Melvins - Nude with boots

Melvins- Nude with boots

Ipecac / Southern
VÖ: 20.06.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Rock-Fetischisten

Sexuelle Vorlieben sind ja etwas sehr Persönliches. Während die nackte Haut des Partners für den einen das Nonplusultra darstellt, geht für den nächsten nichts über das Gouvernantenkostüm aus Vollgummi, unter dem der Schweiß in Strömen fließt. Die Melvins aus Aberdeen/Washington stehen offenbar auf "Nackisch mit Stiefeln". Was uns in diesem Zusammenhang das traurig schauende Hündchen auf dem Cover sagen soll, bleibt an dieser Stelle besser der Phantasie des Lesers überlassen. Man muss ja nicht jeden Raum für Spekulationen auch ausfüllen.

Die Fixierung auf einen Fetisch zeigt sich von modischen Strömungen vollkommen unbeeindruckt. Wer eine frühkindliche Prägung mit Omas weißen Baumwollliebestötern erfahren hat, kümmert sich im Zweifel nicht darum, dass der Modesommer Stringtangas in allen Regenbogenfarben gehört. Genauso perlen an den Melvins die rockmusikalischen Trends der letzten 20 Jahre ab wie Wasser am Silikonimplantat. Doom-Metal, Stonerrock und verlangsamter Grunge mögen in den Magazinen schon seit Jahren nur noch ein Nischendasein fristen, für King Buzzo und Konsorten stellen diese Begriffe immer noch das Zentrum der Lust dar. Und es sind genau diese Ingredienzien, mit denen die Vier sicher von einem Höhepunkt zum nächsten kommen.

Die Schuhe, die "Nude with boots" dabei trägt, sind dicke, abgewetzte Bikerstiefel. Und den Koitus mit nur einem Schlagzeuger halten die Melvins noch immer für langweiligen Blümchensex. Dale Crover und Coady Willis erscheinen wie eine Zwillingsinkarnation des Tieres von der Muppets-Band, während King Buzzo und Jared Warren ein Gewitter mit Blitz und Donner veranstalten, sich Obszönitäten zuschreien oder auch mal lasziv dazu tanzen. Den schweren Schuhen entspricht der Melvins-typische, schleppende Gang, und auch das Overdrive-Pedal haben sie schon längs kaputtgetreten: Es lässt sich nicht mehr abschalten.

Auch wenn die Musik glauben machen möchte, dass die Melvins überhaupt nicht älter werden, merkt man den Recken doch mittlerweile so etwas wie Reife an. Zumindest scheinen sie keine Lust mehr auf unüberlegte Quickies oder andere durchwachsene Erfahrungen zu haben. Das führt dazu, dass die Anzahl der Veröffentlichungen leicht abnimmt, während die Qualität sich auf hohem Niveau einpendelt. Das kommt wohl mit dem Alter: Man macht es seltener, aber im Idealfall auch immer besser. Nur gepopt wird bei den Melvins selbstverständlich immer noch nicht. Sondern nur laut gerockt.

(Rüdiger Pater)

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Highlights

  • Dog island
  • Suicide in progress
  • The smiling cobra

Tracklist

  1. The kicking machine
  2. Billy Fish
  3. Dog island
  4. Dies iraea
  5. Suicide in progress
  6. The smiling cobra
  7. Nude with boots
  8. Flush
  9. The stupid creep
  10. The savage hippy
  11. It tastes better than the truth

Gesamtspielzeit: 42:00 min.

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