Mark Lanegan - Field songs

Mark Lanegan- Field songs

Sub Pop / Beggars / PIAS
VÖ: 11.06.2001

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nächtliche Regentropfen

Vor einem guten Jahrzehnt galt Mark Lanegans Band Screaming Trees als eine der wichtigsten Vertreterinnen des Grunge, auch wenn sie eher bluesigen, psychedelischen Hardrock spielten. Als 1994 Kurt Cobain mit der Zeile "Better burn out, than fade away" sein Leben und damit auch den Grunge endgültig beendete, hatte sich Lanegan auf zwei brillianten Soloalben bereits längst dem Blues und Folk verschrieben. Mit "Field songs" veröffentlicht er nun seine mittlerweile fünfte Platte unter eigenem Namen. Nach "I'll take care of you", seiner ganz persönlichen Verneigung vor amerikanischem Folk, Blues und Soul, bringt der Mann mit der Baritonstimme sein bisher komplettestes und geschlossenstes Album heraus.

Auf Anhieb leicht zugänglich ist die Platte deshalb noch lange nicht. Läßt man sich jedoch längere Zeit auf die zwölf spröden Songs ein, eröffnen sie einem eine Reise durch eine faszinierende Folklandschaft mit gelegentlichen Abstechern zu Blues und Gospel. Lanegans einfache Geschichten über das Auf und Ab des Lebens wissen um ihre Wurzeln. Gleich der erste Song "One way street", eine wunderbar traurige Ballade, die Mark Lanegan schrieb, als er eines Nachts durch Venice/Kalifornien fuhr, gibt die Grundstimmung des gesamten Albums vor: "The stars and the moon aren't where they're supposed to be / But the strange electric light falls so close to me."

Lanegans Begleitmusiker, allen voran Ben Shepherd (Ex-Soundgarden) und Mike Johnson (Ex-Dinosaur Jr.), die an Gitarre und Baß dezente Akzente setzen, verschmelzen die zwölf "Field songs" zu einer besinnlichen Einheit. So gibt es gleich reihenweise Highlights: der von einem Mellotron getriebene schräge Rock in "No easy action", das bedächtige Titelstück oder das 1996 mit dem kurz darauf verstorbenen Gun-Club-Kopf Jeffrey Lee Pierce geschriebene "Kimiko's dream house". Auf "Pill Hill serenade" setzt eine Orgel überraschende Momente, während in der zweiten Hälfte von "Don't forget me" eine mexikanisch angehauchte Gitarre sogar südländisches Flair verbreitet.

Und über all den verhaltenen Tönen schwebt immer wieder Lanegans dunkle Stimme zwischen Trauer und Hingabe, die unter die Haut und direkt in die Seele geht. So erreicht er auf dem schaurig schönem "Resurrection song" fast die Intensität eines Tim Buckleys oder Nick Drakes. "Not a thing in this world to do / Except be alone in it" singt Lanegan in "She done to much". Angesichts der brüchigen Stimmung seiner Lieder glaubt man es ihm aufs Wort. Wenn Mike Mills von R.E.M. deren neue Platte "Reveal" als "ideal zum Cabrio fahren" bezeichnet, dann sind Lanegans Geschichten über verlorene Hoffnungen am ehesten für einsame Autofahrten durch den nächtlichen Regen geeignet. Mit "Field songs" ist ihm das bisher unmodernste und intimste Album des Jahres gelungen.

(Christof Herrmann)

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Highlights

  • One way street
  • Pill Hill serenade
  • Kimiko's dream house
  • Resurrection song

Tracklist

  1. One way street
  2. No easy action
  3. Miracle
  4. Pill Hill serenade
  5. Don't forget me
  6. Kimiko's dream house
  7. Resurrection song
  8. Field song
  9. Low
  10. Blues for D
  11. She done too much
  12. Fix

Gesamtspielzeit: 42:29 min.

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