Bell X1 - Flock

Bell X1- Flock

BellyUp / ADA / Rough Trade
VÖ: 25.04.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Tönerne Füße

Es kommt ohnehin keine Rezension über eine Band aus Irland ohne die Zeichenkombination "U2" aus. Also kann man damit nicht nur gleich anfangen, sondern auch noch den Namen "Coldplay" fallen lassen, der ja auch immer wieder gezückt wird, wenn es um sanftmütige Rockmusik geht. Dass man mit solch groben Vergleichen Bands wie Bell X1 eher Unrecht tut, kümmert kaum jemanden. Hat hierzulande überhaupt jemand etwas von Platten wie "Music in mouth" oder der großartigen Resignationshymne "Tongue" mitbekommen? Nur ein Schelm würde das jetzt in einen Zusammenhang mit einer Musikwirtschaft setzen, in der das dritte Album der Iren in Deutschland erst mit dreijähriger Verspätung nachgereicht wird.

Die vier Iren nehmen das alles mit einer gehörigen Portion Galgenhumor. Mit Geklingel und Georgel machen sie aus "Rocky took a lover" einen süffigen Guten-Morgen-Schunkler, der sich aber schnell den Schlaf aus den Augen reibt und ein paar Schattenseiten entdeckt. "If there was a God, then why is my arse the perfect height for kicking?" Auch der federnde Groove von "Flame" hat so seine Zweifel an den Freuden der Liebe, doch beim salbungsvollen "Eve, the apple of my eye" ist es gerade das ewige Hin und Her, das das Herz hüpfen lässt. Das ist auch in der gegenüber "Music in mouth" aktualisierten Fassung ganz der zaghafte Optimismus der mittleren Nuller, der sich auch dann noch erfreulich anhört, wenn sich der Zeitgeist schon wieder weiterentwickelt hat.

Dass zu einer früheren Inkarnation der Band namens Juniper einmal ein gewisser Damien Rice gehörte, fühlt man in den tiefgehenden Emotionen von Paul Noonans Stimme. Rice' ehemaligen Kollegen hingegen trauen sich auch mal ein paar schiefe Synthesizer, wallende Streicher und kullernde Rhythmen. Sie packen eher zu und krempeln sich die Ärmel für kreiselnden Rock wie "He said she said" oder das dramatische Finale des bitteren "Lamposts" hoch. Denn, ganz metaphorisch gesprochen, würde Noonan für einen guten Song sogar seinen Erstgeborenen opfern.

Mit den bildreichen Texten können zwar nicht mehr alle der formschönen Songs mithalten, aber was können Bell X1 schon dafür, dass "Flock" bereits drei Jahre auf dem Buckel hat? "Bigger than me" klatscht aufrecht in die Hände, "Bad skin day" hadert mit seiner hübschen Melodie, und Noonans milder Vortrag beschreibt den inneren Aufruhr der jungen Weltverbesserin "Natalie" mit Weisheit. "History is written by the winners / And I want my say." Darum ist in "Reacharound" auch Platz für gerechten Zorn und überhaupt reichlich Raum für seliges Moll. In ihrer Heimat und sogar in Übersee konnten Bell X1 so zunehmend Freunde gewinnen. Dem hierzulande deutlich weniger lukrativen Schicksal von JJ72, The Frames oder Royseven werden die Iren aber mit "Flock" kaum entkommen können. Es ist das alte Lied: Wäre die Welt gerecht, entginge ihr so manche schöne Klage.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Rocky took a lover
  • Bigger than me
  • Bad skin day
  • Lamposts

Tracklist

  1. Rocky took a lover
  2. Flame
  3. Eve, the apple of my eye
  4. My first born for a song
  5. Bigger than me
  6. Bad skin day
  7. Natalie
  8. Reacharound
  9. Just like Mr Benn
  10. He said she said
  11. Trampoline
  12. Lamposts

Gesamtspielzeit: 55:41 min.

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