No-Man - Schoolyard ghosts

No-Man- Schoolyard ghosts

K-Scope / Snapper / SPV
VÖ: 23.05.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Kraft der Ruhe

Liebe Plattentests.de-Leser: Falls Ihr mal eine Kneipenwette unter Musikfreunden gewinnen wollt, dann fragt doch mal, wie Steven Wilsons erste wirkliche Band nach seinen Schüler-Frickeleien hieß. Kleiner Tipp: Die Antwort ist nicht Porcupine Tree. Selbige waren noch eine Proberaumspielwiese für Wilson, als No-Man Is An Island schon als festes Line-Up bezeichnet werden konnten. Dieses hat sich erstaunlicherweise bis heute einige Charakteristika bewahrt: Songs von Porcupine Tree sind immer noch fast komplett von Wilson geschrieben, während er sich in den anderen Projekten oft dezent zurückhält. Siehe Blackfield, siehe eben No-Man.

Ebenfalls bezeichnend: Mit der Entwicklung von Porcupine Tree in metallische Gefilde wirken die Nebenprojekte mehr und mehr wie ein Ruhekissen. Und so ist es wenig erstaunlich, dass bereits "All sweet things" zum Träumen schöne Melodien liefert. Nie unterkühlt, aber immer irgendwie entrückt. Schwebend. Leichtfüßig. Wobei die wahre Poesie erst recht mit den Lyrics von Tim Bowness deutlich wird. "I want to play you / All the beautiful songs you should know / I want to save you / With the beautiful songs we can grow".

Doch Wilson wäre nicht Wilson, fiele ihm nicht noch etwas Überraschendes dazu ein. "Pigeon drummer" könnte zunächst einem Soundtrack zu einem düsteren Thriller entsprungen sein, bis ein Industrial-ähnliches Break die Stille zerfetzt. Wer bis dahin die Kopfhörer auf "mächtig laut" hatte, darf einen Termin beim Ohrenarzt buchen. Doch "Pigeon drummer" ist kein Lärm, sondern gerade dadurch eines der spannendsten Stücke aus dem Fundus der Briten. Zentraler Song hingegen ist das fast 13 Minuten lange "Truenorth", bei dem No-Man von Flöte bis Streichern das volle Programm an Gänsehaut-Begleitung auffahren. Perlende Pianoläufe begegnen sanft mäanderndern Soundscapes, und der Hörer kann nicht anders, als sich davontragen zu lassen. Tim Bowness' sanfter Gesang tut sein Übriges hinzu. Das einzige Attribut hier ist "traumhaft".

Schnitt. Die Aufführung ist zu Ende. Kalter Rauch hängt in der Luft, das Bier wird allmählich schal. Im Hintergrund hält sich der Drummer an den Jazzbesen fest, und der Gitarrist klimpert noch die letzten Akkorde. Auch bei "Mixtaped", einer Hommage an selbige, wird wieder klar: Irgendwie waren knisternde Platten und rauschende Tapes doch schöner als clippende mp3s. "You'd kill for that feeling once again / Afloat on the ocean, beyond the pain." Der Kreis schließt sich also. Hin zu den Schülerbandzeiten des kleinen Steven, der auszog, die Musikwelt zu verändern. Und mit Tim Bowness einen kongenialen Partner fand, um Art-Pop der alten Schule zu zelebrieren.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • All sweet things
  • Pigeon drummer
  • Truenorth
  • Mixtaped

Tracklist

  1. All sweet things
  2. Beautiful songs you should know
  3. Pigeon drummer
  4. Truenorth
  5. Wherever there is light
  6. Song of the surf
  7. Streaming
  8. Mixtaped

Gesamtspielzeit: 52:57 min.

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