Madrugada - Madrugada

Madrugada- Madrugada

Malabar / Stageway Talent / Rough Trade
VÖ: 09.05.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das dicke Ende

John Lennon sang bekanntlich einmal: "Life is what happens to you while you're busy making other plans." Und hatte damit vermutlich Recht. Dumm nur, dass es sich mit dem Tod genauso verhalten kann. Einer der jüngsten tragischen Belege hierfür ist das Ableben von Madrugada-Gitarrist Robert Burås, der vergangenen Sommer in seiner Wohnung mit Instrument im Arm tot aufgefunden wurde. Es wäre nun pietätlos, von Glück im Unglück zu sprechen, aber Burås war immerhin noch so viel Zeit geblieben, um mit seinen beiden Mitmusikern den Großteil eines neuen Albums aufzunehmen. Es hatte gut ausgesehen für Madrugada in den letzten Jahren. Dem krude flackernden Neon-Rocker "Grit" folgte mit "The deep end" ein betörendes Breitwand-Album mit Songs, die man manchmal gar mit R.E.M. verwechseln durfte. Ihre Charterfolge hatten die Band zumindest in ihrer skandinavischen Heimat zu Stars gemacht. Und mit dem fünften Studioalbum sollte alles noch viel besser werden.

Angesichts einer nachträglich so schicksalhaft aufgeladenen Platte ist man spontan nur zu gerne bereit, das zu glauben. Vielleicht sollte man die Sache aber auch eine Spur nüchterner betrachten und einfach feststellen: "Madrugada" gehört sicher zu den besten Alben der Norweger. Es hat alles, wofür man die Band auch hier schätzen wird: die düsteren, ausufernden Rocksongs mit Twang-Gitarre und wuchtiger Produktion. Die psychotischen Blues-Wühler, auf denen Sivert Høyem seine Dämonen gleichzeitig umarmt und exorziert. Eine Ambivalenz, die gerade in den neuen Songs überdeutlich zum Ausdruck kommt: Erschöpfender als bei "Whatever happened to you?" und "What's on your mind?" hat Høyem die großen Unbekannten von Emotion und Zwischenmenschlichkeit jedenfalls selten erörtert. "Look away Lucifer" hebt zunächst "nur" als beschwörendes, akustisches Mantra an, doch nach der Hälfte platzen bösartige Gitarren in das intime Zwiegespräch mit dem Leibhaftigen, der natürlich nicht weggeguckt hat. Und das ist der Moment, in dem man sich - ungeachtet Høyems sonorer Gesangspräsenz und der gemeinschaftlich komponierten Songs - zu fragen beginnt, wie das in Zukunft ohne Burås eigentlich weitergehen soll mit Madrugada.

Zudem nützt es leider auch gar nichts, zu konstatieren, dass "Madrugada" auch seine weniger starken Seiten hat und sich gegen Ende in die etwas seichteren Gewässer seines Blues-Sumpfes zu retten versucht. Denn es gibt immer noch den letzten Song. Der heißt hier "Our time won't live that long" und wird ausgerechnet von Robert Burås im Alleingang bestritten. Ein herzzerreißendes, folkiges Liebeslied mit zuerst überschwappender, dann im Hall ertrinkender Stimme, bei dem der Titel und eine Zeile wie "Don't know when they put me in the ground" selbstverständlich metaphorisch gemeint sein werden. Dennoch lässt die Tatsache, dass die Realität das Stück inzwischen folgenschwer eingeholt hat, dem Hörer die Haare höher zu Berge stehen als die gesamten 40 Minuten zuvor. Ein erschütternder Schlusspunkt eines tadellosen Albums, das hoffentlich nicht Madrugadas letztes bleiben wird. Jetzt erst recht nicht.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Whatever happened to you?
  • Look away Lucifer
  • Our time won't live that long

Tracklist

  1. Whatever happened to you?
  2. The hour of the wolf
  3. Look away Lucifer
  4. Honey bee
  5. New woman/New man
  6. What's on your mind?
  7. Highway of light
  8. Valley of deception
  9. Our time won't live that long

Gesamtspielzeit: 48:02 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
hey du
2010-12-19 21:36:50 Uhr
schon ewig aufgelöst
bee
2010-12-19 21:15:43 Uhr
wat is nu - kommt von denen nochmal was?
Winterstorm
2009-11-15 19:27:05 Uhr
Madrugada scheint es wohl defintiv nicht mehr zu geben, dafür neues Solo-Material von Sivert:

Anspieltip: Shadows_High Meseta

http://www.siverthoyem.com/
Raventhird
2009-03-28 19:27:51 Uhr
Look away Lucifer 7/10

Weiter lese ich nicht ;). Komplette Unterbewertung eines ihrer besten Songs.
stativision
2009-03-28 16:28:53 Uhr
in etwa so ist meine einzelwertung:

Whatever happened to you? 9/10
The hour of the wolf 7/10
Look away Lucifer 7/10
Honey Bee 8/10
New Woman, new Man 7/10
What´s on your mind 8/10
Highway of light 7/10
Valley of Deception 7/10
Our Time won´t live that long 7/10
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