Gavin DeGraw - Gavin DeGraw

Gavin DeGraw- Gavin DeGraw

J / Sony BMG
VÖ: 30.05.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Stehaufmännchen

Wie man's macht, ist es verkehrt. Ein altbekanntes Sprichwort, das nicht nur in der Schule und bei ersten Dates zutrifft, sondern auch in so manchem Fall der Musikgeschichte. Ein Fall für sich ist auch dieser Gavin DeGraw. Der wurde mit einer recht angenehmen Stimme auf die Erde geschickt, schreibt gar nicht mal so doofe Songs, von denen einige bereits durch die allseits beliebten Jugendsendungen der United States Of Affection tingelten - für "One Tree Hill" verwendete man sein "I don't want to be" sogar als Titelsong. Gastauftritte in diesen Serien hatte er auch, trotzdem funkte es nicht so ganz bei dem Mann mit der Mütze. Liegt das an den Deutschen? Sein international hoch gelobtes Debüt hat er hartnäckigerweise sogar in zwei Versionen veröffentlicht, von denen beide schlichtweg ignoriert wurden - jedoch sicher nicht wegen mangelnder Qualität. Oder wie lässt sich erklären, dass er damit sogar Platin einheimste?

Es ist aber auch ein Kreuz: "In love with a girl", der Opener, startet mit einem Gitarrenriff der Marke 3 Doors Down, was nicht nur positive Reaktionen hervorruft, wenn man deren letztes Album betrachtet. Überhaupt klingt ausgerechnet die Single so, als hätte man sie schon zigmal zuvor gehört, nur eben besser (allerdings nicht von 3 Doors Down). Gleich mit dem folgenden "Next to me (Wait a minute sister)" reißt DeGraw sich indes selbst wieder raus, eine muntere, rockig-poppige Nummer, in der seine Stimme nicht ganz zum Ausdruck kommt, die aber definitiv seine eigene Handschrift trägt. "Let it go", die obligatorische Rockballade, die man auch schon auf dem Debütalbum finden konnte, zeigt ebenso deutlich den Unterschied zwischen DeGraw und all den Boybandbarden, mit denen er so gerne verglichen wird. Auch auf "Young love" verewigt er seinen eigenen Stil, hält ihn jedoch nicht konstant durch und verliert sich am Ende wieder in Altbekanntem. "I have you to thank" und "Relative" stechen als einfache Mitsingnummern heraus und bieten sich als zukünftige Singles an - oder eben als Anwärter für den nächsten Soundtrack einer Reiche-Jungs-Küssen-Reiche-Mädchen-Serie.

Talent lässt sich DeGraw nicht absprechen. Dennoch fehlt auch diesem Album etwas. Sicher liegt es nicht an den Songs, die allesamt tolle Radiohits werden könnten. Aber genau da liegt eben auch das Problem: Wenn DeGraw am Schluss mit "We belong together" noch mal in die Vollen greift, ist es fast schon traurig, weil es einfach nicht so richtig klappt, mit genau diesem einen Song, der sich auf ewig in die Herzen brennt. So gelingt es ihm, in drei Minuten während der Autofahrt zu glänzen, gleich nach Leona Lewis und unmittelbar vor dem nächsten sogenannten "Superstar". Das beste Album des Jahres liefert er mit seinem Zweitling jedoch nicht ab, auch wenn er zuweilen dramatisch an all jene erinnert, mit denen er noch verglichen wird - aber nicht auf eine Stufe gestellt werden darf. Denn DeGraw besitzt ganz ohne Zweifel das Potential, einer der Großen der nächsten Jahre zu werden. Mal sehen, was mit dem nächsten Album ist, wenn er dann vielleicht endlich sein eigenes Ding macht.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Next to me (Wait a minute sister)
  • Young love
  • Let it go
  • We belong together

Tracklist

  1. In love with a girl
  2. Next to me (Wait a minute sister)
  3. Cheated on me
  4. I have you to thank
  5. Cop stop
  6. Young love
  7. Medicate the kids
  8. Relative
  9. She holds a key
  10. Untamed
  11. Let it go
  12. We belong together

Gesamtspielzeit: 46:28 min.

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