The Freeks - The Freeks

The Freeks- The Freeks

Cargo
VÖ: 23.05.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Emily spielt härter

Üblicherweise dient Namedropping in einer Rezension ja vor allem dazu, das überdurchschnittliche Wissen und den guten Geschmack des Schreibers in Szene zu setzen. Deshalb gilt es auch als unfein und eitel und sollte zum Wohle des guten Stils vermieden werden, zumal es den Leser ja eher langweilt. Mögen andere die Pressemitteilungen der Promoter abtippen und sich von Namen blenden lassen, wir bei plattentests.de hören nur auf das was zählt: die Musik. Immerhin ist "The Freeks" nichts weiter als das Debütalbum einer Band mit mäßig inspiriertem Namen und einer bislang eher mageren Schaffensbilanz. Ein Samplerbeitrag in zwei Jahren ist nicht grade fleißig.

Für das erste Album haben sich die Faulenzer dann aber doch mal recht ordentlich zusammengerissen. Gleich nach dem Intro, das die ganz alten Pink Floyd auf den Plan ruft, kommen Gedanken an Monster Magnet in der "Superjudge"-Phase auf, wobei aber zunächst die Tastenabteilung der Freeks die Oberhand behält und ein paar sehr interessante Keyboard-Duelle hören lässt. Die Band taumelt dann scheinbar ziellos zwischen derbem Stonerrock und filigranem Syd-Barrett-Psychedelic hin und her. Wenn der Hörer realisiert, dass es sich hierbei um eine ausgeklügelte Pendelbewegung handelt, ist es schon zu spät: Die Hypnose wirkt bereits, und der Strudel der bewusstseinserweiternden Klänge zieht einen magisch zur Mitte der Musik.

Spätestens jetzt können The Freeks mit den Hörern anstellen, was sie wollen. Erst werden sie in zuckersüße Akkorde gepackt, dann mit dissonantem Feedbackgetöse überschüttet und in Abgründe aus synthetischen Sounds geschleudert. Der Trip ist grellbunt, die Farben fließen ineinander und hören sich weich an mit einer Duftnote von scharfem Curry. Das auf und ab der Tongebilde reizt das Auge und stellt das Gleichgewichtsorgan auf eine harte Probe. Haltlos taumelnd stürzt man auf eine Wand aus Klang zu, die die Haut beim heftigen Aufprall ganz sanft streichelt. Dafür, dass das alles nur auf die Ohren zielt, ist die Sinneserfahrung ziemlich umfassend.

The Freeks definieren den Begriff der psychedelischen Musik sicher nicht neu. Aber sie zeigen, dass die alte Definition von 1967 durchaus noch gültig ist und mit einer wohl bemessenen Dosis Härte auch heute noch zum Leben erweckt werden kann. Die gut 4 Dekaden, die einige Ideen auf "The Freeks" auf dem Buckel haben, hört man dem Album jedenfalls nicht an. Jahre verlieren angesichts der Zeitlosigkeit dieser Platte auch rapide an Bedeutung. Eher sind Begriffe wie Können, Übung und Erfahrung wichtig. Und davon hat diese jungebliebene Band reichlich zu bieten.

Ach: The Freeks sind übrigens Ruben Romano (Nebula, Fu Manchu), Scott Reeder (Kyuss), John McBain (Monster Magnet, Wellwater Conspiracy), Jack Endino (Produzentenlegende), Isaiha Mitchell (Earthless), Lorenzo Woodrose (Baby Woodrose), Jason Corbin (Bartenders Bible), John Cobbett (Ludrica) und Bernie Worrell (Funkadelic, Parliament). Ist nicht wichtig, sollte der Vollständigkeit halber aber erwähnt werden. Denn wir bei Plattentests.de zählen ja auch gerne mal auf, was man so hört.

(Rüdiger Pater)

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Highlights

  • It is written
  • The go-go get
  • Lunette
  • Invasion of the earthworm (Uncle Jack's last freek out)

Tracklist

  1. Hellacopter drop
  2. Lost and never found
  3. It is written
  4. Look ahead
  5. Excuses
  6. Descent of the yellow chrysalis
  7. The go-go get
  8. At the station
  9. Coming on
  10. The tribal council adjourn
  11. Lunette
  12. Basque in the splendor
  13. Tillbacks Till Stockholm
  14. Absorb
  15. Invasion of the earthworm (Uncle Jack's last freek out)
  16. Dance of the moth queen

Gesamtspielzeit: 53:37 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Raventhird
2008-05-21 02:08:57 Uhr
Danke für die schöne Rezension @Rüdiger. Aber 8/10 finde ich dann trotz der eindeutig vorhandenen Qualitäten der Platte etwas zu hoch gegriffen (die Tatsache, dass die keinen richtigen Sänger finden konnten, irritiert doch, weil die Vocals einfach nicht ideal sind [Dave Wyndorf, der müsste noch dabei sein, dann wäre es eine 9]).
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