Syd Matters - Ghost days

Syd Matters- Ghost days

Because / Al!ve
VÖ: 06.06.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Idol of exile

Fahr den Computer runter. Ersetze den Bildschirm durch ein Aquarium und versenke Dein Handy darin. Melde Telefon und Internet ab. Falte ein Himmel-und-Hölle-Spiel aus Deiner To-Do-Liste. Mach das Radio aus. Sag Deinen Verwandten, Freunden und Gläubigern, dass Du auf unbestimmte Zeit verreist bist. Lass Deine Post ans andere Ende der Welt nachsenden. Und bleib hier. Wirf die letzten Zweifel aus dem Fenster und den Fernseher gleich hinterher. Und dann zieh die Vorhänge zu.

Höre in Dich hinein, bis Du den Dialekt Deiner Seele verstehst, und gründe mit Deinem multiinstrumentalen Über-Ich eine Band. Benenne Euer Musikprojekt nach einem Künstler, von dem Du Dich inspiriert fühlst und optimiere die Originalität des Namens, indem Du ein beliebiges Verb dranhängst: Elvis Lebt, Rufus Rules - Du verstehst? Wenn Du Bock auf einen Rechtsstreit hast, darfst Du Dir als Pseudonym auch gerne Tom Waits, Bill Withers oder Britney Spears aussuchen. Nur Syd Matters geht wirklich nicht - diese Variante gebührt ausschließlich dem Franzosen Jonathan Morali.

Wochenlang hatte er sich in seiner Pariser Wohnung verschanzt, ganz wie Syd Barrett alle Verbindungen zur Außenwelt gekappt und die Faszination der Ereignislosigkeit studiert - denn auch wenn nichts passiert, kann eine Menge geschehen. Der Stillstand hatte Morali unerwartet bewegende Stunden beschert und ihm irgendwo zwischen violett wattierter Trance, kristallklarer Präsenz und üppig fließenden Energien eine Bewusstseinsebene eröffnet, deren Erkenntnisse nicht mehr in Worte zu fassen waren, sondern nur noch in Musik formuliert werden konnten. Unter der Überschrift "Ghost days".

Es ist große Kunst, wie Morali Klangfarben mischt und Atmosphären aquarelliert. Spätestens seit dem grandiosen "Someday we will foresee obstacles" müssten seine Songs eigentlich im Louvre hängen, aber sie würden wohl in keinen Rahmen passen. Die Gitarre von "Everything else" lässt sich als weit gereistes, zart besaitetes Stück Treibholz auf dem Weg in einen idyllischen kleinen Orgelhafen porträtieren, während "I was asleep" perlenden Piano-Impressionismus zum Leben erweckt und eine Querflöte für die Schattenschraffur engagiert. "My lover's on the pier" bastelt derweil eine Collage aus einem großformatigen Melodiepastell, halsbrecherischem Fingerpicking, Staccato-Klavier und einer Triangel mit Metronomambitionen.

Für "Anytime now!" verlässt Morali sein Akustik-Atelier, eröffnet eine Artrock-Galerie und entdeckt das schönste Crescendo der ganzen Platte. Songwriting versteht er offenbar als Kokonbildung, als hypnotisch rotierendes Fädenspinnen. Die musikalische Metamorphose verliert er dabei nie aus den Augen, und am Ende wachsen ausnahmslos allen dreizehn Stücken Flügel - was nicht zuletzt an seiner Stimme liegt: Sie besitzt ein außergewöhnlich pastorales Timbre und ist trotz aller Melancholie und Sensibilität von einer ungeheuer gefassten Intensität gesegnet. Insbesondere bei "Louise", die mit ihren morbide schwirrenden Streichern und unheilvollem Geklampfe locker als Schwester von Leonard Cohens "Suzanne" durchgehen würde - oder als eine von Nick Caves "Murder ballads". Selbst als Schwarzmaler bleibt Morali eine Lichtgestalt. Shine on, you crazy diamond.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Everything else
  • My lover's on the pier
  • Louise
  • Anytime now!

Tracklist

  1. Everything else
  2. I was asleep
  3. I'll Jackson
  4. It's a nickname
  5. Ghost days
  6. My lover's on the pier
  7. Cloudflakes
  8. After all these years
  9. Louise
  10. Big moon
  11. Anytime now!
  12. Me and my horses
  13. Nobody told me

Gesamtspielzeit: 54:41 min.

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