Filter - Anthems for the damned

Filter- Anthems for the damned

Premium / Soulfood
VÖ: 06.06.2008

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Leicht vergilbt

Wie sich die Bilder ähneln: Vor rund einem Jahr veröffentlichte Ausbildungsleiter Trent Reznor mit "Year zero" ein Album, das in gestalterischer Hinsicht ziemlich plump daher kam, aber umso komplexere Arrangements bot. Das Artwork des Albums von Nine Inch Nails zeigt einsame, verwahrloste Orte und die Wurzel allen zivilisatorischen Übels: Waffen und Religion. Ob es nun maßlose Überschätzung oder eine gesunde Portion Selbstbewusstsein ist, die Richard Patrick an den Tag legt, lässt sich nur erahnen. Ein bisschen größenwahnsinnig war der Filter-Frontmann und ehemalige Reznor-Lehrling ja schon immer. Nun übertrifft das Artwork von "Anthems for the damned" die karge Bildsprache von "Year zero" um ein Weites: ein in den Boden gerammtes Gewehr mit einem darauf baumelndem Soldatenhelm, umgeben von einer apokalyptisch anmutenden Wüste. Geht's noch plumper?

Dort, wo Reznor den Schritt von flacher Plakativität zu kritscher und kreativer Kunst macht, bleibt Richard Patrick mit seinen Mannen in den gepflegt simplen Strukturen verhaften, die schon "The amalgamut" verdorben. Drei der ersten vier Songs sind nichts anderes als Linkin-Park-Rock für die großen Stadien, garniert mit der dazu gehörigen Portion Pathos. Das ist uninspiriert und herzlos, und macht ungefähr genauso viel Spaß wie eine Zahnwurzelkanalbehandlung. Kaum mehr eine Spur des atmosphärischen Sounds der ersten beiden Alben findet sich auf "Anthems for the damned". Statt dessen regieren gefällige Melodien und massenkompatible Mitklatschrefrains. Ausgerechnet die großzügig gestreuten, straighten und testosteronschwangeren Songs wie "The take", die bisher ein gefundenes Fressen für die Kritiker waren, gestehen diesem Album wenigstens einige wenige Ecken und Kanten zu. Elektronische Spielereien sucht man auf "Anthems for the damned" beinahe vergeblich. Allein im letzten offiziellen Albumtrack, dem Instrumental "Can stop this", pluckert und wabert es bedrohlich in den Ohrmuscheln.

"Short bus" und "Title of record" vollbrachten das große Kunststück, Patricks eher schlichtes Gemüt durch großartige Songkonstrukte zu überspielen. "The amalgamut" war in dieser Hinsicht die negative Offenbarung, und "Anthems for the damned" ist der letzte Beweis: Patrick ist weder Wunderkind noch großer Künstler. Er hatte das Glück, ohne großen Druck zwei wichtige Alben aufnehmen zu können. Seitdem Patrick aber auch charakterlich gefordert ist und mit einer gesteigerten Erwartungshaltung beäugt wird, geht das Unternehmen Filter nach hinten los. Trent Reznor ist Richard Patrick enteilt, mit riesigen Schritten. Filter gibt kein gutes Bild ab.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • The take
  • Can stop this

Tracklist

  1. Soldiers of misfortune
  2. What's next
  3. The wake
  4. Cold (Anthem for the damned)
  5. Hatred is contagious
  6. Lie after lie
  7. Kill the day
  8. The take
  9. I keep flowers around
  10. In dreams
  11. Only you
  12. Can stop this
  13. Soldiers of misfortune (Richard Patrick and Timmy the Terror Brade Runna mix)
  14. Kill the day (Ben Wise club mix)
  15. The take (Stormin Norman mix J.O'B.)

Gesamtspielzeit: 65:47 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
jucrqty
2009-04-17 16:16:43 Uhr
keine ursache !
trottel
2009-04-17 16:16:01 Uhr
cool, den hatte ich hatte ich schon längst vergessen!!!
messiah
2008-07-07 18:47:01 Uhr
den thread gibt es glauch ich schon. ansonsten:
ich sach mal - anthems for the idiots.. das plattencover spricht bände. diese musik ist so unterirdisch. melodien für millionen - getunet mit pseudoharten gitarren. depressionen bekommt man da wirklich. wüsste auch nicht was filter mit NIN überhaupt noch zu tun hat.
Robert Utess
2008-07-07 18:18:19 Uhr
Ich persönlich finde den Plattentest etwas zu negativ bewertet. Klar, umso besser die Scheibe, desto mehr Kritik kann es vertragen, aber ist sie auch wirklich berechtigt? "Title of Record" ist das beste Album bisher, das aktuelle will an diesen Erfolg anknüpfen und schafft das, was "the amalgamut" nicht geschafft hat. Das die Band nicht so viel mit ihrer Musik experimentiert, liegt daran, dass eingefleischte Fans das gar nicht wollen!! Das ist immerhin Reznors Job (siehe "Ghosts I-IV").
Vergilben tut großartige Rockmusik nie, es gibt lediglich Phasen, wo man einige Titel zu oft anhören MUSSTE, da sie ein überhaupt nicht mehr aus den Ohren gehen und dann etwas an Ausdruck verloren.
Fazit: Filter ist eine wundervoll leidende Art von Seelenfutter, mal beruhigt sie, mal macht sie depressiv, die Masse will das!
Mein Lieblingssong: "One"
Dex
2008-06-16 00:33:24 Uhr
Also ich hab sie und muss sagen, dass sie mir echt super gefällt... durchaus gelungen!
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