Vivid - Auto all

Vivid- Auto all

Virgin / EMI
VÖ: 25.06.2001

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Unterm Duftbäumchen

Gar nicht lange ist es her, daß ganz Pop-Deutschland die Zeilen "And still they wanna know-oh-oh-oh" inbrünstig mitjauchzte. Sanft war die Stimme und zartbitter die Melodie. Vivid, Anfang 1998 noch fast unbekannte Newcomer aus Salzgitter, meldeten mit ihrem sonnigen Debütalbum "Go!" und der Hitsingle "Still" ihren Anspruch auf die Tabellenführung der Nachwuchsrunde eindringlich an. Die beseelte Stimme von Thomas Hanreich sorgte für den Popschmelz, während der Rest der Mannschaft mit den Drumloops darum stritt, wer denn Herr im Hause Vivid sei. Die aufkommenden Vorwürfe, Hanreichs Stimme wäre allzu sehr an die eines gewissen Eddie V. aus S. angelehnt, wischte alsbald der Zweitling "Sundown to sunrise" weg. Alles, was auch nur beiläufig an muffigen Rock erinnern könnte, wurde mit chartskompatiblen Duftbäumchen aus dem Viersitzer vertrieben.

In der zartschmelzenden Tradition von "We have" und "Off we go" steht nun auch "Easy", die eine Vorabsingle des neuen Albums. Aber die zuletzt vor den kritischen Ohren des Pop-TÜVs versteckten, alten Leidenschaften der Salzgitteraner kratzten sich rechtzeitig zum neuen Studiotermin doch wieder durch den Lack. So werfen Vivid auch gleich noch eine zweite Single unters Volk. "Smash" heißt sie und scheppert gar aufreizend vor sich hin. Wer eine Gitarre unfallfrei in der Hand hält, will halt auch mal lärmen. So dreht Klampfer Matthias Kloß seinen Verzerrer bei Songs wie "Warp drive" oder "When I was you" so sehr auf, daß man ihn sogar hören kann. Dennoch hat selbst der Krach auf "Auto all" stets den vorschriftsmäßigen Sicherheitsgurt angelegt. Man will es sich ja schließlich nicht mit der Dezibel-Polizei verderben.

Um Schwiegermütter und Nachbarn ob solcher Ausritte wieder zu versöhnen, gibt es auch gleich wieder blütenweißen Pop im preisbewußten Familienpack. Die Vivid Ultra Megaperls sind doppelt konzentriert, kleben nicht in den Zahnzwischenräumen und duften selbstverständlich ganzjährig aprilfrisch. Und während sich das schwelgende Herz gar nicht entscheiden kann, ob denn nun "Do you want me", "Ballade 55" oder "All these things" romantischer geklaut - pardon: entlehnt - ist, definieren sich Vivid gleich mal eben eine ganz eigene Schublade: Kuschelcore - demnächst auch in Ihrem weichgespülten Formatradio.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Smash
  • Easy
  • Warp drive

Tracklist

  1. Smash
  2. Here
  3. Easy
  4. Do you want me
  5. Everything and nothing
  6. All these things
  7. 10000
  8. Warp drive
  9. Wholehearted
  10. When I was you
  11. Ballade 55

Gesamtspielzeit: 51:38 min.

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