Mongofünf - Im Reich der Sterne

Mongofünf- Im Reich der Sterne

Tiefdruck / Universal
VÖ: 25.04.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Bollern wagen

Irgendwie sind Mongofünf this year's Revolverheld: zwar garantiert nicht ansatzweise so erfolgreich, aber trotzdem die Band mit dem denkbar dämlichsten aller Namen. Dabei machen die fünf Kölner nicht einmal den offensichtlichen Versuch, aufgesetzte politische Inkorrektheiten aufzuwärmen, über die 1997 ein paar HipHopper noch grinsen konnten. Sie beziehen sich auf jenen fiktiven Planeten, dessen Herrscher ein gewisser Ming war, seines Zeichens Erzfeind von Flash Gordon. Um aber zu wissen, dass es noch diese Deutungsalternative gibt, müssen selbst Leute, die sich noch an die klassische Schwarzweiß-Serie erinnern, bei Wikipedia nachblättern. Also geht der Versuch, hier mit einer coolen SciFi-Fußnote zu wedeln, wuchtig daneben.

Und doch braucht die Überwindung des Zuhörers, der Band mit dem Scheißnamen eine Chance zu geben, hier nicht thematisiert zu werden. Warum? Die Zweifel lösen sich beim Erstkontakt mit "Im Reich der Sterne" verblüffenderweise in Wohlgefallen auf. Gleich der Opener "Der Superstar im Reich der Sterne" explodiert wie ein Molotow-Cocktail vor der in Skepsisfalten gelegten Stirn. Gefühlte 14,8 Rhythmuswechsel später hat man nicht nur einen Ohrwurm, sondern auch noch einen steifen Nacken und Blasen an den Füßen. Dabei hat noch nicht einmal Track zwei begonnen. Und dann besitzt Sänger Kai Sattler auch noch die Unverfrorenheit, mit einem nachgereichten kleinen Lalala die bis dahin vage System-Of-A-Down-Assoziation kokett zu zementieren.

Zwischen Gesang, Gebrüll, Gegrunze und Gesäusel muss man bei dieser Stimme ohnehin mit vielem rechnen. Und die Hintermannschaft gibt sich ähnlich entschlossen unentschlossen. Da pflügen zentnerschwere Riffs durch die Songstrukturen und lassen den Gehörnerv auf den nächsten Hook zu taumeln, da kippt die Richtung des Songs unter dem Dauerbeschuss durch Schlagzeug und Bass und findet doch immer das Ziel. Die Art und Weise wie "Blinde auf der Seite des Feuers" oder "Gott schütze die Stereotypen" bei aller knüppelharten Schale ihren melodiösen Kern erst so richtig aufblühen lassen, nötigt Respekt ab.

"Die Hure Europa" knallt dem alten Kontinent den Vorwurf auf den Tisch, sich die Teilzeitverweigerung gegen über dem Cowboytum nur einzubilden, und dreht George W. Bushs berühmtestes Post-9/11-Zitat einfach um. Das grimmige "Emolotion" reibt sich zu zerhackten Grooves und schabenden Dissonanzen mit Gefühlen ein, bei "La cosa nostra" steckt ein Kinderchor im Auge des Wirbelsturms, und "Kein egal aber" deliriert zwischen überkandidelter Kopfstimme und fröhlichem Berserkertum. Eingebettet sind die schwermetallischen Aufmerksamkeitsdefizite in hochcodierte Texte, die sich sowohl vom Zorn auf die Politik, von extremen Zwischenmenschlichkeiten als auch von augenzwinkernder Selbstüberschätzung antreiben lassen. "Im Reich der Sterne" macht dabei regelmäßig kurz vor der immer einkalkulierten Überforderung Halt. Der Schaum vor dem Mund entpuppt sich als schiefes Grinsen. Das ist keine Grimasse, sondern berechtigter Spott. Über die Kneifer und Zauderer, über die betroffenen Heuchler und die, die sich gleich ganz verleugnen lassen. Es darf wirklich gerne jemand anderes peinlich berührt sein.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Der Superstar im Reich der Sterne
  • Emolotion
  • La cosa nostra
  • Die Hure Europa

Tracklist

  1. Der Superstar im Reich der Sterne
  2. Blinde auf der Seite des Feuers
  3. Gott schütze die Stereotypen
  4. Stenorette 2000
  5. Leben sein gut
  6. Die Liebe im Zo
  7. In girum imus nocte et consumimur igni
  8. Emolotion
  9. Die Visionen des Leo Strauss
  10. La cosa nostra
  11. Medizin
  12. #0$€@
  13. Die Hure Europa
  14. Sommer 2.0
  15. Kein egal aber

Gesamtspielzeit: 40:50 min.

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