Three Minute Poetry - Slowly learning that love is okay

Three Minute Poetry- Slowly learning that love is okay

Defiance / Zomba
VÖ: 02.06.2001

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gebrochene Herzen

Was ist schon Liebe? Zuallererst natürlich die extremste Form zwischenmenschlicher Zuneigung, aus der bei Erfüllung ungeahnte Glücksmomente resultieren können. Schmetterlinge im Bauch kitzeln mit samtweichen Fühlern an den Wänden des Herzens und ringen einem unweigerlich ein zufriedenes Lächeln ab. Zumindest bis zum nächsten bösen Erwachen. Denn Liebe kann auch bitterböse Abhängigkeit und absolute Verzweiflung bedeuten. Das Grausamste an alledem: Empfindungen lassen sich in den seltensten Fällen ernsthaft kontrollieren. Das Herz schmilzt in fremden Händen und nicht in den eigenen.

"I listen to our song over and over again and I keep humming out of tune when all my tears choke my voice." Three Minute Poetry haben ihre Lektion in Sachen Hingabe gelernt und erzählen ihre kleinen und bisweilen große Geschichten um Liebe, Leid, Leiden und Leidenschaft auf unterhaltsame Weise. Der Abflug vom Flughafen Wuppertal mit Zielort Dreamland erfolgt unter den warmen Klängen eines Akkordeons. Doch schon wenig später weicht die wohlige Wärme kaltem Stahl, wenn Onkel Pogo sein wahres Gesicht zeigt und mit einem gequälten Grinsen auf den Lippen seine ungemein beschwingten Liebeslieder vorträgt. Mit steigenden Höhenmetern und fallendem Druck ist die Luft zunehmends erfüllt vom Geruch nach Blut und Tränen. Eau de Trübsal.

Die Sinne entschwinden ihren angestammten Hockern und nehmen einen Platz in den dunkelsten Kammern des Unterbewußtseins ein. Dort, wo Körper und Geist am empfindlichsten sind, packen Songs wie "Moving on", "Over it", "Peach iced tea" oder "Dr. Death" trotz der ständig präsenten Aura der Hoffnung verheilte Narben am Schlawittchen. Längst verdrängter Schmerz kehrt zurück ins Bewußtsein. Denn die wahre Achillesferse befindet sich entgegen anderslautenden Vermutungen tatsächlich im Innersten und wird bis zur Grenze der Belastbarkeit gereizt. Wenn man beim hypnotisierenden "Boy breaks heart" der Illusion erliegt, Härte und Sanftmut wären ein und dasselbe, dann zeugt das nur von der beeindruckenden Wirkung, die "Slowly learning that love is okay" nicht nur auf unglücklich Verliebte haben kann. Letztlich macht der Ton die Musik und entwickelt sich immer mehr zum willkürlichen Spielball der Euphorie.

"Now the feedback hurts your ears and I'll be gone with the last sound you'll hear." Das Akkordeon stimmt zum finalen Wiegenlied an, und mit dem Hinabgleiten in einen unruhigen Schlummer kommen auch erlösende Erkenntnisse ans Tageslicht. Nämlich, daß es im Grunde absolut legitim, ja sogar notwendig ist, das eigene Herz fremden Händen anzuvertrauen. "Slowly learning that love is okay." Und doch bleibt die niedergeschlagene Feststellung allgegenwärtig: Die schmerzhafteste Art zu lieben ist diejenige, die niemals Erwiderung finden wird.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Over it
  • Boy breaks heart
  • Dr. Death

Tracklist

  1. Nothing but a takeoff
  2. Moving on
  3. Over it
  4. Boy breaks heart
  5. Peach iced tea
  6. All the monsters will be gone
  7. Sit back, don't talk
  8. First crush is deadly (a teenage love affair
  9. Dr. Death
  10. Off key
  11. Nothing but a breakdown

Gesamtspielzeit: 33:08 min.

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