Sandi Thom - The pink & the lily

Sandi Thom- The pink & the lily

RCA / Sony BMG
VÖ: 30.05.2008

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Statt Blumen

Zur Punklady wird Sandi Thom wohl nicht mehr werden. Stellte sich ihr Hit "I wish I was a punk rocker (with flowers in my hair)" vom Debüt "Smile… it confuses people" noch als Post-Post-Zivilisationslamento heraus, so verkündet sie heuer stolz, den Gesang für ihr Nachfolgealbum im Pyjama und im Keller ihres Hauses eingesungen zu haben. Was einem dergestalt als das geerdete Profil eines frisch gebackenen Weltstars verkauft werden soll, ist natürlich der größte Schwindel seit Unmenschengedenken. Denn nur wer es sich leisten kann, solch einen Bombast, wie er durch alle Bögen und Rundungen von "The pink & the lily" tönt, in den heimischen Kellergewölben zusammenzuklöppeln, hat es erst wirklich in die Liga der dekadenten Pop-Weltfremdler geschafft. Fragen Sie mal Sting oder Paul McCartney.

So ist bereits die Vorabsingle "Devil's beat" zugleich Reminiszenz und Travestie ihres ehemaligen Chartstürmers. In die Hände und auf die Percussions gedroschen wird hier zwar nach wie vor, dann aber mit Männer- und Frauenchor, Bläsern, Klavier, Akkordeon und mehreren Gitarrenfiguren eine Politur darüber gepustet, die sich letztlich als ein zwar hochgestimmtes, aber auch protziges Sheryl-Crow-Pin-up zu den übrigen trüben Tassen in den Schrank stellt. Darunter zählt eine Bassdrum artig die Viertel mit, und gleich darauf stellt "Shape I'm in" mit typischen Country-Takten und -Gesangsharmonien klar, wie die Reise weitergehen soll. Und zwar: mal mehr, mal weniger gut.

Die Hollywood-Schaukel "Wounded hearts" etwa pendelt in ihrer imposanten Instrumentierung genau richtig vor und zurück. Zwar schwingt der Refrain dabei nur um genau einen Akkord an Uncle Krackers "Follow me" vorbei, doch immerhin merkt es Thom noch rechtzeitig und springt ab. Das enthusiastische "Saturday night" steht sich ebenso wenig selbst im Weg wie das folgende "Beatbox", das aus hintertupfenden Banjo-Takten einen choralen Plombenzieher baut, von dem der Hörer noch Stunden später was hat. Dann wiederum arbeiten Songs wie "Remote control me" zwar für den Facettenreichtum des Albums, scheitern hierbei jedoch nur ansatzweise grandios. Wenn sich die Kompositionen zu Dixie-Chicks-Bluegrass erweitern und Mundharmonikas zu Winnetous Abschied wimmern, ist das zwar gut gemeint, bleibt aber blassnasig im Genre stecken. Auch die Kinderliedmelodien des Titelsongs sind eindeutig ein viel zu dünnes Eis, als dass sie auch noch ein ganzes Symphonieorchester (er)tragen könnten. Und zum ballaballadesk zerkuscheltem Finale braucht eigentlich auch nur noch abgewunken zu werden.

Insgesamt kennt das gesamte "The pink & the lily" weniger Abgründe und Ideenwut als Thoms einstiger Welthit alleine. Auf der Suche nach dem Ohrwurmmuskel des Hörers findet sich nur selten das Verlangen, den versammelten Floskeln ihr luxuriös aufgeblasenes Sicherheitsdenken auszutreiben und sich durch die Mauern aus Hitradio-Einheitsbrei zu futtern. Dahinter wartet dann zwar auch kein songwriterisches Schlaraffenland - doch immerhin ist man erst danach so richtig platt und nicht schon vorher pappesatt.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Wounded hearts
  • I'm a human being

Tracklist

  1. Devil's beat
  2. Shape I'm in
  3. Wounded hearts
  4. Saturday night
  5. Beatbox
  6. Remote control me
  7. Success's ladder
  8. Mirrors
  9. Music in my soul
  10. The pink & the lily
  11. I'm a human being
  12. The last picturehouse
  13. My ungrateful heart

Gesamtspielzeit: 44:40 min.

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