Zero Hour - Dark deceiver

Zero Hour- Dark deceiver

Sensory / Al!ve
VÖ: 23.05.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Konfetti-Core

Frühen Protagonisten des Prog-Metal wurde gerne das Attribut "Math-Core" angehängt. Das galt nicht nur, aber vor allem für Watchtower, deren Songstrukturen auch nach 20 Jahren noch diverse Durchläufe benötigen, um sich wirklich zu erschließen. Nun gut, innerhalb dieser 20 Jahre wurde auch der Taschenrechner vom Computer abgelöst - Kisten mit mehr Rechenpower als damalige Rechenzentren stehen heute unter dem Schreibtisch jedes beleibt beliebigen Teenies. Zeit also für anspruchsvollere Programmierungen. Der Geek von Welt schwört dabei auf eine Programmier"sprache" namens Brainfuck, die als Charakteristikum ohne alphanumerische Zeichen auskommt.

Warum der Ausflug? Nun, wenn Watchtower Math-Core waren, dann sind Zero Hour so was wie Brainfuck-Core. Darauf könnte man zumindest nach dem Opener "The power to believe" kommen. Denn der nach diesen sieben Minuten völlig haltlos zuckende Hörer braucht wirklich Kraft, um zu begreifen, was da gerade über ihn hinweggedonnert ist. Wie viele BPM? Keine Ahnung. Verflucht viele halt. Wie schafft man es, ein völlig anderes Tempo zu singen, als die Bassdrum vorgibt, ohne völlig kakophon zu klingen? Und, wichtig vor allem für die nächste Tour: Wie zum Geier kann Chris Salinas zu den Frickeleien von Bandkopf Jasun Tipton singen, ohne dass der Herzschrittmacher stolpert?

Fragen über Fragen also. Irgendwann, nach dem werweißwievielten Durchgang, ist der Begriff "Polyrhythmik" klar geworden. Plötzlich bekommt "Dark deceiver" einen Sinn. Und der Hörer kann beginnen, das zwölf Minuten kurze "Inner spirit" mit erstaunlich eindeutigen Songstrukturen für sich zu entdecken. So schlimm ist das alles also gar nicht, mag man denken, werden doch die unzähligen Synapsentwists durch einen an Geoff Tate erinnernden Gesang zusammengehalten. Als träfen sich Devin Townsend, Into Eternity und Watchtower auf ein paar Trips zum Jammen, nur dass auch noch Queensrÿche auf ein Bier vorbeikommen. Bei "The passion of words" schweigt sogar zwischendurch die Doublebass - um kurz danach den Song noch intensiver in den wunden Schädel zu hämmern.

Insofern langt die Dreiviertelstunde Spielzeit völlig aus. ProgMetalMathIrgendwas-Core vom Feinsten will halt verdaut werden. Warum Bassist Troy Tipton dann noch unbedingt zwei Minuten Instrumental benötigt, um seine wahnwitzigen Griffbrettrennereien solo zu verbreiten ("Tendonitis"), wissen allerdings die Götter. Das abschließende, alles in Schutt und Asche legende "Severed angel" hingegen würde mit Gesang definitiv nicht funktionieren. Aber auch so hinterlassen Zero Hour verbrannte Erde und einen nach den ersten Durchläufen verwirrten Hörer. Doch die Verstörung weicht irgendwann schierer Begeisterung. Und dem Willen, irgendwann einmal alle Facetten dieser feinen Platte entdeckt zu haben.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • The power to believe
  • Inner spirit
  • The passion of words

Tracklist

  1. The power to believe
  2. Dark deceiver
  3. Inner spirit
  4. Resurrection
  5. Tendonitis
  6. The temple within
  7. Lies
  8. The passion of words
  9. Severed angel

Gesamtspielzeit: 44:39 min.

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