Witch - Paralyzed

Witch- Paralyzed

Tee Pee / Cargo
VÖ: 22.03.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Die Zungenbeißer

Man muss nicht immer beim Offensichtlichen beginnen. Beim Stoner Rock nicht in der Mojave-Wüste, beim Blues-Punk nicht bei den Stooges, beim Grunge nicht bei J Mascis. Und beim Sudel-Rock von Witch nicht beim Gepolter der Rhytmussektion und dem Zetern der Gitarren. Eine ebenso tragende Rolle spielt hier nämlich die Stimme von Kyle Thomas. Zwar nicht auf den ersten Blick. Und auch nicht in dem, was sie anrichtet oder wie sie sich herausstellt. Sondern gerade in der Art, wie sie im Raumhall verschwindet. Und doch ständig und beharrend dagegen anarbeitet. Leicht nasal wie Billy Corgan, rotzig wie Johnny Rotten, heiser wie Lemmy jodelt sich dieser Gesang weniger die Seele aus dem Leib oder die Dämonen aus dem Kopf. Eher schon wirkt er als Druckausgleich für das Geboller der Musik und verleiht ihre eine Dimension des Unterdrückten, die all der Großoffensive einen willkommenen und absolut notwendigen Knebel verpasst. Womit sie stillschweigend eine Fett(rock)verbrennung bewirkt, welche die besten Momente von "Paralyzed" zu etwas mehr - nun ja - produktivem Stuhlverhalten anleitet.

Die angesoffenen Blues-Slides von "Sweet sue" etwa erinnern an die besten Tage von Come, als sie sich zu ihrer scheiternden Ménage à deux mit den frühen Rolling Stones noch die Stirn blutig schlugen, statt sie einfach wegzubechern. Auch der Staublungen-Grunge einer Band wie Gravel tritt hier ins Zwielicht. So erreichen Witch auch auf "Gone" und "Old trap line" eine Intensität, die sich in den High-Energy-Proteinen von "Mutated" oder "Eye" allein in den ebenso drückenden wie schrillen Soli selbst zum Fraß vorwirft. Doch selbst hier schubsen Witch ihren "Psychotic rock" zwar in den Bannkreis von Noise und Sludge-Metal, haben aber stets auch genug Tiger im Tank, um ihre Arrangements beherzt runterzuschnurren.

Gut geölt zeigt sich "Paralyzed" dennoch eher selten bis gar nicht. Zu schmutzig die Riffs, zu kreischend die Soli, Bassbreaks und Beatwechsel, zu groß die Zerstörungswut. Zu magenkrank Thomas' Gesang. Genau das aber hebt die Platte aus dem Mittelmaß. Vieles bleibt einem beim Mitnicken schlicht im Halse stecken. Auch dass ein J Mascis am Schlagzeug einfach nur seinen Job machen kann, stimmt weniger fröhlich oder zufrieden, sondern unterstreicht die Ernsthaftigkeit, die neben der Hau-Drauf-Mentalität in "Paralyzed" steckt. Offensichtlich ist diese Musik folglich nicht: War das Debüt eher die halsstarrige Exekution einer Haltung, erforderlich als Standortbestimmung ihres prominentesten Mitglieds, so gehen Witch nun aus der Deckung und strecken sich ins offene Feld. Hier verharren sie klar erkennbar, doch nur wenig augenscheinlich. Mit Parazetermoll in der Leber und Multokill in der Buchse kann trotzdem nur noch wenig danebengehen.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Sweet Sue
  • Old trap line

Tracklist

  1. Eye
  2. Gone
  3. 1000 M.P.H.
  4. Spacegod
  5. Disappear
  6. Sweet Sue
  7. Psychotic rock
  8. Mutated
  9. Old trap line

Gesamtspielzeit: 47:39 min.

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