The Ting Tings - We started nothing

The Ting Tings- We started nothing

Columbia / Red Ink / Sony BMG
VÖ: 30.05.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ach wie gut, dass niemand weiß

Der Bundesgesundheitsminister rät bereits seit geraumer Zeit: "Rauchen macht sehr schnell abhängig. Fangen Sie gar nicht erst an." So gesehen haben The Ting Tings aus Salford zumindest mit dem Titel ihres Debütalbums schon mal richtig angefangen - nämlich eben gar nicht. Grobes Understatement? Feine Ironie? Immerhin schossen Katie White und James De Martino mit "We started nothing" in England auf Platz eins und klingen auf ihrem Hit "That's not my name", als würde Gossips Beth Ditto dem Rateteam von "Was bin ich?" den fleischigen Stinkefinger zeigen. Oder als hätte Nancy Sinatra damals Lee Hazlewood kurz in die Besenkammer gesperrt, um "These boots are made for walking" mit Rumpelstilzchen noch mal neu aufzunehmen. Diejenigen, die im Text "They call me sexy" statt "They call me Stacey" verstehen, dichten Katie White gar Tendenzfeminismus an, obwohl ein Song wie dieser ohne störende Beimengung von Sinn noch am besten funktioniert. Nicht nur in den Charts, sondern auch auf der Tanzfläche, zu Hause und vermutlich sogar im Kohlenkeller.

Damit auch alle mitkriegen, wie The Ting Tings zu einem der schönsten Unfälle der jüngeren Popgeschichte werden konnten, eröffnen sie "We started nothing" mit den drei Backbeat-getriebenen Singles, die bereits ihre Indie-Popularität begründeten: "Great DJ" schabt sich zuerst mit im Hintergrund agierender Gitarre und Synthie-Gesprotze den Hintern wund, bevor das Stück kopfüber in einen überrissenen Bubblegum-Refrain stürzt, "That's not my name" dreht das Ganze noch eine Stufe höher, und "Fruit machine" leiht sich kurz die Rhythmussektion von Jets "Are you gonna be my girl?" aus. Hat sich also was mit dem Art-School-Manierismus und der Skepsis anderer Boy/Girl-Duos gegenüber der großen Pop-Wurst. Die beiden schmeißen einfach mal alles vor die Wand und staunen dann mit großen Augen Bauklötze darüber, wie viel davon kleben bleibt.

Und das ist auch neben den offensichtlichsten Hits eine ganze Menge. Gerne schmuggelt sich ein Balladenseufzer mit humpelnden Keyboardtupfern und Fake-Streichern ins hüpfende Getümmel. Im hinreißenden "Shut up and let me go" marschieren funky Gitarrenschläge über einen mit Breaks durchsetzten Four-to-the-floor-Beat, während White wortreich ihren ehemals Liebsten zum Teufel jagt. So stolpert das Duo mit diebischer Freude durch ein musikalisch genau genommen überschaubares Album, bei dem aber der immense Spaßfaktor und die musikalische Schnitzeljagd auf der bunten Landkarte des Pop für einige wenige Schwachheiten entschädigen. Hoffen wir nur, dass The Ting Tings ihre vorwitzigen Nasen nicht zu tief in die Hype-Maschinerie stecken. Sie wären nicht die ersten, die sich selbst in der Luft zerreißen, weil ihr Name kein Geheimnis mehr ist.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • That's not my name
  • Fruit machine
  • Shut up and let me go

Tracklist

  1. Great DJ
  2. That's not my name
  3. Fruit machine
  4. Traffic light
  5. Shut up and let me go
  6. Keep your head
  7. Be the one
  8. We walk
  9. Impacilla carpisung
  10. We started nothing

Gesamtspielzeit: 37:51 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Dieter Dietersen
2012-04-11 00:41:25 Uhr
Die Sängerin ist sowas von heiß
musie
2012-03-01 14:05:42 Uhr
1.8 von pf. doch, darauf kann man aufbauen :-) aber mir gefällt das album auch nicht, obwohl pf oft daneben liegt.
Bobdoc
2010-11-22 20:20:22 Uhr
kann mir jemand sagen, welcher 80ies song in dem retro/grade remix von hands gesampled wird? ab minute 2.10 etwa. hier gibs nen link

http://media.nme.com.edgesuite.net/audio/2010/August/02%20Hands%20(Retro_Grade%20Remix).mp3
Music_Lover
2009-04-30 14:30:08 Uhr
Pünktlich zum Tourstart in Deutschland ist im Netz auch ein neues, 10-minütiges Interview von THE TING TINGS aufgetaucht!

http://www.bunch.tv/ (im Bereich "News" oder "Independent")

Schönes Ding - wer sich nen Live-Konzert von den Beiden geben möchte, sollte sich das unbedingt reinziehen!!
arnold apfelstrudel
2008-08-16 02:32:38 Uhr
That's Not my Name find ich toll. Vielleicht liegts an der nicht gerade unattraktiven Sängerin, vielleicht auch an ihrer nicht gerade unattraktiven Stimme. Konnte ja mit den ganzen Sängerinnen wie Amy und Duffy nichts anfangen, aber das finde ich ganz erfrischend.
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