Santogold - Santogold

Santogold- Santogold

Lizard King / Rough Trade
VÖ: 09.05.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Bauchladen

Werbung für ein amerikanisches Dünnbier mit Limegeschmack, Werbung für Haarpflegeprodukte und einige Songs Teil der Videospiele "FIFA 08" und "NHL 08". Dazu ein Name, der sich von einem absurd schlechten Infomercial aus den 80ern ableitet, in dem ein gewisser Santo Rigatuso Werbung für einen Film über außerirdische Kannibalenwrestler mit Werbung für einen Billigjuwelen-Mailorder namens Santo Gold verknüpft. Wären das die einzigen Einträge im Werkportfolio von Santi White alias Santogold, man käme auf den ersten Blick kaum auf die Idee, hier würde definiert, wie Popmusik 2008 zu klingen hat. Anders sieht es aus, wenn man sich anschaut, wer auf Santogolds selbstbetiteltem Debütalbum so alles mitgewirkt hat: Diplo, Spank Rock, Disco D, Switch, Sinden und FreQ Nasty. Das verspricht Bouncebeats und wüste Experimente der Marke M.I.A., in denen zusammengebracht wird, was noch nie zusammengehört hat, aber plötzlich so klingt, als wäre das schon immer so gewesen. Trotz hörbarer Verwandtschaft - insbesondere bei der Single "Creator" - sollte man sich aber nicht zu sehr auf diese Referenz versteifen, da Santogold zwar einen ähnlich eklektizistischen Ansatz verfolgt, aber auf Albumlänge weit weniger nach Block-Party-Grime als nach mitsingbarem Pop klingt.

Geradlinige Rocksongs wie "You'll find a way" oder "Say aha" etwa wird man im Werkkatalog von M.I.A. vergeblich suchen. Hier macht sich eher Whites Vergangenheit als Frontfrau bei der Punk-New-Wave-Reggae-Band Stiffed bemerkbar. Aber auch bei diesen vergleichsweise konventionellen Tempoklopfern gibt es intelligent versteckte Sounds zu entdecken. So bremsen in "You'll find a way" plötzlich vorbeiwabernde Dubfahnen den treibenden Basslauf auf Schrittgeschwindigkeit, während in "Say aha" erst im Hintergrund 80er-Billo-Synthies herumquängeln, ehe auch hier Reggae-Fanfaren zusammen mit ein paar Spacegeräuschen eine Auszeit nehmen. Sehr viel groovender mit pluckerndem Bass und Handclaps gibt sich zu Beginn das großartige "L.E.S. artistes", ein Song über die aufgeplusterten Pseudo-Künstler auf Manhattans Lower East Side. Erst "Shove it" steht dann doch zusammen mit Spank Rock auf einer jamaikanischen Straßenbühne und feiert mit verhallten Fanfaren und den Handclaps der ganzen Crowd eine vernebelte Dubreggaeparty.

Mit "Creator" kommt dann der Monstertruck zum Einsatz, der mit Krächzstimme und wildem Fiepsen den Grime von der Leine lässt. "My Superman" muss sich da erst einmal in einem Agentenfilm erholen und huscht mit hochgeklapptem Kragen durch nächtliche Straßen. "Lights out" paart luftig wie Air-Schokolade die Pixies mit den Pretenders: "Lights out / We'll make it easy". Die Pixies kommen dann gleich noch einmal im lässigen "I'm a lady" mit dem Basslauf aus ihrem "I bleed" zum Einsatz, während "Anne" in Richtung "Here comes the rain again" von den Eurythmics schielt. Und dass sich auch aus "You'll find a way" noch eine derbe Modeselektor-Nummer zaubern lässt, zeigt der Remix von Switch und Sinden am Ende des Albums, der schon im letzten Jahr zu den Lieblingstracks von Björk gehört haben soll.

Dem Puls der Zeit am nächsten ist Santogold denn auch in eben diesen Grimetracks, die wie Godzilla durchs Wohngebiet steppen und sich aus den Fensterscheiben und den Eisenträgern der zermatschten Gebäude eine schöne Sonnenbrille basteln. Was jedoch nicht heißen soll, dass die Pop-Momente auf "Santogold" nicht ebenso viel Laune verbreiteten. Einen zwitschernden Refrain wie in "Lights out" muss man ja auch erst mal unfallfrei hinbekommen, ohne dass das Publikum sich fremdschämt oder mit Eiern wirft. Santi White bringt das alles mit Bravour unter einen Hut und hat im Gegensatz zu ihrem Namensgeber nur eines im Bauchladen: echtes Gold.

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • L.E.S. artistes
  • Shove it (feat. Spank Rock)
  • Creator (feat. Switch and FreQ Nasty)
  • I'm a lady

Tracklist

  1. L.E.S. artistes
  2. You'll find a way
  3. Shove it (feat. Spank Rock)
  4. Say aha
  5. Creator (feat. Switch and FreQ Nasty)
  6. My superman
  7. Lights out
  8. Starstruck
  9. Unstoppable
  10. I'm a lady (feat. Trouble Andrew)
  11. Anne
  12. You'll find a way (Switch & Sinden remix)

Gesamtspielzeit: 41:27 min.

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  • Santogold (61 Beiträge / Letzter am 01.01.2010 - 16:45 Uhr)