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Paula - So wie jetzt

Paula- So wie jetzt

Exzess Berlin / Rough Trade
VÖ: 16.05.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Amsel, Drossel, Fink und Star

Am Anfang steht eine dieser moralinsauren "Dürfen die das?"-Fragen, wie sie sonst nur die Zeitung mit den vier Blockbuchstaben stellt: Will man als Plattenkäufer wirklich wissen, von welcher Marke die Klamotten stammen, die da auf dem Cover getragen werden? Immerhin lässt sich aus der Information, woher Elke Brauweilers neuer Kapuzenpulli stammt, schon vor dem ersten Hördurchgang schließen, dass Paula immer noch keinen konsumkritischen Hardcore-Punk machen, sondern nach wie vor gefälligen Plastikpop. Fettfreie Laptoprhythmen, zu denen man beim Anrühren der Speisen für das perfekte Promidinner fröhlich pfeifend durch die Einbauküche gleiten kann. Dazu die trällernde Mädchenstimme plus Texte über Zweisamkeitsprobleme, die wie die gereimte Zusammenfassung der Lifestylekolumne einer Frauenzeitschrift anmuten. Und selbst Brauweiler und den nur noch im Hintergrund mitwirkenden Berend Intelmann wird man fragen dürfen, ob es als Popband ausreicht, immer nur joghurtleicht zu klingen.

Zunächst einmal jedoch quillt "So wie jetzt", das mittlerweile fünfte Paula-Album, über vor eingängigen Melodien und wirkt absolut frisch und tanzbar. In "Zurück an den Anfang" klopft eine energische Bassdrum eine fordernde Pianofigur weich und Brauweiler stellt die Uhren wieder auf Null, um noch einmal ganz von vorne anzufangen: "Ich möchte zurück an den Anfang / Ich möchte zurück – wo alles begann …". "Warum hab' ich so lange gewartet" überrascht mit synkopiertem Beat, "Hier und nicht woanders" pfeift, hoppelt, summt und klatscht sich in den Frühling hinein, während "Aus verschiedenem Holz" den Himmel voller Geigen hängt. Der Prototyp all dieser Songs ist das Titelstück, das auf einem pluckernden Synthiebass die Glückswelle absurft: "So wie jetzt kann es immer sein / Zum Glücklichsein brauche ich keinen / Auf und ab und hin und her / Heute leicht und morgen schwer".

Positiv und beschwingt wirkt das, aber wenn man ehrlich ist, klingt "Tri-tra-trulala" auch nicht großartig anders. Zumal ein Refrain wie "Wann? / Wann kommen wir endlich an? / Das dauert mir zu lang!" nach der gefühlten 25. Wiederholung zur ungewollten Selbstkarikatur zu werden droht. Mit der seifigen Ballade "Voyager dans la tête", für die Brauweilers dünnes Stimmchen einfach nicht ausreicht, und dem überflüssigen Canned-Heat-Cover "On the road again" sind zudem zwei Stücke enthalten, die das Album länger, aber nicht besser machen. Ein typisches Paula-Album ist "So wie jetzt" also geworden, auf das auch "Als es passierte", ihr immer noch einziger Hit, prima gepasst hätte. Voller sommerleichter Rhythmen und bunter Soundideen. Aber wie das nun mal so ist mit ewig süßen, hübschen Mädchen. So gerne man sie anschaut und sie plappern lässt, so sehr wünscht man sich doch auch, dass sie zwischendurch aufhören mit dem Gezwitscher. Und einfach mal laut rülpsen.

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • So wie jetzt
  • Hier und nicht woanders

Tracklist

  1. Zurück an den Anfang
  2. Warum hab' ich solange gewartet
  3. So wie jetzt
  4. Lass es raus
  5. Hier und nicht woanders
  6. Voyager dans la tête
  7. C'est comme-ça
  8. Entscheide Dich!
  9. Wann
  10. Aus verschiedenem Holz
  11. Viel versprochen
  12. Bergab
  13. On the road again

Gesamtspielzeit: 51:29 min.

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