Nits - Doing the dishes

Nits- Doing the dishes

Werf / Sony BMG
VÖ: 30.05.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nicht das Handtuch werfen

Graumelierten Kunstabsolventen ohne USB-Schnittstelle traut man in den Nullern nicht mal mehr so weit, wie man sie werfen könnte. In den Niederlanden schaffen es die Gerrit-Rietveld-Academie-Veteranen von den Nits trotzdem ganz ohne Bluetooth, iPhone-Werbung und Timbaland-Geblubber in die Top Ten. Charmant. Die spontane Eingängigkeit der Songs von "Doing the dishes" und die naiven Zeichnungen auf dessen Cover wecken gar den Verdacht, es könnte sich ungewohnte Leichtigkeit in die Musik der Nits geschlichen haben. Ein etwas voreiliger Gedanke, aber man wird doch mal spekulieren dürfen.

Es war schon immer die Stärke der Band, Ironie und Melancholie so zu verschmelzen, dass man sie nicht mehr trennen konnte. "Did you see Elvis in his kitchen tonight? / He's got the Memphis blues / And a real strong appetite." Früher nannte man das wohl Avantgarde. Heute ist Nostalgie das Wort. Wer wie Henk Hofstede auf die Sechzig zugeht, darf sich solche Rückblicke wagen. Mit all ihren Schrulligkeiten, Abgründen und oft schmerzlichen Erinnerungen stand die menschliche Existenz sowieso immer schon im Mittelpunkt von Hofstedes Poesie. Also erinnert er sich auch auf "Doing the dishes" an Leben, die nicht zwingend sein eigenes sein müssen: "I am the great Caruso / My bloodred suit and lits-jumeaux are turning."

Wenn es gleich darauf "When I look at my life / It is a dream" heißt, ist Hofstede in seinem Element. Ein verschneiter Grabstein, ein roter Fluss im Wüstensand und ein altes Lied von Pete Seeger bebildern die Sehnsucht der ergreifenden Single "The flowers". "Lenin and the wounded angel" kombiniert sowjetische Diktatoren, gemalte Todessymbole und finnischen Übermut. Es sind diese leicht verschobenen Blickwinkel, die Texte und Musik der Nits immer noch auszeichnen. Mal weht in "No man's land" die New-Wave-Vergangenheit von vor drei Jahrzehnten herbei, mal probieren sich "Five & dime", "Yesterday" und "The twins" an noch älteren Rock'n'Roll-Gesten. Leider klingt das Mehr an Lautst&ärke; manchmal ein wenig gestellt. Am bewegendsten ist diese Musik nämlich, wenn sie einfach nur die Gedanken fließen lässt. Der etwas andere Liebesbrief kurz vor Schluss heißt "Grr... to you", "Mrs Sunlight" träumt zu Klaviernebeln vom Mondlicht, und "Heart" schlägt einen simplen Takt. "Hope is a strange invention / Emily said / The words fell like rain / On our head", heißt es im schönsten Moment. Das Leben kann nicht immer ein Traum sein. Aber es ist.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Toe in the water
  • The flowers
  • Cowboys & indians
  • Grr… to you

Tracklist

  1. No man's land
  2. Toe in the water
  3. The great Caruso
  4. The flowers
  5. In Dutch fields
  6. Five & dime
  7. Lenin and the wounded angel
  8. Cowboys & indians
  9. I'm a fly
  10. Mrs. Sunlight
  11. Moon dog
  12. Heart
  13. Yesterday
  14. Grr… to you
  15. The twins

Gesamtspielzeit: 44:28 min.

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