Tricky - Blowback

Tricky- Blowback

Anti / Epitaph / Connected
VÖ: 25.06.2001

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Dark side of the spoon

Du bist, was Du ißt. Dieser alte Grundsatz hat sich unerwartet bewahrheitet. Falsche Ernährung (und eine passenderweise überaus merkwürdige Krankheit) war es, die Tricky, den alten Grummler, granteln ließ, daß Marilyn Manson und Mark E. Smith neben ihm wie freundliche Grinsbären wirkten. Kaum aber ist das schlechte Essen verbannt, trauen sich plötzlich wieder Sonnenstrahlen in Tricky düstere Welt. "The paranoia has gone." Neben vertrackten Melodien, unwiderstehlichen Grooves und famosen Hooklines macht sich ein unvermutetes Gefühl von Pop breit, das man eigentlich seit dem Debüt "Maxinquaye" im Schaffen Trickys schmerzlich vermißt hatte.

In Sicherheit wiegen darf man sich auf "Blowback" trotz fast fröhlich wirkender Tracks wie "Your name" dennoch nie. Von einem Augenblick zum nächsten flackert plötzlich das Licht. Der Blick nach oben zeigt vorlaute Motten beim Tanz um verwackelte Beats. Im Schatten taucht ein Gegenspieler auf, der die bereits knisternde Spannung noch weiter steigert. Hawkman, irgendwo zwischen Superheld und Ghettokid, schnappt sich das Mikrophon und pumpt ganjagestählte Ragga-Verse ins statisch aufgeladene Dämmerlicht.

Mit solcher sonoren Hilfe wird aus dem Zusammenspiel aus Trickys Heiserkeit und dessen bisweilen süßlichen Melodramen eine morbide grinsende Dreifaltigkeit. Statt sich aber einen Heiligenschein aufzusetzen, erinnert sich Tricky lieber an die dunkle Seite des Pop. So zimmert er für "Something in the way" einen düster schlurfenden Sound zusammen, der aus Hawkmans sonorer Stimme und Kurt Cobains Sehnsucht den perfekten Soundtrack für die Geisterbahn macht. Auf den Geschmack gekommen, zerdehnt er das klinische Geplucker aus "Sweet dreams" zu einer lasziven Hymne, in der eine Ambersunshower die Sirene gibt.

Die Gäste geben sich die Klinke in die Hand und schenken Tricky Songs, denen dieser seinen unnachahmlichen Stempel aufdrückt. Auch Alanis Morissette, Cyndi Lauper und Ed Kowalczyk halfen dabei, daß Tricky nach eigener Aussage seinen Traum wiederfinden konnte. Wenn die prickelnde Würze der Red Hot Chili Peppers in Songs wie "Girls" oder "Wonder woman" auf die immer noch abgedunkelten Gedanken Trickys trifft, entsteht ein aufgeregtes Knistern, das eine mittlere Großstadt mit Strom versorgen könnte. Wer der schieren Vielfalt von "Blowback", das zwischen Dub, Rock, Kinderlied, Funk und Dutzenden anderen Ideen, die gerade herumschwirrten, umhertänzelt, immer noch mit dem bösen Wort TripHop kommen will, bekommt von Tricky zurecht nicht nur eins, sondern gleich dreizehn Hits vor die Zwölf.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Evolution revolution love
  • You don\'t wanna
  • Diss never
  • Bury the evidence

Tracklist

  1. Excess
  2. Evolution revolution love
  3. Over me
  4. Girls
  5. You don't wanna
  6. Wonder woman
  7. Your name
  8. Diss never
  9. Bury the evidence
  10. Something in the way
  11. Five days
  12. Give it to them
  13. A song for Yukio

Gesamtspielzeit: 50:39 min.

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