Stove Bredsky - The black ribbon award

Stove Bredsky- The black ribbon award

Hydra Head / Indigo
VÖ: 20.06.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Neue Frequenzen

Das Leben hängt ja allgemein am Umfeld und der eigenen Vergangenheit. Es sind Freunde, Familie, Erinnerungen, manchmal Strohhalme, an die es sich klammert. Wenn sich Steve Brodsky aus allem heraushalten wollte, was er zuvor unter anderem bei Cave In angerichtet hat, dann hätte er sich schon mehr einfallen lassen müssen, als lediglich zwei Vokale zu tauschen. Denn gerade wir Plattentests.de-Detektive haben ja eine Standleitung zu 9Live und wittern in jedem zu Knautschzonen-Origami gefalteten Putzlappen ein Sudoku. Verstecken gilt also nicht und hat ohnehin keinen Zweck. Trotzdem scheint Brodsky einen Ausweg gefunden zu haben: Vom Geboller seiner Ex-Band ist auf "The black ribbon award" zunächst nicht viel zu hören. Und doch pumpt es sich wie Adrenalin durch die Blutbahnen der Songs und treibt ihr Herz mit Lebenselixieren an.

So binden "Dead of winter" und "Fall days" echt sommerliche Indie-Pop-Blumenkränze, gehen aber mit Frequenzen voran, die einem sonst nur aus dem Verdauungstrakt der Hölle bekannt vorkommen dürften (oder besser nicht). Die Gitarren schleifen sich an den eigenen Schürhaken durch die Song, die Bässe kesseln erdbebensicher, die Drums erdkerntief. Einzig Brodskys Stimme kann kein Wässerchen trüben, sie schwingt bedacht, entspannt und sattelfest zum Soundschafott. Auch "Mayfly" spielt im Grunde perfekten Power-Pop, trägt ihn jedoch auf ganz ungewohnten Samples und Stimmungen voran. Und während "Blood red blues" als Queens Of The Stone Age mit Drang zum Killerriff beginnt, setzt sich der Song zum Schluss den Beatles-Revolver vor die Brust und spielt "Spacegirl saturn" das Spiel gleich noch einmal; diesmal kommt jedoch eine Placebo-Refrain-Miniatur hinten raus. "Failure" erinnert dann nicht nur stark an die ganz bestimmt nicht namengebende Band, sondern fördert, ebenso wie "Fall days", stimmlich eine Artverwandschaft zu Blackmails Aydo Abay zu Tage. Und zeigt so quasi hinterrücks, wie viel Wiedererkennung an den falschesten Orten von Lungenflügeln und Songnamen abhängen kann.

Neben typischen Teufelshorn-Dröhnern ("Chine", "The coattail rider") und eher akustischen Ruhepolen ("Return to rain", "A swelling hope"), die beide ebenso spannend wie versiert umgesetzt werden, bleibt es dennoch schwer in Worte zu fassen, was Brodsky hier erfunden hat. Am ehesten noch eine Art Noise-Pop, in dem beide Seiten derart miteinander verschweißt werden, dass Lust- von Schmerzgeschrei nicht mehr zu unterscheiden sind. Es kommt einem so vor, als habe Bredsky sein musikalisches Erbe in die Frequenzen verschoben und würde nun einfach ungeniert Flower-Pop-Hits schreiben. Dass ihre Rosinen-Monosacharide auf dem Weg nach draußen zu Kandisbomben gequetscht werden, dafür sorgt schon die umgebende Soundlandschaft. Weil das Umfeld halt nicht nur prägt, sondern sich bis tief in Seele und Eingeweide durchstempelt. So kann man den Songs von "The black ribbon award" beim Leben zuhören. Trotz Trauerflor und Jason-Maske.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Dead of winter
  • Failure
  • Rainbow no more
  • Prospect hill

Tracklist

  1. Blue seclusion
  2. Dead of winter
  3. Mayfly
  4. Dead battery
  5. Blood red blues
  6. Spacegirl Saturn
  7. Failure
  8. Fall days
  9. Rainbow no more
  10. Trout
  11. Orange sunshine medicine
  12. Splatterbrain
  13. The coattail rider
  14. Chine
  15. Return to rain
  16. Untitled
  17. Prospect hill
  18. A swelling hope

Gesamtspielzeit: 56:31 min.