Textures - Silhouettes

Textures- Silhouettes

Listenable / Soulfood
VÖ: 16.05.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Kaffeeklatsche

"Journalisten sind niemanden unterworfen, außer ihren Vorurteilen und Irrtümern", sagte mal irgendwer, der vom Spiegel zitiert wurde. Meine Oma wurde zwar leider noch nie im Spiegel erwähnt, hat aber genau das gleiche Problem: Vorurteile und Irrtümer. So kam doch letztens tatsächlich neben selbstgemachter Erdbeertorte und brühheißem Kaffee das Gesprächsthema Musik auf den Tisch. Vox sendete wohl wieder einmal eine Reportage, in der alle Metaller (sagt man das so?) als ungepflegte, langhaarige Typen im schwarzen Ledermantel hingestellt wurden, die sich obendrein Totenköpfe oder umgedrehte Kruzifixe auf den ganzen Körper tätowieren lassen. Deswegen ist das so: Ich habe einen Hang zur Gewalt, schreie nach Satan und höre Musik, die eintöniger und einfältiger Krach am Rande der Körperverletzung ist. Da muss man Oma erstmal vom Gegenteil überzeugen.

Zum Glück war zur Rechtfertigung "Silhouettes" von Textures zur Hand, von dem man durchaus behaupten kann, so habe moderner Metal heutzutage zu klingen. Natürlich stand der guten alten Dame trotzdem erst einmal das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, denn der Opener "Old days born anew" rattert gleich gut los, dem Vorurteil entsprechend eben. Aber spätestens im - mit Sicherheit nicht allerbesten, aber beispielhaften - Refrain zeichnet sich schon die größte Stärke von Textures ab: Die Stimmen von Sänger Eric Kalsbeek und Gitarrist Jochem Jacobs. Überhaupt sind auch Vielfalt und Abwechslung in der Spielweise der Instrumente zwei Sachen, die sich gerne mit dem Genre des härteren Metal beißen, nicht nur laut Klischee. Doch gerade das hebt Bands wie The Ocean, Burst oder Devil Sold His Soul von vielen anderen habt, macht sie eigen und somit wiederum gut. Textures reihen sich da problemlos ein. Und wenn dann noch Omchen in den viel verstreuten ruhigen Parts oder in der wirklich großartig melodiösen Ballade "Awake" etwas der Schock aus dem Gesicht weicht, umso besser.

Zudem ist "Silhouettes" wahrlich kein stadiontauglicher Metal, wie ihn In Flames spielen würden. Dennoch haftet dem Album ebenso eine leichtfüßige Note an, als sei es absolut keine große Kunst, komplexe Melodien einfach und eingängig zu verpacken. Das klingt weder in schleppend ruhigen Passagen aufgeblasen theatralisch, noch verkommen die harten Elemente zu hohlem Gebolze. Besonders deutlich wird das im schon fast sludgigen "One eye for a thousand" und bei der zweiten Halbballade "Messengers". Das hat mit TV-Panikmache absolut gar nichts zu tun, und selbst die kritische Oma schaut gegen Ende des Albums positiv verdutzt auf, als hätte man irgendwie zu viel versprochen: "Ich dachte, das hört sich alles gleich an, aber der Mann kann ja sogar richtig singen!" Ach was, Oma!? Textures retten dem Metal sein Ruf. Und den der Enkel gleich mit.

(Christoph Schwarze)

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Highlights

  • Awake
  • One eye for a thousand

Tracklist

  1. Old days born anew
  2. The suns architect
  3. Awake
  4. Laments of an icarus
  5. One eye for a thousand
  6. State of disobedience
  7. Storm warning
  8. Messengers
  9. To erase a lifetime

Gesamtspielzeit: 47:21 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 21770

Registriert seit 07.06.2013

2018-01-23 16:04:44 Uhr
An BTBAM erinnern sie mich eigentlich gar nicht.

boneless

Postings: 3030

Registriert seit 13.05.2014

2015-11-16 10:58:39 Uhr
klingt bewährt. mittlerweile eine sehr gute alternative für diejenigen, denen between the buried and me zu verschwurbelt sind.
daebak
2015-11-14 19:55:21 Uhr
Neuer Song:

https://www.youtube.com/watch?v=su0q0u4Yup0
Fredoy
2012-06-20 17:11:28 Uhr
neues album auch... hm.. anders.
Oceanic
2010-11-30 14:13:14 Uhr
TEXTURES haben einen neuen Sänger: DANIEL DE JONGH, bekannt als Frontmann der Metalband CILICE.

Vorstellunsvideo

Gesangsproben gibts bei 1:17 und 4:15 min, beide von "Awake".

Tja...Die von Erik gesungene Zeile "Life's too short too be wroooong" ist einer der intensivsten Gänsehautmomente die ich kenne, absolut überirdisch und von der Stimme her wohl unerreichbar, aber dafür klingts eigentlich schon ganz gut bei Daniel. Ich bin gespannt aufs Studiomaterial.
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