Alpha Galates - A stimulus for a reason

Alpha Galates- A stimulus for a reason

EMI
VÖ: 06.06.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der lange Atem

Für einen Marathonlauf braucht es mehr als ein bisschen Training. Man muss sich quälen, um die Grenzen von Körper und Geist langsam vorwärts zu verschieben, man braucht Kraft, den unbedingten Willen und einen langen Atem. 42,195 Kilometer trennen die Spreu vom Weizen, die Angeber von den Könnern, die Schwächlinge von den Kämpfern. Denn: Einen guten Sprint bekommt jeder irgendwie, irgendwann einmal hin; doch erst die Langstrecke kürt die wahren Helden. Athleten wie Alpha Galates machen deshalb Prog-Metal anstatt Drei-Minuten-Formatpop, und schnüren dazu auch noch die übergroßen Tool-Schuhe, als wäre nichts dabei, sich als Neuling neben den Olympiasiegern der Disziplin einzureihen. Auf das obligatorische Stolpern wartet man jedoch vergebens: Gespenstisch regelmäßig bleibt der 6/4-Herzschlag.

Nominell ist "A stimulus for a reason" das Debütalbum der Kanadier, tatsächlich beinhaltet es neben neuen Songs aber auch das Destillat allen Songmaterials, das sich in sieben Jahren Bandgeschichte der Vorgängerband The Hollow angesammelt hat. Dementsprechend ausgereift bricht das von Joe Barresi (Tool, Tomahawk) gemischte Album über den Hörer herein: Die milden Chöre und Geigen im Intro "Conformity" können das Unheil nicht verschleiern, das schon mit dem krachenden Auftakt von "2 months in" in die Ruhe hineinpoltert. Zunächst erscheinen die Riffs und Gesangsflächen harmlos, einmal aufgeschichtet jedoch reißen sie den Hörer unvermittelt in den Song hinein.

Die repetitiven Strukturen sind es, mit denen einzelne Parts in endlosen Wiederholungen die Synapsen sturmreif schießen, um dann in einem finalen Streich den Song mit einem Ausbruch von Sänger/Schlagzeuger Matthew von Wagner auf das nächste Level zu hieven. Irgendwann blendet der Verstand aus, der Tunnelblick setzt ein und epische Langstrecken wie "Natio", "Love despair" oder "Passion" offenbaren ihre nervenzerrenden Momente zwischen diabolischer An-, unsicherer Entspannung und stoischem Vorwärtslauf. "The darkest eyes" borgt sich nur am offensichtlichsten den Gesang bei Maynard James Keenan, "Subliminal" und "Entropy and chaos" wagen sich dann sogar an Metallicas Trash-Phase und zweistimmige Iron-Maiden-Leads. Die zweite Anlehnung, die Alpha Galates nicht bereuen müssen.

Der Weg von "Stimulus for a reason" zu einem echten Meisterwerk ist nicht weit, vielleicht wird schon das nächste Album der ganz große Wurf dieser jungen Band. Wo Tool dem Hörer bei vollem Bewusstsein ihre stahlkalten Riffs unter die Haut bohren und schmerzhaft die Organe sezieren, narkotisieren Alpha Galates in kürzester Zeit mit sphärischem Stress wie in "Obitus" den Verstand und treiben den willenlos und entrückt lächelnden Hörer mit sich vorwärts. Ein dunkles Mantra, das trotz aller Zugänglichkeit dieses "Pop-Prog" an die Substanz geht. Hier kann man ein waschechtes Runners High erleben. Ohne einen einzigen Schritt zu tun.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • 2 months in
  • The darkest eyes
  • Love despair

Tracklist

  1. Conformity
  2. 2 months in
  3. Standing
  4. Natio
  5. Obitus
  6. The darkest eyes
  7. Passion
  8. Stop programming
  9. Love despair
  10. Time out
  11. Subliminal
  12. Entropy and chaos

Gesamtspielzeit: 67:53 min.

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