Born Ruffians - Red, yellow & blue

Born Ruffians- Red, yellow & blue

Warp / Rough Trade
VÖ: 23.05.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

The most obscene republic

Manche Leute glauben, ein Volvo sei langsam. Born Ruffians wissen: Schnell sein lohnt sich ohnehin nicht. Seit fast zwei Jahren klammert sich die Band aus Toronto schon am linken Bein des nordamerikanischen Indierocks fest, ihr Debütalbum aber erscheint erst jetzt, und natürlich hätte gar nichts Besseres passieren können. 2006 waren die Leute schließlich noch damit beschäftigt, sich an die beispiellos nölige Stimme von Alec Ounsworth (Clap Your Hands Say Yeah) zu gewöhnen - heute sind sie angefixt und kriegen gar nicht menr genug von Bands, die ihre Lieder mutwillig zerknüllen und dann drüber singen, als sei ihnen der Verdauungsschnaps zu Kopf gestiegen. Prima Voraussetzungen also für Born Ruffians. Da kann man schon mal einen Schritt weiterdenken und gleich seine eigene Indierock-Republik gründen.

"Red, yellow & blue", das Lied, legt vorneweg die Farben der Staatsflagge fest und liefert plausible Erklärungen mit. Die Musik dazu scheint nie ganz aus dem Quark zu kommen, eiert um ein paar lose Gitarrentöne oder Anfänger-Percussion-Tricks und wehrt sich gegen dreistimmige Gesänge, die während des ganzen Albums nach den Futureheads mit mittelernster Bronchitis klingen. Der Charme des Unfertigen aber, der ist sofort da, die Putzigkeit des Unbeholfenen vom ersten Akkord an bester Freund der Born Ruffians. Später erst wird man merken, dass eine überraschende Frühreife in den Texten des 21-jährigen Frontmanns Luke Lalonde steckt. Egal, ob er seine ganz persönliche Staatenlehre mit einem eingebildeten Innenminister ausdiskutiert, sich von einem Rudel Füchse die Liebe erklären lässt oder Lieder über Kurt Vonnegut schreibt, die nichts mit Kurt Vonnegut zu tun haben - Worte fallen ihm leicht, mit Worten kann er umgehen.

Ins Schwitzen geraten Born Ruffians aber auch wegen ihrer Songs nicht gerade. Schon "Barnacle goose" und "Hummingbird" überbieten sich in der ersten Startreihe mit Unbeschwertheiten; beide Songs definieren den Sound der Band zwischen verschlunzter Beiläufigkeit und hintersinniger Vampire-Weekend-Präzision, ohne den nötigen Raum für Ausreißer zuzustellen. "Red elephant" kann sich deshalb in fünf verbohrte Minuten reinsteigern, ohne am Ende aus dem Album zu fallen, "I need a life" seine Call-and-response-Spielchen mit bemerkenswerter Hirnverbranntheit durchziehen und "Little garcon" zu Akustikgitarren und Mundharmonika eine Bob-Dylan-Playmobil-Figur designen. Für Lalonde nicht mehr als ein Nebenjob - in erster Linie bleibt er Präsident seiner eigenen Republik und überlegt wahrscheinlich gerade, ob man den Nationalfeiertag nicht an eine Nacktbadepflicht für Frauen unter 30 koppeln könnte.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Barnacle goose
  • Hummingbird
  • I need a life
  • Kurt Vonnegut

Tracklist

  1. Red, yellow & blue
  2. Barnacle goose
  3. Hummingbird
  4. I need a life
  5. Little garcon
  6. Badonkadonkey
  7. Foxes mate for life
  8. Hedonistic me
  9. In a mirror
  10. Kurt Vonnegut
  11. Red elephant

Gesamtspielzeit: 39:24 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
90ty
2008-12-06 21:30:49 Uhr
Wieso? Eigentlich klingt die Rezension doch recht positiv. Nunja, dass die Band zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, hätte als Einleitung nicht nötig sein müssen. Damit längt man ein bisschen davon ab, dass die Band recht großartig klingt!

Ich würde sogar eine 8,5/10 geben, hat sich bisher noch nicht abgenutzt und Songs wie "Barnacle Goose" sind Hits. Erinnert mich an Tapes 'N Tapes und das ist sehr gut so!
Gordon Fraser
2008-12-03 07:53:02 Uhr
"Little Garçon" ist auch mein persönliches Highlight, aber der Rest muss sich gar nicht dahinter verstecken. Durchweg hohes Niveau bei den Songs.
Insofern auch eine Rezension hier, die der Platte nicht gerecht wird.
koe
2008-12-02 22:38:11 Uhr
Kann ich aber trotzdem verstehen. Da hast du wahrscheinlich nicht ganz Unrecht.
Holz
2008-12-02 21:35:17 Uhr
Hab ich? Mag sein,
will ich eigentlich gar nicht außschließen. Trotzdem kann ich nicht leugnen, dass Vampire Weekend auf mich snobistisch wirken.
koe
2008-12-02 21:23:55 Uhr
Ich glaub mit dem "Louis-Vitton-Snobismus" hast du darrr was falsch verstanden.
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