, unnahbar und blutarm. Live hingegen gewannen sie ihr Leben, ihr Drängen, ihre Wärme und Energie zurück. Beides scheint den Herren auch selbst aufgefallen zu sein und scheint sie gewurmt zu haben. Endlich wollten sie wieder ein Album direkt ins Pult spielen, live, gemeinsam - abermals in den "Moolah Rouge"-Studios in Stopford, auf dem Land vor den Toren Manchesters. Wie dies entstanden ist, binnen weniger Tage, zeigen sie sogar auf einer charmanten DVD, die der CD beigelegt ist. Die Frischzellenkur hat gefruchtet.

Altmodisch im besten Sinne und so lebendig wie lange nicht mehr, fegen I Am Kloot auf "Play Moolah Rouge" aus den Boxen. Mit dem famos schunkelnden Bluesrocker "One man brawl" springen sie in den Ring, treten das Gaspedal mitreißend weit durch und spinnen überraschende psychedelische Schlingen, ehe sie mit "Chaperoned" die erste zart gezupfte Ballade folgen lassen. Ein Trauerstück, das sich ganz allmählich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zieht, sich aufbäumt und im Refrain groß auftrumpft. Mit "Ferris wheels" folgt ein fußwippender Charmebolzen. "Someone like you" tanzt als kleiner Bruder von "Live forever" der Stadtnachbarn von Oasis mit beinverknotendem Rhythmus über die Arbeiterviertelstraßen. Von Sanftmut beflügelt, besingt Johnny Bramwell in "Hey bird" sogar einen Vogel in den Baumwipfeln vor seinem Fenster.

Die Arrangements sind nicht nur wieder wärmer geworden, sie haben auch an Klangfarben hinzugewonnen, tragen etwas dicker auf und bleiben zugleich erdig. Das raue Gerüst von Andy Hargreaves' geschickt verschachtelten Grooves, Pete Jobsons einfühlsamen Basslinien und dem karg-schönen Gitarrenzupfen und -schrubben von Johnny Bramwell wird durch die schottischen Gebrüder McLeod an Tasten- und Saiteninstrumenten angenehm erweitert. Dickbauchige Hammondorgeln durchschwurbeln Refrains, Klaviersprenkler verfeinern Strophen, Country-Gitarren wimmern, wie im herzerwärmenden "Down at the front". "Play Moolah Rouge" ist ein kleines, ein kurzes Album. Ein wunderschönes dazu und vielleicht sogar das beste der Band seit dem famosen Debüt.

(Ole Cordsen)

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Highlights

  • One man brawl
  • Chaperoned
  • Down at the front

Tracklist

  1. One man brawl
  2. Chaperoned
  3. Ferris wheels
  4. Hey little bird
  5. The runaways
  6. Down at the front
  7. Someone like you
  8. Suddenly strange
  9. Only role in town
  10. At the sea

Gesamtspielzeit: 34:51 min.

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