Benzin - Auf los geht's los

Benzin- Auf los geht's los

Global / Rough Trade
VÖ: 09.05.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ja, nein, vielleicht

Kraftwerk-Frequenzen, Rammstein-Testosteron, Blümchen-Techno - was die Welt an der hiesigen Musikszene schätzt, dürfte wohlbekannt sein. Im Nachhall dieser Präferenzen wurden hierzulande ebenso viele Brücken gebaut wie abgerissen, während über beiden großen Teichen der Gitarrenlärm zugleich modifiziert, differenziert und popularisiert wurde. Da braucht man sich gar nicht groß zu wundern, dass der Rest der Welt schon längst viel weiter ist, wenn die heimischen Gitarren seit einiger Zeit erst so richtig gefühlsdus(s)elig aufgedreht werden. Und sich folgerichtig alles nur noch nach Klischee anhört. So ist auch die erste reguläre Platte der Ulmer Pop-Punker Benzin eine solche der "Freilich"s und "Ja, ja"s geworden. Allerdings auch eine der "Immerhin"s und "Aber"s.

"Auf los geht's los" bemüht sich redlich. So geht die melodiöse Klarheit, mit der der Pop-Punk-Reigen von "Stadt" oder "Wir sind hier" vorgetragen wird, eindeutig über Verballhornungen der Marke Revolverheld hinaus. Und zwar, indem Benzin auf die energetischen Impulse zurückblicken, die einst im Umbruch auf die frühen 90er in Amerika und Großbritannien formuliert wurden. Was damals noch Popcore hieß und mit den Descendents, Doughboys oder The Senseless Things eine kurzen Sturm auslöste, hat zwar schon längst und spätestens mit Blink 182 die gute Seite gewechselt - weshalb sollten sich Benzin aber daran stören?

So sparen Songs wie "Endorphine" und "Sonnenaufgang" nicht am Offensichtlichen. Benzin gehen trotzdem nicht nur auf Nummer sicher. Sie spielen einfach einen Stil, der in jeder Note stets aufs Neue wachgerüttelt werden muss, da die Narkolepsie mittlerweile in die Grundfesten des Genres zementiert ist. Genau diese Erweckung gelingt Benzin jedoch erfreulich häufig, und selbst die Anstrengung, die dabei eigentlich hörbar sein müsste, ist nur in den seltensten Momenten wirklich präsent. Wenn sich zudem die Choräle von "Sonnenaufgang" zu frühen Miles und die Zwischenparts von "So weit weg" zu irgendwas zwischen Blackmail und Foo Fighters aufbrechen, muss man zwar nicht zwangsläufig mit der Zunge schnalzen - anerkennend nicken darf man hingegen schon. Und auch wenn Texte wie die von Sänger Sebastian Schwaigert natürlich altbekannt und ebenso häufig gehört wie unfreiwillig beschmunzelt worden sind, bleiben die großen verbalen Abrissbirnen, die Metapher-Schabracken und Großspur-Schindmähren hier doch draußen.

Deshalb geht bestimmt noch nicht alles gut auf "Auf los geht's los". Doch viele Songs kriegen eindeutig die Kurve, wissen vor allem mit Energie zu überzeugen und sparen sich genau die übertriebenen Mätzchen, die allzu oft das letzte bisschen Wohlwollen aus dem Hörer herausquetschen. Wenn schon auf Hit getrimmt, dann bitte so. Wenn schon die altbekannten Pop-Punk-Harmonien, dann bitte derart klar und unbekümmert. Denn manch- und zumal in diesem Genre ist ein "Immerhin" eben das Einzige und Äußerste, was man bekommen kann. Und dass live noch eine Portion Spaß mehr hinzukommen dürfte, ist wohl bereits ausgemacht. Um nicht zu sagen: Immer hin!

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Endorphine
  • Maradona

Tracklist

  1. Auf los geht's los
  2. Laut!
  3. So weit weg
  4. Endorphine
  5. Stadt
  6. Wir sind hier
  7. Digital sein
  8. Maradona
  9. Fallschirm
  10. Cottbus im Regen
  11. Sonnenaufgang
  12. Mein Plan

Gesamtspielzeit: 37:40 min.

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