Thumb - 3

Thumb- 3

EMI
VÖ: 25.06.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Daumenkino

Als Claus Grabke zur Osterrocknacht 2001 erstmals wieder mit dieser Formation auf die Bühne stürmte, schrie er es für seine Fans, aber auch für den Rest der Welt unüberhörbar heraus: "Wir sind Thumb und wir sind wieder da!" Das Soloprojekt Alternative Allstars wurde gottlob zu den Akten gelegt, und die volle Power gilt nach vier Jahren Auszeit nun endlich wieder Thumb. Grabke bemerkt mit einem zwinkernden Auge, daß es einst zu "Exposure"-Zeiten geheißen habe, die Platte käme zu spät, denn Crossover sei mausetot. Bevor jetzt die üblichen schlauen Leute anfangen, die Band in die New-Metal-Schublade zu stecken, obwohl sie bereits ihren Sound gefunden hatten, als man anderswo noch rote Kappe und Adidasanzug suchte, bläst man also mit neuem Gitarristen und 13 fangfrischen Songs aufs Heftigste zum Angriff.

Die Gütersloher Band hinterläßt mit "3" seine ersten Spuren im neuen Jahrtausend. Zur überaus einfachen Namensfindung des Albumtitels gibt es von der Band denn auch drei verschiedene Versionen: Zunächst ist "3" das dritte Album, zwei Bandmitglieder wohnen in Hausnummern drei in 33330 Gütersloh, und zudem sind noch drei Leute von der ersten Bandbesetzung am Start. Wie auch immer, mit dem bollernden Opener "Upside & down" bekommen gleich alle diejenigen eins auf die Glocke, die befürchtet haben, Thumb hätten sich zu sehr von ihren Wurzeln entfernt. Wer "Kommerz-Pop!" schreiend das Maul aufreißt, darf sich bald an "Down like me" verschlucken. Die Vorabsingle schlägt durch seine Einfachheit einen schillernden Bogen zu "Exposure", zeigt aber gleichzeitig mit psychedelisch angehauchten Gitarren, daß Neuzugang Axel Pralat (Ex-Waterdown) bereits ein erheblicher Teil des neuen Thumb-Teams ist. Man traut sich wieder was.

Das kräftige und gleichzeitig stimmige "Stupid" läutet dann endgültig den Wechsel zu genau dem ein, mit was Thumb in der Vergangenheit lediglich kokettierten: melodiöse Refrains. In der Tat sind Thumb ein ganzes Stück eingängiger, zeitweilig sogar softer geworden, ohne jedoch dabei Energie eingebüßt zu haben. Das zwischen der ausnahmsweise schwachbrüstigen Pop-Nummer "Youth" und "Break my back" prangende "Thumbtune" - eine Art einminütiges "Best of" der letzten beiden Alben - wirkt an dieser Stelle wie eine kurze Erinnerung an alte Zeiten oder wie ein großzügig am Tatort hinterlassener Fingerabdruck. Denn nicht nur an dieser Stelle haben Thumb keine Leiche im Keller zu verstecken und genießen scheinbar das Spiel mit alten Tugenden und neuen Stärken. DJ Lupe scratcht, was das Zeug hält ("Fade away"), Grabke sprechsingt immer auf dem Sprung zur Melodie, und all dies paart sich mit dreckigen Gitarrenbrettern. Mit "3" haben sie es letztlich geschafft, eine stabile Brücke zwischen zeitgemäßem Alternative Rock und The Music Formerly Known As Crossover zu bauen, ohne dafür großartig neuen Zement anrühren zu müssen. Wie man das Ding jetzt nun nennen mag, ist einerlei. Thumb jedenfalls sind im Grunde sich selbst treu geblieben, und das ist auch gut so.

(Patrick Rodeck)

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Highlights

  • Down like me
  • Stupid
  • Shorty

Tracklist

  1. Upside & down
  2. Down like me
  3. Stupid
  4. Lie to you
  5. Youth
  6. Thumbtune
  7. Break my back
  8. Fade away
  9. Migraine
  10. Suck me dry
  11. Shorty
  12. More
  13. Confidence

Gesamtspielzeit: 42:00 min.

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