No Age - Nouns

No Age- Nouns

Sub Pop / Cargo
VÖ: 09.05.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der perfekte Lärmpegel

Perfektion ist langweilig. Perfektion ist Lähmung. Vor allem aber ist Perfektion beängstigend. Wenn die Technologiehörigkeit der Menschen so weitergeht wie bisher, werden Computerprozessoren in Zukunft nicht mehr nur amtierende Schachweltmeister schlagen, sondern auch die Charts vorberechnen - falls das nicht eh schon längst so läuft. Eine grausige Vorstellung. Keine Anomalien, keine Fehler mehr. Das Resultat: ein defragmentierter, glattgehobelter, bereinigter Sound, der den Menschen, mit seinem Schweiß, seinen Pickeln und Herzrhythmusstörungen, im kreativen Schaffensprozess vom Siegertreppchen schubst.

Lasst uns also über wunderbare Fehler sprechen, über knarzende Gitarren, schnarrende Drums, schlechte Mikrofone und brutale Rückkoppelungen. Lasst uns über No Age sprechen. Wenn Gitarrist Randy Randall und Schlagzeuger Dean Spunt ihre Instrumente spielen, gibt es nur noch ein Motto: Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein. Das Duo aus Los Angeles versumpft auf seinem Sub-Pop-Debüt "Nouns" - der beeindruckende Erstling "Weirdo rippers" war nur eine Sammlung vorher veröffentlichter Singles und EPs - in den Unzulänglichkeiten seines Sound und gewinnt trotzdem auf ganzer Spur.

Ähnlich kaputt wie The Thermals auf ihrem Debüt "More parts per million", nicht ganz so übersteuert wie Times New Viking auf "Rip it off", brennen No Age in einer halben Stunde ein Noisepop-Feuerwerk nach dem anderen ab. Im Albumopener "Miner" stehen sich Gitarrenfeedbacks und Psychorasseln frontal gegenüber, bevor unerbittlich hämmernde Drums und verzerrte Gitarren den Song in Stücke reißen. Besser hätten das My Bloody Valentine auch nicht hinbekommen, und das Shoegaze-Revival geht weiter.

Mit Wucht, Herz und ordentlich Spucke verkloppen No Age ihre eigenen Melodien. "Eraser" und "Teen creeps", zwei scheppernde Lo-Fi-Hymnen, packen einen nach melodiösem Beginn sofort an den Eiern, und dröhnend wird man vor die nächste Hinterhof-Bühne gezerrt. Nicht schlecht. Doch die beiden Kalifornier packen ihre Songs keineswegs in immer gleiche Noise-Arrangements. Ihr Sound-Korsett lässt genügend Luft zum Atmen."Things I did when I was dead" präsentiert sich sphärisch und weltabgewandt, und "Keechie" erinnert mit seiner prächtigen Geräuschkulisse sogar an frühe Mogwai. Direkt im Anschluss ballern No Age einen mit "Sleeper hold", dem Übersong von "Nouns", über den Haufen. "With passion, it's true" heißt es dort. Die schwitzige Leidenschaft von No Age beisst sich mit viel Verve durch zwölf Songs, bei denen man Ausfälle vergebens sucht. Von allen Noise-Interferenzen befreit, wäre "Nouns" ein melodieverliebtes Popalbum geworden. Glücklicherweise haben sich No Age mit ihren verstimmten, rotzigen Instrumenten arrangiert. In ihrer Unvollkommenheit sind sie perfekt.

(Steffen Meyer)

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Highlights

  • Miner
  • Eraser
  • Teen creeps
  • Sleeper hold
  • Ripped knees

Tracklist

  1. Miner
  2. Eraser
  3. Teen creeps
  4. Thing I did when I was dead
  5. Cappo
  6. Keechie
  7. Sleeper hold
  8. Errand boy
  9. Here should be my home
  10. Impossible bouquet
  11. Ripped knees
  12. Brain burner

Gesamtspielzeit: 31:00 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Beo
2012-04-02 03:12:40 Uhr
9.2/10 bei pitchie, naaaja, die 8/10 auf PT passen eher.
Galli Ron Calli
2012-03-29 09:20:00 Uhr
das ist (wieder) so ein lahmer vergleich:
No age - japandroids:
"aaah,ne 2 mann band alles klar"...

japandroids sind in der tat "nur" eine konventionelle rockband ohne bassisten (Was ja auch cool ist). no age allerdings weitaus vielseitiger,"auf mehreren ebenen agierend".
Bruchpilot
2012-03-29 05:51:27 Uhr
Famose Scheibe, "Teen creeps" und "Sleeper hold" ragen heraus.
pfffffffffff
2011-03-30 07:25:17 Uhr
so gut wie Japandroids werden die in diesem leben nicht mehr
rhdf
2011-03-29 12:22:59 Uhr
no age for the win.
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