My Baby Wants To Eat Your Pussy - Ignorance & vision

My Baby Wants To Eat Your Pussy- Ignorance & vision

Ass Hammer / Cargo
VÖ: 23.05.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Zwischen Himmel und Hölle

Wer lässt sich schon gerne eine Pistole auf die Brust setzen? Besonders dann, wenn der Lauf dieser Pistole einen gefühlten Radius von hunderten Megabytes beschreibt und damit das mediale Imperium einer Art-Pop-Rock-Band umfasst? Ein kurzer Abriss: Pussymediaworld, mbwFans, MBWTV, MBWFM, MBWTIME. All dies stellt in zeitaufwändigem Umfang das Gesamtkunstwerk My Baby Wants To Eat Your Pussy dar: ein Konglomerat des lauten Aufschreis nach Aufmerksamkeit eines Mannheimer Sextetts. Ein ambitionierter, im Zeitgeist verankerter Plan, um der Welt mit Nachdruck den Namen der eigenen Band aufs Auge zu drücken.

Ärgerlich erscheint dieser Sturmlauf, wenn ausgerechnet die transportierten Inhalte viel zu kurz kommen. Mal abgesehen von den unnötigen und kindischen Beiträgen des MBWTVs, die einst von Get-Well-Soon-Kopf Konstantin Gropper moderiert wurden, oder auch der interaktiven Plattform mbwFans, wirkt diese zelebrierte Transparenz doch sehr aufgesetzt und lenkt mitunter gar vom Wichtigsten ab: der Musik. Diese müsste nach all den Vorzeichen eigentlich des Teufels Hörner und des Engels Flügel zugleich sein. Angekommen in der Realität und vor allem im CD-Player, wirkt sie dann aber doch eher zugekleistert, überbordend, fett und uferlos.

Dass die sechs Musiker allesamt in enger Verbindung mit der umstrittenen Popakademie in Mannheim stehen, sollte als Fakt betrachtet werden und bitte nicht in der Vorurteilsschmiede als Basis herhalten. Denn welche Ausbildung diese Musiker auch immer genossen haben: Ihr Handwerk beherrschen sie aufs Feinste. Dadurch sind den Stilmitteln kaum Grenzen gesetzt: Pop, Country, Blues, Folk, Doom, Elektro, Musical, Gesänge von Buckelwalen, Rock. Ein Querschnitt aus allem, was man irgendwo und irgendwann schon einmal aufgeschnappt hat.

Aus all diesen und vielen weiteren Stilen setzt sich "Ignorance & vision" zusammen. Ein Konzeptalbum zwischen Himmel und Hölle. Sänger Ziggy Has Ardeur wandelt zwischen Bowie und Mercury, spielt die Diva, spielt den Teufel. Das große Thema, das Spiel von Unschuld und Sünde, zusammengehalten von Soundkollagen und elektronischen Interludes, beherrscht das Werk. Manchmal ist das lupenreiner Pop, wie beim walzenden und rollenden "Don't tell a soul", dem sehr zurückgelehnten "Bubblebath" oder dem fidelen "Biology is a fairytale". Manchmal gibt es aber auch nur wirres Musicalgeplänkel mit musikalischer Extravaganz, so bei "Boys & girls", "Boys" oder "America". Für ein Debüt ist "Ignorance & vision" erstaunlich, gar viel zu gewaltig. Undurchschaubar. Durcheinander. Und viel zu viel.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Freezing scene
  • Biology is a fairytale
  • Wonderland

Tracklist

  1. Arduous life
  2. Boys & girls
  3. Don't tell a soul
  4. Circumstances
  5. Sahra
  6. So deep
  7. Capital letters
  8. Boy
  9. Bubblebath
  10. Peace interstellar
  11. Freezing scene
  12. Dogs run riot
  13. America
  14. Biology is a fairytale
  15. Wonderland
  16. Sate my appetite
  17. Here's another end
  18. Impressario

Gesamtspielzeit: 68:09 min.

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