The Roots - Rising down

The Roots- Rising down

Def Jam / Universal
VÖ: 25.04.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Arschtrittmaschine

Im Prinzip ist die Sache dumm gelaufen mit The Roots und Plattentests.de. Wir haben gerade angefangen, ihre Alben zu rezensieren, als sie damit aufgehört haben, wirklich aufregende Alben zu machen. "The tipping point" (wieder)entdeckte 2003 zwar auf sehr körpernahe Weise die Verwandtschaft der Roots-Musik zum klassischen 70er-Jahre-Soul, und "Game theory" erwies dem früh verstorbenen HipHop-Produzenten Jay Dee mit kleiner Träne im Baggypant-Knopfloch die letzte Ehre. So lichterloh wie vorher auf "Phrenology" brannten Bäume, Tracks und Afros aber nicht mehr. Daran ändert sich auch mit "Rising down" nur wenig - obwohl The Roots den Blick zurück diesmal immerhin auf jene aggressive Schlagfertigkeit und trockene Schnörkellosigkeit richten, mit der sie vor 20 Jahren aus Philadelphia herausexplodiert sind.

"Rising down" hätte eine riesige Battle-Rap-Platte werden können, wenn sich The Roots denn noch für so etwas Triviales wie Battle-Rap begeistern könnten. Die Beats sitzen enger denn je, werden unerbittlich verfolgt von ?uestloves notorischer Arschtrittmaschine, die früher mal ein Schlagzeug war, und verlassen sich bei ihren Fluchtversuchen mehr auf Geschwindigkeit und gerade Linien als auf clever gewählte Umwege. Die Interludes dazwischen sind die überfahrenen Stoppschilder der Platte. Voller Flüche, Sticheleien und kleiner Belehrungen, aber letztlich weniger schlecht für den Flow von "Rising down", als man anfangs glauben möchte. Selbst ?uestlove muss irgendwann mal ruhen. Bisher galt das ja nicht als gesichert.

Jetzt wird es zur Gewissheit, dank einer Platte, die ansonsten vor allem das Gegenteil von Besinnung, Gemütlichkeit und Runterkommen auszeichnet. Das Titelstück mit Mos Def wirkt da zunächst wie das Zusammenschrauben der Waffen, die anschließend gezückt werden; seine nett gemeinten Klima- und Weltwahnsinnsbotschaften werden schnell übertönt vom Rappeln im Karton der folgenden Dreiviertelstunde. The Roots wollen Gott am Telefon - ob der sich aber vom höhnisch zugedröhnten, mit Scratches zersetzten "Get busy" rund machen ließe, ist eine Frage, die diesmal nicht mitverhandelt wird. Es ist nicht die Zeit der guten Gespräche. Und "Rising down" funktioniert ohnehin am besten, wenn man es als Ausstandsfete für Gottes verlängerten Arm im Weißen Haus begreift.

Selbst die kleinen Kniffe und Knicke passieren diesmal vor allem an der Oberfläche der Tracks. "75 bars" unterbricht in Black Thoughts letzter, gewohnt atemloser Strophe mehrmals effektiv den Beat, und "Criminal" leitet seine wirtschaftswissenschaftliche Hookline durch kurzes Runterkühlen ein. "I will not apologize" geht mit Rohrfrei gegen verstopfte Trompeten-Fanfaren vor, und "I can't help it" hat die zielsichersten Schlagzeugfills, die man mit Schaum vorm Mund noch spielen kann. Selbst wenn The Roots schon heimtückischer als hier getrickst haben, lassen sie ihr neuntes Album aber nie zur reißerischen Plakatwand verkommen. Was ihm fehlt, ist höchstens ein echter Hit, wie sie ihn ironischerweise zuletzt mit "The seed 2.0" auf dem komplizierten "Phrenology" hatten. Das 2002er-Werk bleibt bis auf weiteres ihre letzte experimentelle Platte - und ebenso die letzte, die hier nicht behandelt wurde. Shame on you, Plattentests.de!

(Daniel Gerhardt)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Get busy
  • 75 bars (Black's reconstruction)
  • I will not apologize
  • Rising up

Tracklist

  1. The pow wow
  2. Rising down (feat. Mos Def & Styles P)
  3. Get busy (feat. Dice Raw & Peedi Peedi)
  4. @15
  5. 75 bars (Black's reconstruction) (feat. Tuba Gooding Jr.)
  6. Becoming unwritten
  7. Criminal (feat. Saigon & Truck North)
  8. I will not apologize (feat. Dice Raw & Porn)
  9. I can't help it (feat. Mercedes Martinez, Malik B, Dice Raw & Porn)
  10. Singing man (feat. Truck North & Dice Raw)
  11. Unwritten (feat. Mercedes Martinez)
  12. Lost desire (feat. Talib Kweli & Malik B)
  13. The show (feat. Common & Dice Raw)
  14. Rising up (feat. Chrisette Michelle & Wale)
  15. Birthday girl

Gesamtspielzeit: 53:27 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
met
2008-04-29 12:07:11 Uhr
apologize verleitet mich zum skippen, es langweilt mich, tut mir ja leid

fühlte mich schon schuldig, als ich gestern las, dem apfel ginge es nicht aus dem kopf
arnold apfelstrudel
2008-04-29 12:06:43 Uhr
So langsam ists vielleicht nervig, dass ich hier die ganze Zeit poste, aber das hier könnte für viele von Interesse sein. Das ganze Album kann man sich hier legal anhören:

http://3voor12.vpro.nl/speler/luisterpaal/39532200
arnold apfelstrudel
2008-04-29 11:50:53 Uhr
7,8/10 von Pitchfork und eine klasse Review noch dazu.
arnold apfelstrudel
2008-04-28 22:15:50 Uhr
bitte nich biete.
arnold apfelstrudel
2008-04-28 22:15:25 Uhr
Album der Woche bei helga-rockt.de. Das freut mich sehr. Aber was ist an I Will Not Apologize biete Durchschnitt?
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Threads im Plattentests.de-Forum