Rush - Snakes & arrows live

Rush- Snakes & arrows live

Anthem / Atlantic / Warner
VÖ: 18.04.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Heiß und fettig

Die Sinnfrage hinter Live-Alben ist ja normalerweise obsolet. Doch beim - je nach Zählweise - sechsten oder siebten Konzert-Dokument einer Band darf man ja mal nachhaken. Und die Antwort liegt erfreulich nahe. Zum einen sind die Schnittmengen der bisherigen Rush-Live-Platten erfreulich klein. Was Wunder bei über 35 Jahren Bandkarriere! Zum anderen machen Rush sich in Europa nach wie vor relativ rar, was schade ist, wie jeder Konzertbesucher bestätigen kann.

Das fängt schon mal mit dem Bühnenbild an, freundlicherweise im Booklet von "Snakes & arrows live" dokumentiert. Da brutzelten doch tatsächlich Brathähnchen auf der Bühne in zwei überdimensionalen Grillöfen! Fake? Keine Ahnung. Auf jeden Fall kam von Zeit zu Zeit ein hungriger Roadie vorbei und bediente sich fröhlich. Mjam. Dagegen waren doch die Wäschetrommeln von der 2004er-Tour noch konservativ. Fett ist, und da sind wir beim eigentlichen Inhalt, allerdings auch die Akustik, die sich dem Publikum in Rotterdam präsentierte, denn dort wurde "Snakes & arrows live" aufgenommen. Und natürlich: die Songauswahl.

Erstaunlich ist bereits, dass ganze neun Songs von "Snakes & arrows" dabei sind. Okay, das Album ist hier ja titelgebend. Und das Material gut genug, um neben Klassikern zu bestehen. Denn ob "Far cry", "Armor and sword" oder das wahnwitzige Instrumental "Malignant narcissism" - hochwertig ist alles. A propos Klassiker: Nein, "2112" wird immer noch nicht in in voller Länge gespielt. Diesmal noch nicht einmal in Rudimenten. Vermutlich wäre das für die Herren Lee, Peart und Lifeson ein zu billiger Weg zur Massenekstase. Stattdessen graben die Kanadier tief, ganz tief, in den Archiven und präsentieren "Digital man" (1982), "Entre nous" (1980) und "Circumstances" (1978) das erste Mal überhaupt auf einer Live-Platte.

Rush sprühen auch nach fast vier Jahrzehnten vor Spielfreude auf der Bühne. Ein Drumsolo, bei dem sich Legionen an Schlagzeugern die Knochen brächen, wird als "De slagwerker" ganz nonchalant eingeschoben. Dazu darf der Hörer sich den stoischen Blick von Neil Peart vorstellen. Nebst dem sanften "Plumps" beim Aufschlag der Kinnladen der Zuschauer vor Ort. Dass dieses Solo Besuchern der vorigen Tour bekannt vorkommt, kann allerding so gerade eben verziehen werden. Mit "A passage to Bangkok" und "YYZ" schaffen Rush es schließlich, sowohl die Traditionalisten wieder zu versöhnen, als auch den Kreis zwischen Alt und Neu zu schließen. Mehr als zweieinhalb Stunden hochklassiger Prog also. Anstrengend für Mittfünfziger, die dennoch auftreten wie mit Mitte Zwanzig. Verhungert wären sie auf der Bühne dieses Mal jedenfalls nicht.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Digital man
  • Malignant narcissism
  • Tom Sawyer
  • A passage to Bangkok

Tracklist

  • CD 1
    1. Limelight
    2. Digital man
    3. Entre nous
    4. Mission
    5. Freewill
    6. The main monkey business
    7. The larger bowl
    8. Secret touch
    9. Circumstances
    10. Between the wheels
    11. Dreamline
    12. Far cry
    13. Workin' them angels
    14. Armor and sword
  • CD 2
    1. Spindrift
    2. The way the wind blows
    3. Subdivisions
    4. Natural science
    5. Witch hunt
    6. Malignant narcissism - De slagwerker
    7. Hope
    8. Distant early warning
    9. The spirit of radio
    10. Tom Sawyer
    11. One little victory
    12. A passage to Bangkok
    13. YYZ

Gesamtspielzeit: 155:42 min.

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